Rezension des Albums "DAYDREAMING My Beloved Father GIOVANNI" von Carla Marciano

Carla Marciano - DAYDREAMING My Beloved Father GIOVANNI - Album cover
Carla Marciano - DAYDREAMING My Beloved Father GIOVANNI

Carla Marciano
DAYDREAMING My Beloved Father GIOVANNI

Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: Challenge Records, 2026

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Was von der Liebe bleibt

jazz-fun`s recap:

Erinnerung kann schmerzen. Sie kann aber auch tragen. Auf DAYDREAMING My Beloved Father GIOVANNI verwandelt Carla Marciano persönliche Verluste in Musik, die nicht in Trauer verharrt, sondern von Dankbarkeit, Liebe und neuer Kraft erzählt.

Das Album ist ihrem Vater Giovanni gewidmet, mit dem Marciano eine enge Beziehung verband. Er weckte früh ihre Liebe zur Musik und prägte damit einen wesentlichen Teil ihres späteren künstlerischen Weges. Nach dem Verlust beider Eltern und einer schweren Phase nach einem Verkehrsunfall entstand eine Aufnahme, in der biografische Erfahrung und musikalischer Ausdruck eng miteinander verbunden sind.

Marciano erzählt diese Geschichte nicht mit Worten, sondern mit Melodien, Klangfarben und improvisierten Linien. Ihr Alt- und Sopraninosaxofon trägt die emotionale Hauptstimme. Mal wirkt ihr Spiel lyrisch und beinahe fragil, dann wieder kraftvoll und entschlossen. Die Intensität entsteht nicht aus Übertreibung, sondern aus der Klarheit des Ausdrucks.

Ihr langjähriges Ensemble bietet dafür ein verlässliches Fundament. Alessandro La Corte am Klavier, Aldo Vigorito am Kontrabass und Gaetano Fasano am Schlagzeug kennen Marcianos musikalische Sprache genau und lassen den Kompositionen viel Raum. Dario Deidda erweitert mit seinem Bass die klanglichen Möglichkeiten zusätzlich.

Die Musiker agieren nicht als Begleitung einer Solistin. Jeder erhält Raum für eigene Aussagen, und die improvisierten Passagen wachsen organisch aus den Kompositionen heraus. Marciano bleibt dennoch klar als musikalisches Zentrum erkennbar.

Mehrere Stücke werden durch die Philharmoniker des Teatro Giuseppe Verdi di Salerno erweitert. Die orchestralen Arrangements verleihen dem Album Größe und zusätzliche emotionale Tiefe, ohne die Intimität seiner Grundidee zu überdecken. Streicher und größere Klangflächen öffnen die Musik, während das Jazzensemble ihre unmittelbare Beweglichkeit bewahrt.

Im Mittelpunkt stehen starke Melodien. Sie geben den Stücken Halt und ermöglichen es Marciano, zwischen komponierter Form und improvisatorischer Freiheit zu wechseln. Trotz des großen Produktionsrahmens bleibt die Musik transparent und unmittelbar.

DAYDREAMING ist ein sehr persönliches Album, aber kein in sich gekehrtes. Die Geschichte des Verlustes wird nicht zum Endpunkt. Aus ihr entsteht etwas Offenes: Erinnerung als Kraftquelle, Musik als Form des Weiterlebens.

Carla Marciano hat daraus ein Werk geschaffen, das Schmerz kennt, aber nicht von ihm beherrscht wird. Was bleibt, ist Liebe.

(Jacek Brun, 09.10.2026)

Besetzung

Carla Marciano - Saxophone
Alessandro La Corte - Piano
Aldo Vigorito - Double bass
Dario Deidda - Bass
Gaetano Fasano - Drums

Giuseppe Verdi di Salerno Philharmonic Orchestra

Titelliste

  1. Daydreaming
  2. Your sweet smile
  3. Flying
  4. Johnny is walking
  5. Flowers from the sky
  6. We stay at home
  7. Hypnagogic state (sleep/wake/sleep)
  8. Daydreaming (church version)

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