Rezension des Jazz-Albums "Ten One Two" von Shake Stew
Shake Stew
Ten One Two
Erscheinungstermin: 13.02.2026
Label: Traumton Records, 2025
Rhythmische Energie und Innovationskraft im europäischen Jazz
Kaum eine Formation hat die mitteleuropäische Jazzszene der vergangenen Jahre so nachhaltig geprägt wie Shake Stew. 2026 feiert das Ensemble sein zehnjähriges Bestehen – mit einem ambitionierten, dreiteiligen Projekt unter dem Gesamttitel TEN ONE TWO THREE. Die ersten beiden Teile erscheinen unter dem Namen Ten One Two, während der abschließende dritte Teil für den Herbst 2026 angekündigt ist.
Seit der Gründung durch Bassist und Komponist Lukas Kranzelbinder zeichnet sich Shake Stew durch eine eigenständige ästhetische Handschrift aus. Ein charakteristisches Element ist die ungewöhnliche Besetzung mit zwei Schlagzeugen, zwei Kontrabässen und drei Blasinstrumenten. Diese Konstellation ermöglicht eine komplexe rhythmische Architektur, die sich zwischen repetitiven Grooves, polyrhythmischen Überlagerungen und kollektiven Verdichtungen bewegt.
Ten One Two bestätigt die stilistische Reife des Ensembles. Die Musik entwickelt sich in klaren Spannungsbögen, die auf rhythmischer Energie und motivischer Wiederholung basieren. Trotz der dichten Instrumentierung bleibt die Struktur nachvollziehbar; die einzelnen Stimmen greifen präzise ineinander. Die Doppelbesetzung im Rhythmusfundament erzeugt ein kraftvolles Pulsieren, während die Bläserlinien narrative Akzente setzen und das klangliche Spektrum erweitern.
Charakteristisch ist zudem die unmittelbare Wirkung der Kompositionen. Shake Stew gelingt es, komplexe formale Konzepte mit einer direkten, physischen Energie zu verbinden. Die Stücke bauen sich kontinuierlich auf, steigern Intensität und Dynamik und halten über weite Strecken eine kontrollierte Spannung. Dabei entstehen immer wieder neue klangliche Details, die sich bei wiederholtem Hören erschließen.
Ten One Two positioniert sich als konsequente Weiterentwicklung einer Band, die seit einem Jahrzehnt rhythmische Experimentierfreude, improvisatorische Offenheit und kompositorische Klarheit miteinander verbindet. Das Album steht exemplarisch für die Vitalität und Innovationskraft des zeitgenössischen europäischen Jazz.
(Jacek Brun, 28.02.2026)
Besetzung
Lukas Kranzelbinder - Bass, Gimbri, Bandleader
Yvonne Moriel - Alt-Saxofon
Mario Rom - Trompete
Johannes Schleiermacher - Tenor Saxofon, Flöte
Oliver Potratz - Bass
Nikolaus Dolp - Schlagzeug, Percussion
Herbert Pirker - Schlagzeug, Percussion
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Shake Stew und der Sinn des Lebens – Zehn Jahre Groove, Energie und musikalische Freiheit, ein Bericht von Robert Fischer
Titelliste
Disk 1
- Wood
- Ascendance
- Garage
- Bakunawa
- Searching
- Tristan Junk (feat. JJ Whitefield)
- Café San Marco
Disk 2
- Cherry Pie
- The Green Beauty of the Broken World
- Cabanes/Castellon
- Ibdiss
- Free Your Eyes
- King of Thieves
- Tiger
- Sergio St. Carlos
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