Märchenhaftes moers festival - 55. Jubiläumsausgabe mit Rekordpublikum
Märchenhaftes moers festival mit positiver Bilanz
Das 55. moers festival hat eine positive Bilanz gezogen. Fünf Tage lang (21.–25. Mai) bot das Festival unter dem Motto „...wie im Märchen“ mit rund 200 Künstlerinnen aus etwa 20 Ländern fast 100 Konzerte. Täglich strömten bis zu 20.000 Gäste auf das gesamte Festivalgelände – ein Rekord-Gesamtpublikum, das im frei zugänglichen Festivaldorf und im ticketierten Bereich gleichermaßen ein Festival erlebte, das sich den Wölfen und bösen Rotkäppchen unserer Zeit mutig entgegenstellte.
Das Festival setzte ein Zeichen für klangliche Improvisation, Experimente und gesellschaftlichen Zusammenhalt, verwandelte die Moerser Innenstadt in eine Bühne und zeigte, wie Gemeinschaft das Böse überwinden kann.
Ein Highlight war zweifelsohne die dreiteilige Märchenoper des 23-köpfigen Ideal Orchestras unter der Leitung von Gellért Szabó. Über drei Tage hinweg präsentierte das Orchester eine Mischung aus Jazz, Neuer Musik und sakraler Dramatik, kombiniert mit visuellen Elementen, die von Kritikern als monumental beschrieben wurde. Die außergewöhnliche Intensität dieser dreitägigen Performance, die in einer gefeierten großen Abschlussaufführung gipfelte, machte das Projekt zu einem tief mitreißenden Erlebnis, das den epischen, märchenhaften Charakter dieses Festivaljahrgangs perfekt verkörperte.
Länderschwerpunkt „Rotkäppchens USA“: Musikalische Exzellenz und politische Haltung
Einen der programmatischen und kulturpolitischen Kernpunkte des diesjährigen Festivals bildete der Länderschwerpunkt „Rotkäppchens USA“.
Das Festival nutzte das satirische Motiv des gefräßigen Wolfs im roten Käppchen, um die Entwicklungen jenseits des Atlantiks unter dem dortigen Regime kritisch zu beleuchten. Über die Festivaltage hinweg wurde die aktuelle US-Szene sowohl aus kultureller als auch aus politischer Sicht intensiv hinterfragt:
Gezeigt wurde ein Land, in dem die innovative, ungezähmte Kraft des Jazz und die Errungenschaften der Schwarzen Kultur durch autokratische Tendenzen massiv marginalisiert, zensiert und unterdrückt werden.
Moers verstand sich hierbei als wichtiges Refugium für den freien Geist der US-Avantgarde – als Ort, an dem Künstler*innen die (teils tiefen) Wunden und die Zerrissenheit ihrer Heimat in Kunst verwandeln und ein unüberhörbares Zeichen für die liberale Demokratie setzen.
Hohe Auslastung und starkes Signal am neuen Standort
Die Publikumsresonanz über das Pfingstwochenende war außergewöhnlich hoch. Der Kastellplatz als zentrale Festivalbühne sowie die umliegenden Spielstätten verzeichneten über die gesamte Festivaldauer hinweg eine hohe Auslastung an den Kapazitätsgrenzen. Insbesondere die kostenfreien Angebote in der Innenstadt lockten so viele Menschen an wie selten zuvor.
Fünf Tage lang hat Moers bewiesen, dass Kunst Räume schaffen kann, in denen Unterschiede nicht trennen, sondern verbinden.
Die vorläufige Moral von der Geschicht: Der Wolf war groß, laut und furchteinflößend. Doch die Gemeinschaft in Moers war größer.
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