Rezension des Albums "Don'T Look Behind, Always Forward" von Hania Derej Trio
Hania Derej Trio
Don'T Look Behind, Always Forward
Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: Hania Derej, 2026
Musik wie ein Blick nach vorn
Manche Alben beeindrucken durch Virtuosität. Andere durch ihre Fähigkeit, Bilder entstehen zu lassen. Don’t Look Behind, Always Forward gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Nach Evacuation setzt Hania Derej ihre musikalische Entwicklung mit einem neuen Trio fort. Gemeinsam mit Mateusz Szewczyk an Kontrabass und E-Bass sowie Gniewomir Tomczyk am Schlagzeug entwickelt sie eine Musik, die modernen Jazz mit filmischer Dramaturgie, freier Improvisation, neoklassischen Elementen und elektronischen Klangfarben verbindet.
Trotz dieser stilistischen Offenheit wirkt das Album nie zerfasert. Derejs melodische Handschrift hält die Musik zusammen. Jede Komposition besitzt einen eigenen Charakter, eine eigene Farbigkeit und eine eigene emotionale Bewegung. Manche Stücke wirken weit und offen, andere konzentrierter und nachdenklicher. Wieder andere entfalten eine fast szenische Wirkung, als würde sich vor dem inneren Auge eine Geschichte entwickeln.
Das Trio spielt dabei nicht auf Effekt. Große solistische Gesten stehen nicht im Mittelpunkt. Die Musiker haben Raum für eigene Aussagen, doch diese bleiben Teil der kompositorischen Erzählung. Bass und Schlagzeug tragen, reagieren, verdichten und öffnen. Derejs Klavierspiel führt durch die Stücke, ohne sie zu dominieren.
Die Gastmusiker erweitern diese Klangwelt gezielt. Neben Krzysztof Kuśmierek und dem vielseitigen Holzbläser Abel Sánchez Abarca ist auch der international renommierte Saxofonist Walter Smith III zu hören. Seine Beiträge fügen sich organisch in Derejs kompositorische Sprache ein und verleihen einzelnen Passagen zusätzliche Tiefe und Ausdruckskraft, ohne den klaren Charakter des Trios zu überdecken.
Die Stärke von Don’t Look Behind, Always Forward liegt in der Balance aus Struktur und Offenheit. Die Musik ist sorgfältig gestaltet, lässt aber genügend Raum für spontane Entwicklungen. Melodien bleiben im Gedächtnis, während sich darunter ständig neue rhythmische und klangliche Details verschieben.
Hania Derej zeigt sich hier als Komponistin mit einer klaren eigenen Vorstellung. Sie muss ihre Musik nicht mit technischer Brillanz überladen. Ihre Stücke tragen durch Atmosphäre, Form und emotionale Konsequenz.
Diese Musik erzählt viel, ohne Worte zu benötigen. Man muss nur die Augen schließen und sich von ihr mitnehmen lassen.
(Jacek Brun, 09.10.2026)
Besetzung
Hania Derej — piano, composition, electronics
Mateusz Szewczyk — double bass, electric bass
Gniewomir Tomczyk — drums
Special Guests:
Krzysztof Kuśmierek - saxophones
Abel Sánchez Abarca - woods
Walter Smith III - saxophones
Titelliste
- Always Forward
- Hope
- The Closer the Further
- Lost in Berlin
- Life Upside Down
- September
- RUSH
- Falling in the Same Place
- Don't Look Behind
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben