moers festival 2025

Moers

moers festival 2025

Plakat: „© Moers Kultur GmbH
Plakat: „© Moers Kultur GmbH

Auf ins Unimoersum: moers festival präsentiert diesjähriges Programm Stille als Thema 2025 – Highlights, Länderschwerpunkte, Neuerungen und besondere Projekte.

Moers. Das bundesgeförderte moers festival, eines der bedeutendsten internationalen Festivals für Jazz, Avantgarde und experimentelle Musik in Deutschland, hat heute das Programm für seine 54. Ausgabe vom 6. bis 9. Juni 2025 vorgestellt. Dieses Jahr steht das Festival unter dem Thema „Stille“ und präsentiert sowohl international gefeierte Künstler*innen als auch neue Entdeckungen aus den Bereichen Jazz, Improvisation und Avantgarde. Neben den musikalischen Highlights werden auch diverse Genre-Überschreitungen und kreative Projekte geboten – dabei treten Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen von Elektro über Alte Musik bis hin zu zeitgenössischer Musik auf.

Bei einer spektakulären Pressekonferenz wurde das diesjährige Programm aus über 30 Metern Höhe den Medien vorgestellt. „Wir möchten neue Hör- und Sehperspektiven einnehmen, verschiedene Formen von Stille erleben und wieder lernen, die Ohren zu spitzen“, fasst Festivalleiter Tim Isfort die Idee hinter der besonderen Pressekonferenz zusammen. „Natürlich ist das nur ein Vorgeschmack auf das anstehende Festival, bei dem es auch viel um Wahrnehmung, neue Töne und Experimente aus dem Moerser Klanglabor geht“, verrät er. „Aus diesem Grund haben nicht nur wir, sondern auch die anwesenden Journalist*innen mit uns gemeinsam eine neue Perspektive in luftiger Höhe eingenommen. Dass das möglich ist, verdanken wir mutigen Menschen, die auch in kulturell wackeligen Zeiten Kultursponsoring betreiben. Wir freuen uns sehr, dass die Firma Gerken Arbeitsbühnenvermietung als neuer Unterstützer an unserer Seite ist und diesen besonderen Perspektivwechsel ermöglicht. Auf dem Festival wird es Dank der Firma Gerken noch mehr Möglichkeiten entdecken, Perspektiven zu ändern.“ Auch die Gestalt und das Bühnenbild des Festivals werden das Thema Stille aufgreifen. Als Reaktion auf gesellschaftliche und musikalische Entwicklungen lautet die jährlich wechselnde Unterzeile im Slogan in 2025 „Jazzfestival für Musik, Miteinander, Freysinn und Klangfriede“.

Musikalische Höhepunkte

Einige musikalische Highlights wurden bereits veröffentlicht, darunter das außergewöhnliche und weltweit gefeierte Duo Vijay Iyer und Wadada Leo Smith, Koshiro Hino, Ellen Arkbro, Caspar Brötzmann, The Sleep of Reason Produces Monsters, Will Northlich aka Blipvert oder Hayden Chisholm’s Kinetic Chain. Weitere Acts wie Holy Scum, Kalia Vandever, Nduduzo & Omagugu Makhathini, Maya Dunietz, Led Bib, Spinifex Maxximus, Tan Shouxin, Willi Kellers The Circle oder Angelica Sanchez komplettieren das Line-Up. Auch das Bundesjazzorchester (kurz Bujazzo) tritt an Pfingsten in Moers auf – es präsentiert in seinem aktuellen Programm ausgewählte Musik aus Entschädigungsakten verfolgter Musikschaffender im Nationalsozialismus.

Im Rahmen einer neuen Kooperation mit dem Huddersfield Contemporary Music Festival (hcmf//) – Großbritanniens größtem internationalen Festival für neue und experimentelle Musik – werden an Pfingsten in Moers spezielle Sonderkonzerte präsentiert. Das dreijährige Projekt wird von der GVL (deutsche Verwertungsgesellschaft für ausübende Künstler*innen und Hersteller*innen), PPL (britisches Pendant: Phonographic Performance Limited) und dem
Goethe-Institut London gefördert. Im Verlauf der Kooperation kuratiert jedes Festival Konzerte während des Festivals des jeweiligen Partners. Die Konzerte in Moers erweitern das Festivalprogramm und bereichern die musikalische Vielfalt. Weitere Details zu den Sonderkonzerten werden in den kommenden Wochen bekanntgegeben.

Auf ins Unimoersum!

Die Konzerte finden auf zwei Hauptbühnen statt, doch das gesamte Programm erstreckt sich über vier weitere Bühnen, die sich alle auf dem kostenfrei zugänglichen Festivalmarkt befinden. Dazu kommen zahlreiche Spielorte in der gesamten Moerser Innenstadt – bekannt als moersify –, darunter die evangelische Kirche, das Bollwerk 107, Die Röhre, die Barbara Buchhandlung oder das Café Mondrian. So verwandelt sich an Pfingsten die gesamte Stadt in ein riesiges Festivalgelände und lädt nicht nur Festivalfans, sondern auch Unentschlossene oder Interessierte dazu ein, Konzerte zu besuchen – nicht nur die Konzerte auf dem Festivalmarkt sind kostenfrei, auch alle moersify-Konzerte können ohne Festivalticket frei besucht werden.

250 Künstler*innen aus 20 Nationen – laut, wild mutig, schräg und still

Überraschen dürfte auch das Thema des Festivals: Stille. Ein kleines Wort mit viel Bedeutung, um welches das moers festival inhaltlich, künstlerisch und gesellschaftlich kreisen wird. „Wir haben für das 54. moers festival in dieser lauten und krisengeplagten Zeit das außergewöhnliche Thema der Stille ausgewählt. Dazu haben wir alle Künstler*innen gebeten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und auch Auftragskompositionen an ausgewählte Komponist*innen vergeben. Ich bin sehr stolz, was dabei herausgekommen ist“, so Isfort. „Rund 250 Küstler*innen aus 20 Nationen kommen an Pfingsten nach Moers und werden wie immer laut, wild, mutig, schräg, aber auch still und leise zwischen Experiment, musikalischem Wagemut und Improvisation das Areal um die Festivalhalle zu einem ganz besonderen Ort machen.“ Die Auftragskompositionen wurden an den Komponisten und Sounddesigner Will Northlich-Redmond, den japanischen Multiinstrumentalisten Koshiro Hino sowie die israelische Musikerin und Klangkünstlerin Maya Dunietz vergeben.

Der Start: musikalische Grenzerfahrung aus dem 16. Jahrhundert

Das Festival beginnt am Freitag, den 6. Juni, mit einem spektakulären, 8-stündigen Konzert von Multiple Voices. Terry Wey und Ulfried Staber stellen sich der gesanglichen und mentalen Herausforderung, das 40-stimmige „Spem in Alium“ von Thomas Tallis nur zu zweit zur Aufführung zu bringen. „Die beiden Musiker, die Thomas Tallis‘ Werk in einer einzigartigen Performance darbieten, führen das Publikum innerhalb von acht Stunden in ein klangliches, stimmliches und zeitliches Wurmloch, das uns immer wieder ins 16. Jahrhundert zurückschleudert“, erklärt der Festivalleiter. „Eine außergewöhnliche Festivaleröffnung und absolute Grenzerfahrung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.“ Zugleich wird mit Ying Yang Hexa Cosmos auch der erste kleine Schwerpunkt chinesischer improvisierter Musik am Freitag beginnen.

Länderschwerpunkte: China und Ruanda

In der chinesischen Kulturgeschichte zeigen sich seit 1976 verschiedene musikästhetische Konzepte der Stille, die weniger als Gegenpol zum Lärm als vielmehr im ambivalenten Austarieren einer harmonischen Mitte verstanden werden – Stille rückt ins Zentrum der modernen Musik. Auch aus diesem Grund richtet das moers festival 2025 seinen Blick nach China und die dortige Improvisationsszene: Das Festival gibt einen kleinen Einblick in die spannende und oft verborgene Musikszene des Landes, das Tradition und rasante technologische Entwicklung vereint. „In Städten wie Beijing und Shanghai entstehen innovative Klänge von elektronischer Musik bis zu Free Jazz und experimentellen Sounds - trotz Zensur und Kontrolle“, so Isfort. Aber auch der Gegenpol zur Stille, also Noise und Drone-Musik sind bei den chinesischen Musiker*innen zu finden, wodurch spannende Begegnungen entstehen. In Moers mit dabei sind unter anderem Mamer, Lao Dan & Li Daiguo, Zhu Wenbo & Zhao Cong sowie Sun Yizhou. Insgesamt werden zehn Künstler*innen aus China in diesem Jahr in Moers zu Gast sein und rund 15 Konzerte spielen. Dabei werden die Artists auch in Konstellationen mit anderen Festivalacts zu hören sein – beispielsweise tritt Su dance110 gemeinsam mit Ende der Liebe auf – ein Beispiel für besonderes Konzert, das so nur beim moers festival zu erleben ist.

Auch die Reihe „?Afrika“ wird fortgesetzt: Mit einem kleinen, aber feinen Einblick in die aufregende Musikszene Ruandas schließt sich der ostafrikanische Binnenstaat in die Reihe der Länderschwerpunkte ein. Ein Highlight ist URWEREKA, ein außergewöhnliches Projekt, das die Kunstszene Ruandas durch vier einzigartige Künstler prägt: Bobo Elvis, Binghi, Manzi Mbaya und Natacha „Miziguruka“ Muziramakenga. Bobo Elvis, ein virtuoser Hip-Hop- und Bone-Breaking-Tänzer, hat mit internationalen Projekten wie Neptune Frost Aufsehen erregt. Seine Bewegungen sind ein Transformationsprozess, der die Grenzen von Raum und Zeit herausfordert. Binghi, ein Meister der körperlichen Ausdruckskraft, vereint traditionelle und moderne Tanzformen zu einer Sprache, die jenseits von Worten spricht. Manzi Mbaya, Choreograf und Tanzlehrer, lässt in seinen Arbeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem kaleidoskopischen Tanz verschmelzen. Miziguruka verwischt die Grenzen zwischen Musik und Tanz und führt uns in eine Welt, in der Bewegungen die Realität beeinflussen. Gemeinsam überschreiten sie mit URWEREKA die Grenzen des Tanzes und der Musik und erschaffen eine neue Dimension der künstlerischen Erfahrung. Alle Künstler*innen sind zudem in weiteren Konstellationen und Konzerten während des Festivals zu erleben.

In gewohnter Festivaltradition werden die Musiker*innen aus China und Ruanda aber auch dazu eingeladen, gemeinsam mit anderen Festivalkünstler*innen Neues zu entwickeln, gemeinsam zu improvisieren und sich musikalisch auszutauschen. Eigens für kreative, spontane und improvisierte Begegnungen sind Slots auf verschiedenen Bühnen vorgesehen, die mit freien Impro-Sessions gefüllt werden können.

Alles neu, alles gleich

Das Festivalgelände wird in 2025 konzentrierter und an einem Ort stattfinden: Die Festivalhalle ist wieder Mittelpunkt des Festivals und im für alle zugänglichen, kostenfreien Festivaldorf mit Händler*innenmarkt (vor der Halle) finden sich zahlreiche kulinarische, künstlerische und musikalische Angebote. Im angrenzenden Campingbereich des Freibades werden eine Open-Air-Bühne sowie die in den letzten Jahren überaus erfolgreiche Workshop-Wiese „Wo die wilden Kinder wohnen“ bespielt. Durch die räumliche Konzentration des Festivalgeländes gibt es kürzere Wege, dies sorgt für die Besuchenden zu einer höheren Aufenthaltsqualität.

Das bereits im Februar eingeführte und bisher gut angenommene neue Ticketing-Modell ermöglicht eine inklusivere Festivalteilhabe: Ganz nach dem Motto „Pay What You Want“ können Besucher*innen den Ticketpreis aus fünf festen Preiskategorien selbst auswählen. Für 40, 80, 120, 160 und 300 Euro ermöglicht das Ticket vier Tage Festivalspaß und Camping (im abgegrenzen Campingbereich im Solimare). Nur das Ticket für stille Held*innen (300 Euro) bietet weitere Vorteile: Platzgarantie in der Festivalhalle, ein Geheimkonzert an Pfingsten, Backstage-Zugang mit Catering und das jährliche Festivalshirt. Auch ein neues Konzept zu den beliebten Camper- und Wohnmobilstellplätzen wird in den kommenden Wochen veröffentlicht.

… und noch viel mehr

Neben einem ein Festivaldorf, in dem alles nebeneinander gleichberechtigt stattfindet, Hanns Dieter Hüschs Geist weht, verschiedene Perspektiven eingenommen werden, wo wilder „moers sound“ auf mehreren Bühnen herrscht und alle immer wieder Stille umgibt, treffen Publikum und Besucher*innen in diesem Jahr auf einen 16 Meter hohen Kasper, der mit einer riesigen Fliegenklatsche über den Festivalmarkt wandelt: Beim musikalischen Überlebenskampf „Der Kasper schlägt die Fliegen tot“, der von Snuff Puppets und Stefanie Oberhoff nach Moers gebracht wird, will ein riesiger Kasper den umherschwirrenden Fliegen ein Ende bereiten – ein gigantischer Totentanz zu Widerstand, Vielfalt, Diversität und Solidarität, der erstmals in NRW zu sehen ist.

Auch die Reihe „discussions“ wird fortgesetzt, in der sich verschiedene Gesprächspartner*innen zu gesellschaftlichen oder politischen Inhalten oder auch zu Musik unterhalten. „Stille“ ist natürlich auch in den diesjährigen discussions ein zentrales Thema, und wird mit Expert*innen verschiedener Fachrichtungen beleuchtet.

Ein weiteres Highlight auf dem Festivalmarkt ist die Spendenaktion, die das moers festival gemeinsam mit der Firma Gerken startet: Für fünf Euro können mutige Mondfahrer*innen mit der Riesen-Gerken-Bühne bis zu 60 Meter in die Höhe fahren, ein Selfie machen oder die Festival-Aussicht und die Stadt genießen. Die Erlöse der gemeinsamen Spendenaktion „mit Gerken bis zum Mond (und zurück)“ gehen zu 100% an Klartext für Kinder e.V., die sich in Moers und Umgebung gegen Kinderarmut einsetzt.

Jedes Jahr sorgen außergewöhnliche, kreative Kompositionen von Kindern und Jugendlichen für Überraschungen in Moers. Was unter dem Namen „composer kids!“ startete, heißt in diesem Jahr „... plötzlich still im Unimoersum!?“. Passend zum Festival-Motto „Stille“ werden die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen gefragt, was Stille für sie bedeutet und wie man diese musikalisch oder künstlerisch umsetzen kann. Gemeinsam mit professionellen Musiker*innen erarbeiten sie ein Stück, dass dann am Sonntag, den 8. Juni 2025, dem Festivalpublikum vorgeführt wird. Das Projekt wird von Lukas Döhler und Leticia Carrera begleitet, die früher selbst als composer kids auf der Bühne standen; Dirigent ist Leh-Qiao Liao, Gründer und künstlerischer Leiter des INprogRES-Ensembles, einem jungen Neue Musik Ensemble, mit dem er bereits beim moers festival und beim Festival Cantiere Internazionale d'Arte in Montepulciano aufgetreten ist.

Tickets und weitere Infos

Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie online:
https://www.moers-festival.de/programm/

Über das moers festival

Das international renommierte moers festival findet seit 1972 jährlich an Pfingsten statt und wird seit 2005 von der Moers Kultur GmbH veranstaltet. Das Festival hat sich vom reinen Newjazz-Festival über fünf Jahrzehnte immer weiter geöffnet und erweitert; es trägt 2025 den Subtitel „Jazzfestival für Musik / Miteinander / Freysinn und: Klangfriede!“. Weitere Formate, Einrichtungen und Reihen wie z.B. die moers sessions (morning sessions bzw. projects) der improviser in residence (seit 2008), die discussions (seit 2017), wechselnde Jugendprojekte (seit 2018) oder hybride Formate (@the same time oder die VR moersland, seit 2021) erweitern den Festivalkosmos.

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 7 und 7.