Rezension des Albums "Lost In Geneva" von Kris Davis Trio

Kris Davis Trio - Lost In Geneva - Album cover
Kris Davis Trio - Lost In Geneva

Kris Davis Trio
Lost In Geneva

Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: 4166 Records, 2026

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Wenn drei Stimmen zu einem Gedanken werden

jazz-fun`s recap:

Ein Pianotrio ist eines der vertrautesten Formate des Jazz. Deshalb ist es schwierig, darin wirklich etwas Eigenes zu schaffen. Kris Davis gelingt auf Lost In Geneva genau das, weil sie nicht für ein abstraktes Trio komponiert, sondern für diese drei Musiker: Robert Hurst am Bass, Johnathan Blake am Schlagzeug und sich selbst am Klavier.

Nach Jahren intensiven gemeinsamen Spielens kennt Davis die Stärken dieser Formation genau. Ihre neuen Kompositionen sind grooveorientiert, offen und zugleich präzise genug, um den individuellen Sprachen aller drei Musiker Raum zu geben. Struktur und Freiheit stehen dabei nicht gegeneinander. Die Stücke sind so angelegt, dass sie sich im Moment verändern können.

Man hört diese Vertrautheit sofort. Bass, Schlagzeug und Klavier reagieren nicht bloß aufeinander, sondern scheinen Entwicklungen vorauszuahnen. Kleine rhythmische Verschiebungen, kurze harmonische Hinweise oder ein einzelner Akzent können ausreichen, um eine völlig neue Richtung zu öffnen.

Die Musik lebt von solchen Details.

Davis beschreibt selbst, wie wichtig es für das Trio geworden ist, denselben Stoff immer wieder neu zu spielen und in jeder Aufführung etwas anderes zu entdecken. Dieses Prinzip prägt auch Lost In Geneva. Die Kompositionen wirken durchdacht, aber nie abgeschlossen. Sie bleiben offen für spontane Entscheidungen und für jene Momente, in denen aus individuellem Spiel plötzlich gemeinsames Denken wird.

Robert Hurst und Johnathan Blake tragen jeweils eine eigene Komposition bei und erweitern damit die Perspektive des Albums. Hinzu kommen acht neue oder neu gefasste Stücke von Davis sowie eine Interpretation eines Werkes von Morton Feldman. Die Auswahl wirkt nicht eklektisch, sondern konsequent: unterschiedliche Ausgangspunkte führen immer wieder zurück zur spezifischen Sprache dieses Trios.

Hurst spielt mit großer melodischer und rhythmischer Präsenz, Blake verbindet Präzision mit Beweglichkeit, und Davis nutzt das Klavier als harmonisches, rhythmisches und klangliches Zentrum zugleich. Keiner dominiert dauerhaft. Rollen verschieben sich, Impulse werden weitergegeben, Spannungen gemeinsam aufgebaut und wieder gelöst.

Das Entscheidende sind dabei nicht die spektakulären Gesten. Es sind die Augenblicke, in denen man förmlich hört, wie bei allen drei Musikern gleichzeitig ein Licht angeht – wenn ein Gedanke entsteht, aufgenommen und gemeinsam weitergeführt wird.

Lost In Geneva zeigt ein Trio, das seine eigene Form gefunden hat.

Nicht Klavier, Bass und Schlagzeug stehen im Mittelpunkt. Sondern drei Musiker, die gelernt haben, im selben Moment in dieselbe Richtung zu denken.

(Jacek Brun, 09.10.2026)

Besetzung

Kris Davis - piano
Robert Hurst - bass
Johnathan Blake - drums

Titelliste

  1. The Subtext
  2. Congestion Pricing
  3. Lost In Geneva
  4. Where Does That Tunnel Go?
  5. The Ballerina
  6. Mourning Dove
  7. The Bluesy Bird in Bob's Backyard
  8. Nature Piece 5
  9. Clues
  10. The Deer Fly
  11. Northern Flicker

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