Rezension des Albums "Tonepool Paradox" von Brainteaser Orchestra

Brainteaser Orchestra - Tonepool Paradox - Album cover
Brainteaser Orchestra - Tonepool Paradox

Brainteaser Orchestra
Tonepool Paradox

Erscheinungstermin: 02.10.2026
Label: Enja, 2026

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Wenn Improvisation zum Baumaterial wird

jazz-fun`s recap:

Dreizehn eigenständige Bandleader in einem Ensemble zusammenzubringen, klingt zunächst nach einem Rezept für Reibung. Beim Brainteaser Orchestra wird genau daraus das Prinzip.

Der niederländische Komponist und Dirigent Tyn Wybenga arbeitet mit einigen der markantesten Stimmen der aktuellen Amsterdamer Szene. Teis Semey, Kika Sprangers, Jamie Peet, George Dimitriu, Yanna Pelser, Nabou Claerhout, Federico Calcagno und Alessandro Fongaro bringen jeweils eine klar erkennbare eigene Sprache mit. Wybenga versucht nicht, diese Unterschiede zu glätten.

Sein kompositorischer Ansatz unterscheidet sich deutlich von klassischer Big-Band-Arbeit. Er zeichnet Improvisationen einzelner Musiker auf, zerlegt sie in Fragmente und verwendet dieses Material später erneut – ähnlich wie ein Hip-Hop-Produzent Samples verarbeitet. Aus bereits gespielten Gesten entstehen neue Kompositionen, in denen Vergangenheit und Gegenwart des Ensembles gleichzeitig hörbar bleiben.

Der scherzhafte Beiname „Duke Electronicton“ passt deshalb erstaunlich gut. Wybenga kombiniert Jazz, Elektronik und zeitgenössische klassische Musik, ohne dass daraus ein akademisches Konstrukt entsteht. Die Schichten bleiben komplex, aber die Musik verliert nie ihre körperliche Präsenz.

Auf Tonepool Paradox wird diese Idee noch weiter geöffnet. Mit Gästen wie Otis Sandjö, Theo Ceccaldi, Lizz Wright und Pink Oculus erweitert sich das klangliche Spektrum deutlich. Die unterschiedlichen ästhetischen Hintergründe der Beteiligten werden nicht vereinheitlicht, sondern bewusst nebeneinandergestellt und neu miteinander verschränkt.

Federico Calcagnos Klarinette oder Nabou Claerhouts Posaune können scharf konturierte Linien setzen, während die Streicher weichere, melodische Flächen erzeugen. Elektronische Elemente greifen in akustische Passagen ein, Stimmen verändern die Perspektive, rhythmische Schichten verschieben sich gegeneinander.

Nics Hards Mix hält diese Vielzahl an Details zusammen. Trotz der großen Besetzung und der Vielzahl an Quellen wirkt das Ergebnis nicht steril oder überproduziert. Die Musik bleibt beweglich und überraschend organisch.

Tonepool Paradox verlangt Aufmerksamkeit. Wer nur beiläufig zuhört, wird vieles verpassen. Die Stärke des Albums liegt in den kleinen Übergängen, in plötzlich auftauchenden Fragmenten, in Details, die später in verändertem Zusammenhang wiederkehren.

Je genauer man zuhört, desto deutlicher wird, wie raffiniert diese Musik konstruiert ist. Und wie lebendig sie trotzdem bleibt.

(Jacek Brun, 22.10.2026)

Besetzung

Tyn Wybenga - cond, comp & keys
Nicolò Ricci - tsax
Kika Sprangers - sax
Nabou Claerhout - tb
Federico Calcagno - b-cl
Pablo Rodriguez - vl
Yanna Pelser - vla
George Dumitriu - vla
Pau Sola - cel
Teis Semey - guit
Aleksander Sever - vib
Alessandro Fongaro - b
Jamie Peet - dr

Special Guests:
Lizz Wright - voc
Pink oculus - voc
Otis sandsjö - sax
Theo Ceccaldi - vl

Titelliste

  1. Disambiguation
  2. Ode To Johnny Doran
  3. The Day They Came
  4. Continuum V
  5. Taal Pravaah
  6. Mantra On An Irish Stream
  7. Haute Savoie
  8. Dark Slender Boy

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