Rezension des Albums "Like Lambs: To The Slaughter" von Empirical
Empirical
Like Lambs: To The Slaughter
Erscheinungstermin: 26.06.2026
Label: Whirlwind Recordings, 2026
Nicht jede Warnung muss laut sein – manche spricht mit leisen Tönen am eindringlichsten
Schon der Titel lässt aufhorchen. Like Lambs: To The Slaughter klingt nach Unruhe, nach Gefahr und nach einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Doch Empirical entscheiden sich bewusst gegen plakative Dramatik. Stattdessen erzählen sie ihre Geschichte mit musikalischer Tiefe, subtilen Spannungsbögen und einer bemerkenswerten emotionalen Offenheit.
Für ihr achtes Album hat sich das britische Trio Nathaniel Facey, Tom Farmer und Shaney Forbes Unterstützung von zwei langjährigen Weggefährten geholt: Pianist Ivo Neame und Gitarrist David Preston erweitern den Ensembleklang um zusätzliche Farben und eröffnen neue harmonische Räume. Trotz dieser erweiterten Besetzung bleibt der charakteristische Sound von Empirical jederzeit erkennbar – transparent, kommunikativ und voller gegenseitigem Vertrauen.
Ausgangspunkt des Albums ist eine umfassende Neubearbeitung der von Schlagzeuger Shaney Forbes komponierten Suite, die ursprünglich 2022 in kürzerer Form erschienen war. In ihrer jetzigen Gestalt entwickelt sie sich zu einer rund fünfzigminütigen musikalischen Erzählung, deren einzelne Kapitel organisch ineinandergreifen. Jeder Abschnitt besitzt seine eigene Atmosphäre, bleibt aber Teil eines größeren dramaturgischen Bogens.
Bemerkenswert ist dabei die Balance zwischen Spannung und Ruhe. Obwohl das Werk von den Unsicherheiten unserer Zeit inspiriert ist, dominiert keine düstere Grundstimmung. Vielmehr begegnet Empirical den großen Fragen mit Reflexion statt mit Pathos. Warme Klangfarben, lyrische Passagen und fein entwickelte Improvisationen schaffen immer wieder Momente des Innehaltens, bevor sich die Musik erneut verdichtet.
Vor allem Nathaniel Facey prägt mit seinem ausdrucksstarken Altsaxofon den Charakter des Albums. Seine Soli verbinden technische Souveränität mit erzählerischer Klarheit und wirken nie losgelöst vom Ensemble. Ebenso überzeugend fügen sich Ivo Neame und David Preston in das Klangbild ein. Ihre Beiträge erweitern die musikalische Palette, ohne den kammermusikalischen Dialog der Band zu überdecken. Das rhythmische Fundament aus Tom Farmers elastischem Bassspiel und Shaney Forbes' sensibler Schlagzeugarbeit hält diese vielschichtigen Entwicklungen jederzeit zusammen.
Gerade diese musikalische Empathie macht Like Lambs: To The Slaughter so eindrucksvoll. Virtuosität dient hier nicht der Selbstdarstellung, sondern dem gemeinsamen Ausdruck. Die Musiker hören einander aufmerksam zu, reagieren auf kleinste Impulse und entwickeln ihre Ideen mit bemerkenswerter Konsequenz weiter.
Mit Like Lambs: To The Slaughter bestätigt Empirical eindrucksvoll seinen Ruf als eines der spannendsten Ensembles der britischen Jazzszene. Das Album verbindet kompositorische Geschlossenheit, improvisatorische Freiheit und emotionale Tiefe zu einer ebenso anspruchsvollen wie berührenden musikalischen Reise – und zählt zweifellos zu den stärksten Veröffentlichungen der Band.
(Jacek Brun, 23.07.2026)
Besetzung
Nathaniel Facey - Alto Saxophone
Thomas Farmer - Double Bass
Shaney Forbes - Drums
Guests:
Ivo Neame - Piano
David Preston - Guitar
Titelliste
- The Garden of Beginnings: Innocence and Bliss
- Giants
- Like Lambs: Ignorance and Innocence
- Like Lambs: To The Slaughter
- Like Lambs: To Our Own Demise
- The Garden of Beginnings: Earth
- Drogon
- The Garden of Beginnings: Divine Revelation
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