Klaus Lenz plant Comeback-Tour

(Kommentare: 0)

Jazz-Legende Klaus Lenz plant Comeback-Tour

Wurzen. Eigentlich wollte er nie wieder Musik machen. Jetzt kehrt Klaus Lenz, legendärer Jazzmusiker, Bandleader und Komponist, doch noch einmal mit einem großen Ensemble auf die Bühne zurück. Am 26. März wird es die Premiere in Wurzen, in der Halle des Chili, geben. Weitere Konzerte folgen in Halle, Leipzig und Berlin. Kaum zu glauben, doch zu verdanken ist das Lenzsche Comeback Bernd Ganßauge, dem Jazz verrückten Kopf der Privaten Initiative für Wurzen, der, wie er selbst sagt „Klaus Monate lang auf die Ketten“ ging.

Vor zwei Jahren hatte Bernd Ganßauge Klaus Lenz zum ersten Mal getroffen und ihn nach einem Auftritt gefragt. „Natürlich habe ich mir einen Korb geholt.“ Doch Ganßauge ist zäh und hartnäckig. Immer wieder fragte er nach, schrieb Briefe, erläuterte sein Idee, machte Angebote. Die Monate vergingen – anscheinend ohne Erfolg. Als Ganßauge dann schließlich Lenz-Freund und -schüler Reinhard Lakomy „auf die Nerven“ ging, war Klaus Lenz schließlich „weich geklopft“. „Okay, wir machen das“, kabelte der fast 70-jährige Musiker, lange schon Nordrhein-Westfalen heimisch, an die Mulde.

„Das war im Januar 2009, seit dem bereiten wir die kleine Konzertreihe vor“, erzählt Bernd Ganßauge. Der Bennewitzer kaufte das gesamte Lenzsche Notenmaterial auf, „damit uns niemand dazwischen funken kann“ und gewann alte Musikerkollegen von Lenz und weitere Jazzer für das Projekt. Lenz selbst setzte sich an den Schreibtisch und arrangierte die Stücke neu, arbeitete an den Partituren. Denn natürlich steht der Trompeter nicht allein auf der Bühne. Fast 20 Musiker werden ihn begleiten, darunter solche Koryphäen wie Ernst-Ludwig Petrowsky, Konrad Körner, Conny Bauer und Uschi Brüning. Geprobt wird seit einigen Wochen in Berlin als „Klaus Lenz – Modern Jazz Bigband“. Die Tourreihe steht unter dem Motto „…it‘s real jazz… from ‘65 to ‘77“.

Klaus Lenz gilt als der Nestor der DDR-Jazzszene. Manfred Krug, Günther Fischer und Reinhard Lakomy lernten bei ihm ihr Handwerk. Er spielte als Oberschüler schon leidenschaftlich Trompete. 1961 gründete Lenz sein erstes Quintett. 1962 kam die Erweiterung zum Sextett, dem unter anderem auch Horst Krüger und Günter „Baby“ Sommer angehörten. 1965 gesellte sich um Lenz ein neues Sextett, das in wechselnden Besetzungen bis 1969 bestand und in dem u.a. Fischer, Protzmann, Lakomy und Gumpert spielten. 1963 und 1965 rief Lenz seine legendären Big Bands ins Leben. Sie vereinten für kurze Zeit die besten Jazz-Musiker der DDR. Zeugnis ist die LP „Manfred Krug und die Modern Jazz Big Band 65”. Die 1976 veröffentlichte LP „Aufbruch” war die letzte Scheibe von Lenz in der DDR. An seinen Fersen klebte die Stasi. Lenz reiste in den Westen aus. Dort machte er kaum professionell Musik, restaurierte lieber Fachwerkhäuser. Auf die Frage, ob er sich mit seinem Comeback, dem Heimpiel im Osten, ein Geschenk zum 70. (geb. am 22. März 1940) mache, sagte er: „Das Leben hat mich schon so reich beschenkt. Ich bin glücklich verheiratet. Und weil ich mit mir im Reinen bin, habe ich auch Gesundheit.“

 

Karten für Klaus Lenz-Big-Band-Konzert, 26. März, 20 Uhr Chili-Eventhalle unter 03425/89450 oder 0160/90220834

Zurück