Rezension des Albums "Woven Strings" von Achim Seifert Project
Achim Seifert Project
Woven Strings
Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: Traumton Records, 2026
Wenn weniger mehr Raum schafft
Reduktion kann Musik kleiner machen. Oder größer. Auf Woven Strings entscheidet sich Achim Seifert ganz bewusst für die zweite Möglichkeit.
Der in Hamburg lebende Bassist und Komponist ist seit Jahren in unterschiedlichsten musikalischen Zusammenhängen unterwegs – von Trilok Gurtu und Mathias Eick bis zu Udo Lindenberg, Max Mutzke oder Leslie Clio. Mit seinem eigenen Achim Seifert Project tritt er seit 2011 als Bandleader und Komponist in den Vordergrund.
Auf Woven Strings verfolgt Seifert eine klare Idee: Kompositionen und Arrangements sollen kompakter werden, näher an einem Leadsheet-Ideal. Weniger festgeschriebene Details bedeuten mehr Bewegungsfreiheit für die Musiker. Melodien und einzelne Töne bekommen dadurch mehr Gewicht und beginnen stärker miteinander zu kommunizieren.
Diese Haltung prägt das gesamte Album. Die Musik wirkt ruhig, ausgewogen und konzentriert. Harmonische Klarheit und melodische Schönheit stehen im Mittelpunkt, ohne dass die Stücke glatt oder vorhersehbar klingen.
Hayden Chisholm bringt mit Saxofonen und Stimme eine sehr eigene Farbe ein. Lars Duppler schafft am Klavier und Rhodes harmonische Räume, die offen genug bleiben, um Bewegung zuzulassen. Rafa Müller sorgt mit Schlagzeug und Percussion für feine rhythmische Impulse, während Seiferts Bass das Ensemble zusammenhält, ohne es festzulegen.
Die Improvisationen erweitern die Kompositionen, statt sich von ihnen zu entfernen. Aus einzelnen melodischen Motiven entstehen neue Richtungen, aus kleinen rhythmischen Verschiebungen neue Spannungen. Die Musiker reagieren aufmerksam aufeinander und entwickeln das vorhandene Material weiter.
Frederik Kösters Trompete fügt im Stück AT eine weitere Stimme hinzu, ohne den transparenten Charakter des Albums zu verändern.
Woven Strings lebt von dieser Balance aus Klarheit und Offenheit. Die Musik erzählt ruhig, aber nie statisch. Sie gibt den Tönen Zeit, sich zu entfalten, und den Musikern Raum, ihre eigene Sprache einzubringen.
Achim Seifert zeigt, wie viel Ausdruck entstehen kann, wenn man nicht immer mehr hinzufügt. Manchmal reicht es, den richtigen Tönen genug Platz zu lassen.
(Jacek Brun, 25.10.2026)
Besetzung
Hayden Chisholm - Saxophones & Vocals
Frederik Köster (on „AT“) - Trumpet
Lars Duppler - Piano & Rhodes
Achim Seifert - Bass & Composition
Rafa Müller - Drums & Percussion
Titelliste
- movement II
- BL
- movement I
- kind of a ballad
- the last days of night
- AT
- sound of you
- movement III
- fly
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