Rezension des Albums "Coming Home" von August Zirner & Sven Faller

August Zirner & Sven Faller - Coming Home - Album cover
August Zirner & Sven Faller - Coming Home

August Zirner & Sven Faller
Coming Home

Erscheinungstermin: 02.10.2026
Label: GLM, 2026

August Zirner & Sven Faller - Coming Home - bei JPC kaufen

Zwischen Aufbruch und Ankommen

jazz-fun`s recap:

Was bedeutet Heimat? Ein Ort, eine Erinnerung, ein Mensch, eine Sprache? August Zirner und Sven Faller nähern sich dieser Frage auf Coming Home nicht mit einer eindeutigen Antwort. Sie machen daraus eine Reise.

Sprache und Musik gehen dabei von Anfang an gemeinsam voran. Zirner und Faller erzählen von Aufbruch, Ankunft, Familiengeschichten, biografischen Spuren und unerwarteten Begegnungen. Persönliche Erinnerungen verbinden sich mit musikalischen Motiven, Gedanken mit improvisierten Passagen.

Die Besetzung könnte reduzierter kaum sein: Querflöte und Kontrabass. Zwei Instrumente an den gegenüberliegenden Enden des Registers. Der eine Klang leicht, hell und beweglich, der andere tief, erdverbunden und tragend.

Aus diesem Gegensatz entsteht ein erstaunlich vollständiger Klangraum.

Die Melodie kann frei schweben, während der Bass Halt gibt, doch die Rollen bleiben nicht festgelegt. Faller entwickelt melodische Linien, Zirner reagiert rhythmisch oder setzt kurze Impulse. Beide Instrumente führen ein Gespräch, das viel Raum zwischen den Tönen lässt.

Diese Offenheit passt hervorragend zu den Texten. Nicht alles wird ausgesprochen. Pausen, Andeutungen und Leerstellen laden dazu ein, eigene Erinnerungen und Vorstellungen einzubringen.

Musikalisch reicht der Weg weit. Gershwins Summertime, Take Five, Duke Ellington und Miles Davis treffen auf Bachs Bourrée. Jazz und Klassik stehen nicht als Gegensätze nebeneinander, sondern als verschiedene Stationen derselben Reise.

Die Arrangements reduzieren das Material auf seine wesentlichen Linien. Bekannte Melodien bleiben erkennbar, werden aber von allem Überflüssigen befreit. Dadurch erscheinen sie oft überraschend neu.

Das warme, natürliche Klangbild von Flöte und Kontrabass trägt diese Idee sehr überzeugend. Leichtigkeit und Bodenhaftung, Europa und Amerika, Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich, ohne dass daraus eine künstliche Synthese entsteht.

Coming Home erzählt deshalb nicht davon, dass Heimat irgendwann endgültig gefunden wird. Vielleicht verändert sie sich mit jedem Weg, den wir gehen. Und vielleicht erkennt man sie manchmal erst, wenn man lange unterwegs war.

(Jacek Brun, 23.10.2026)

Besetzung

August Zirner – Querflöte & Sprache
Sven Faller – Kontrabass & Sprache

Titelliste

  1. 30 Töne
  2. Nature Boy
  3. Ella
  4. Serenade To A Cuckoo
  5. Hertha
  6. Laqueur
  7. Es
  8. Take Five
  9. Platten
  10. Bourrée In E-Moll
  11. Wiener Blues
  12. All Blues
  13. Ausfahrt
  14. Autobahn
  15. Gershovitz
  16. Summertime
  17. Naab
  18. Caravan
  19. Eden
  20. Nature Boy (Reprise)

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 6 plus 1.