Lou-Duo - Souvenir

Lou-Duo - Souvenir

Lou-Duo
Souvenir

Erscheinungstermin: 08.10.2021
Label: Label 11, 2021

Bestellen bei Lou-Duo

Jonas Sorgenfrei - dr
Felix Schneider-Restschikow - p
Nectaria Delgadillo - cello
Ioanna Gkrigkorian - voice
Anton Mangold - hp

Die Musik von SOUVENIR formt eine imaginäre Reise. In der symmetrischen Formanlage des Albums folgen wir einer sorgfältig entworfenen Abfolge von Stimmungen. Diese bilden sich aus Erinnerungen an Reisen und Orte, entfliegen ab und an ins Abstrakte, nur um uns dann wieder umso machtvoller mit neuer Brisanz zu packen. Das originell besetzte Ensemble schillert in überraschenden Farben von Unisoni, Linienschichtungen und Register-Mosaiken. Die Musik gleitet oder springt zwischen zarten, dichten und druckvollen Texturen hin und her. Jedes Instrument – und jede/r Musiker/in! – darf in immer wieder wechselnde Rollen schlüpfen.

Die armenischen Volkslieder „Hoy Nazan“ und „Bingyol“ entstammen der mehr als 3000 Lieder umfassenden Sammlung des Priesters, Sängers und Komponisten Komitas Vardapet, der als Begründer der modernen klassischen Musik Armeniens gilt. In „Hoy Nazan“ heißt ein junger Mann seine Liebe willkommen und singt Komplimente für das Mädchen. Das Stück beginnt mit dem puren Trio der Gastmusiker, breitet dann den „orchestralen“ Klang des gesamten Ensembles aus. „Bingyol“ – ein Volkslied über das Dorf der 1001 Quellen: „Wenn sich die grünen Türen des Frühlings öffnen, singen die Quellen von Bingyol wie eine Leier … Ihr Herz ist zurück in Bingyol geblieben und weint vor Sehnsucht“.

Mit „Geburah“ eröffnen Jonas Sorgenfrei und Felix Schneider-Restschikow im Duo die Stimmungsreise. Mit dem Wechsel schwebend ätherischer Klänge und machtvollem Donner stimmen sie den Hörer auf die kommenden musikalischen Erlebnisse ein. „Dorogoi v Pavlovku“ spiegelt in einem zart-vielschichtigen Gewebe hinter der Violoncello-Melodie die erwartungsvolle Freude und Unsicherheit einer Reise in das kleine sibirische Dorf Pavlovka. „Wospominanije“ schlägt als expressives Trauerlied eine Klammer zurück zu den Ereignissen im Dorf Pavlovka. „Takin’ the Bird Train“ greift erst die Energie des vorangegangenen Stückes auf, startet dann neu aus einem Harfen-Monolog und steigert im Schlagzeugsolo die Reise-Nervosität zum Wirbel eines aufflatternden Vogelschwarms. Aus dem flirrenden Intro von „Distant Land“ platzt eine energetisch-vertracktes Thema und schickt dann Harfe und Klavier auf einen Flug durch Landschaften und Zeiten. Aus einer beschwörenden Akkordfolge des Klaviers erstehen in „Awake“ Ensemble-Geisterklänge und umrahmen einen Moment der Klarheit im Violoncello-Gesang. Mit dem „Rondo alla Cocek“ beenden Jonas Sorgenfei und Felix Schneider-Restschikow wieder im puren Lou-Duo (und geradezu nonchalant) die Reise mit einer raffiniert-ironischen Mozart-Hommage.

Im Lou-Duo nutzen Jonas Sorgenfrei und Felix Schneider-Restschikow ausgiebig die Freiräume unmittelbarer musikalischer Kommunikation. Wilde Improvisation kann neben ausgefuchsten Arrangements stehen und letztere entwickeln sich meist direkt aus dem intensiven Zusammenspiel – ohne Umwege über Notation. Souvenir zeigt mit seiner Farben- und Formvielfalt aber auch handwerkliches Können und künstlerische Vorstellungskraft in der Organisation eines durchaus ungewöhnlichen Ensembles. Die Instrumente Violoncello, Harfe, Klavier und Schlagzeug treffen in immer wieder neuen Rollenverteilungen, Tiefenstaffelungen und Registerkombinationen aufeinander – von kammermusikalischer Zartheit bis hin zu nahezu orchestraler Wucht.

Die Musiker*innen von Souvenir haben bereits in verschiedenen anderen Kombinationen und Ensembles miteinander gearbeitet und sind es gewohnt, unterschiedlichste musikalische Einflüsse in neue, eigene Ausdrucksformen einzubringen. Ein großer gemeinsamer Nenner ist die (vielfach preisgekrönte) solidarische Musikschule „Willkommen mit Musik“ in Würzburg, an der sowohl Felix Schneider-Restschikow, als auch Jonas Sorgenfrei und Nectaria Delgadillo unterrichten und an der Ioanna Gkrigkorian Schülerin war.

Felix Schneider-Restschikow (*1990) studierte Jazz-Klavier in Würzburg und Valencia. Als Jazzpianist spielt er u.a. im „Anton Mangold Quartett“, mit dem Trio „Not Machine“ tobt er sich in Groove und Elektronik aus. Sein großes Interesse für die Volksmusik verschiedenster Kulturen prägt die Ausrichtung der Musik von Ensembles wie „Raniin-Trio“, „Hussien & Felix“ und dem „Sanduhr-Sextett“.

Jonas Sorgenfrei (*1993) studierte Jazz-Schlagzeug in Würzburg, Nürnberg und an der Manhattan School of Music. Er wurde bei zahlreichen Wettbewerben ausgezeichnet und spielte Konzerte in Italien, Norwegen, Schweiz, Österreich, England, Rumänien, China und ganz Deutschland. Neben seiner Tätigkeit als Sideman in zahlreichen Ensembles führt er ein eigenes Quartett mit Wanja Slavin, Rainer Böhm und Matthias Akeo Nowak (CD „Elephants Marching On“), sowie ein Trio mit Denis Gäbel und Peter Christof.

Ioanna Gkrigkorian (*2004) hat seit vier Jahren Gesangs- und Klavierunterricht an der Musikschule „Willkommen mit Musik“ in Würzburg. Gemeinsam mit ihrer Schwester schreibt sie Pop-Stücke in englischer Sprache und mit der Band „Alma“ stand sie schon mehrfach mit eigener Musik auf der Bühne. Ausserdem pflegt sie ein Repertoire griechischer und armenischer Volkslieder, die sie u.a. mit dem „Sanduhr-Sextett“ in Originalsprache singt und auf eigene Weise interpretiert.

Nectaria Delgadillo (*1994) studierte an der University of Northern Colorado und an der Texas Tech School of Music. Sie spielte in Orchestern wie der Amarillo Symphony, der Lubbock Symphony und dem Lakeridge Chamber Orchestra. 2019 zog sie nach Deutschland, wo sie derzeit an der solidarischen Musikschule „Willkommen mit Musik“ in Würzburg unterrichtet.

Anton Mangold (*1991) begann bereits als Jungstudent an der Musikhochschule Würzburg. Ab 2015 studierte er zusätzlich in Köln. 2017 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Schweinfurt.Als gefragter Harfenist spielt er sowohl klassische Musik (u.a. Duo „Chen Shen“) als auch zeitgenössischen Jazz (u.a. in Rebecca Treschers „Ensemble 11“), als Saxophonist führt er ein eigenes Jazz-Quintett, dessen Debut-CD „Da Xia“ sich von chinesischer Musik beeinflusst zeigt.

Text: Label 11

jazz-fun.de meint:
Die Musik ist voll von reichhaltigen und weitläufigen Klängen. Es gibt auch eine Menge interessanter und spannender Improvisationen. Ein außergewöhnliches Projekt und ein faszinierendes Album!

  1. Geburah
  2. Hoy Nazan
  3. Dorogoi V Pavlovku
  4. Takin The Bird Train
  5. Wospominanije
  6. Distant Land
  7. Awake
  8. Bingyol
  9. Rondo Alla Čoček

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 9.