Rezension des Albums "Meeting of the Four" von Evening Sky
Evening Sky
Meeting of the Four
Erscheinungstermin: 26.06.2026
Label: NCM East Records, 2026
Die spannendsten Wege entstehen dort, wo Landkarten keine Grenzen mehr kennen
Es gibt Alben, bei denen sich die Frage nach dem Genre schnell erledigt. Nicht, weil sie sich eindeutig zuordnen lassen, sondern weil sie sich jeder Schublade entziehen. Meeting of the Four von Evening Sky gehört genau zu diesen seltenen Aufnahmen.
Das Quartett aus Rhode Island bewegt sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit zwischen Jazz, Americana, Soul, Country, Rock, Folk und Reggae. Doch anstatt diese Einflüsse nebeneinanderzustellen, verschmelzen sie zu einer musikalischen Sprache, die vollkommen selbstverständlich wirkt. Stilistische Grenzen verlieren ihre Bedeutung – entscheidend ist allein, wohin sich die Musik entwickeln möchte.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der unverwechselbare Klang der Pedal-Steel-Gitarre von Chris Brooks. Mal erinnert sie an die weiten Landschaften amerikanischer Countrymusik, dann wieder an den warmen Ton klassischer Soul-Aufnahmen oder an die Offenheit improvisierter Jazzmusik. Gerade diese klangliche Vielseitigkeit verleiht dem Album seinen ganz eigenen Charakter.
Ebenso prägend ist das Zusammenspiel der gesamten Band. Die melodischen Gitarrenlinien von Gino Rosati verbinden lyrische Klarheit mit improvisatorischer Freiheit, während Joe Potenza am Bass und Eric Hastings am Schlagzeug ein rhythmisches Fundament schaffen, das sich mühelos zwischen entspannten Grooves, funkigen Passagen und offenen Klangflächen bewegt. Hammond-Orgel und Moog-Synthesizer setzen dabei immer wieder farbige Akzente, ohne den organischen Gesamteindruck zu stören.
Besonders beeindruckend ist, wie selbstverständlich die unterschiedlichsten musikalischen Traditionen ineinandergreifen. Folk trifft auf Psychedelia, Soul auf Jazz, Country auf improvisierte Klangräume – und dennoch entsteht niemals der Eindruck eines stilistischen Experiments. Vielmehr entwickelt das Quartett eine Musik, die aus gemeinsamer Erfahrung, gegenseitigem Vertrauen und großer musikalischer Neugier hervorgeht.
Gerade diese Offenheit macht Meeting of the Four so reizvoll. Mit jedem Stück werden neue Bezüge hörbar, neue Farben treten hervor und neue Verbindungen zwischen den Genres entstehen. Das Album lebt nicht von überraschenden Stilwechseln, sondern von ihrer Natürlichkeit. Die Musik fließt unaufgeregt weiter und lädt dazu ein, ihr ohne Erwartungen zu folgen.
Mit Meeting of the Four präsentiert Evening Sky ein ebenso originelles wie stimmiges Instrumentalalbum. Es verbindet die unterschiedlichsten Facetten amerikanischer Musiktraditionen mit improvisatorischer Freiheit und entwickelt daraus einen eigenen, unverwechselbaren Klang. Ein Album, das sich Zeit nimmt, seine Welt zu entfalten – und gerade deshalb lange nachhallt.
(Jacek Brun, 23.07.2026)
Besetzung
Chris Brooks - Pedal Steel Guitar
Gino Rosati - Electric Guitar
Joe Potenza - Basses
Eric Hastings - Drums, Percussion, Hammond Organ, Moog
Titelliste
- For Ernest
- Bad Choices
- Mysterious Wisteria
- Coffee Monster
- Ballz Out
- Excellent Question
- Wanskuckin'
- Blue Leisure Suit
- Sunday Afternoon
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