Rezension des Albums "Tributaries" von New England Jazz Collaborative

New England Jazz Collaborative - Tributaries - Album cover
New England Jazz Collaborative - Tributaries

New England Jazz Collaborative
Tributaries

Erscheinungstermin: 17.07.2026
Label: ACP Records, 2026

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Große Flüsse entstehen dort, wo viele unterschiedliche Quellen zusammenfinden

jazz-fun`s recap:

Tributaries ist weit mehr als das Debüt eines neuen Jazzorchesters. Dieses Album steht für eine Idee: Komponistinnen und Komponisten mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen erhalten die Möglichkeit, ihre Werke mit einer hochklassigen Big Band zu realisieren. So wird das New England Jazz Collaborative zu einer kreativen Plattform, auf der individuelle Handschriften auf einen gemeinsamen Klangkörper treffen.

Gerade diese Offenheit prägt das gesamte Album. Die sechs Kompositionen stammen von vier unterschiedlichen Autoren – Jeremy Cohen, Darryl Harper, Matan Rubinstein und Sam Spear – und spiegeln die enorme stilistische Vielfalt des zeitgenössischen Jazz wider. New-Orleans-Swing, lyrische Balladen, Einflüsse des Third Stream oder westafrikanischer Highlife stehen dabei nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich zu einem überraschend geschlossenen musikalischen Gesamtbild.

Trotz der unterschiedlichen kompositorischen Ansätze besitzt Tributaries eine bemerkenswerte innere Einheit. Das liegt vor allem am charakteristischen Klang des Ensembles. Die Musiker begegnen jeder Komposition mit derselben Hingabe und entwickeln einen gemeinsamen Orchesterklang, der den individuellen Ideen Raum gibt, ohne deren Eigenständigkeit einzuschränken. Dadurch bleibt jede Komposition unverwechselbar und wird zugleich Teil einer größeren musikalischen Erzählung.

Besonders reizvoll ist die ständige stilistische Bewegung des Albums. Mit jedem neuen Stück eröffnet sich eine andere Perspektive auf den modernen Jazz. Mal stehen swingende Bläsersätze im Mittelpunkt, dann wieder farbenreiche Harmonien, komplexe rhythmische Strukturen oder melodische Einflüsse aus anderen Kulturkreisen. Diese Vielfalt wirkt jedoch niemals beliebig, sondern spiegelt die musikalische Realität einer Generation wider, die sich selbstverständlich zwischen unterschiedlichsten Traditionen bewegt.

Gerade darin liegt die eigentliche Stärke dieses Projekts. Tributaries macht sichtbar – und hörbar –, wie fruchtbar kollektive Zusammenarbeit sein kann. Das Album bietet Komponisten einen Raum, ihre ambitioniertesten Ideen zu verwirklichen, und eröffnet dem Publikum die Möglichkeit, ganz unterschiedliche musikalische Handschriften innerhalb eines gemeinsamen Konzepts kennenzulernen.

So wird Tributaries zu weit mehr als einer gelungenen Big-Band-Produktion. Es ist ein lebendiges Dokument kreativer Zusammenarbeit und zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig, offen und ideenreich zeitgenössischer orchestraler Jazz heute sein kann. Ein Album, das nicht nur durch seine musikalische Qualität überzeugt, sondern auch durch die Vision, die hinter diesem außergewöhnlichen Projekt steht.

(Jacek Brun, 01.08.2026)

Besetzung

Saxophones/Reeds:
Allan Chase — Alto 1; soprano sax (“Green Turtle Strut”)
Sam Spear — Alto 2
Temidayo Balogun — Tenor 1; soprano sax (“Another Brighter Day”);
talking drum, auxiliary percussion (“Green Turtle Strut”)
Ian Buss — Tenor 2; clarinet (“Another Brighter Day”, “Gee, Em…”)
Brian Landrus — Baritone sax; bass clarinet (“Kiss Me Again”);
flute (“Another Brighter Day,” “Green Turtle Strut”)
Felipe Salles — Soprano sax, flute, piccolo (“Another Brighter Day”);
flute (“Green Turtle Strut”)

Trumpets:
Bijon Watson — Trumpet 1
Mark Tipton — Trumpet 2; flugelhorn (“Kiss Me Again”)
Doug Olsen — Trumpet 3
Jason Palmer — Trumpet 4

Trombones:
Chris Gagne — Trombone 1
Randy Pingrey — Trombone 2
Joey Dies — Trombone 3
Rob Krahn — Bass trombone
Angel Subero — Additional bass trombone (“Another Brighter Day,” “Green Turtle Strut”)

Rhythm Section:
Ellie Pruneau — Piano
Mitch Selib — Guitar
Bob Nieske — Upright bass; electric bass (“Another Brighter Day,” “Green Turtle Strut”)
Lumanyano Mzi — Drums; auxiliary percussion (“Green Turtle Strut”)
Eric Hofbauer — Additional guitar (“Green Turtle Strut,” “Ol’ Liminal”)

Conductor:
Ken Schaphorst

Titelliste

  1. Another Brighter Day (feat. Mitch Selib, Temidayo Balogun & Lumanyano Mzi)
  2. Ol’ Liminal
  3. Kiss Me Again (feat. Mark Tipton, Ellie Pruneau & Temidayo Balogun)
  4. The Secret (feat. Lumanyano Mzi, Chris Gagne & Bijon Watson)
  5. Gee, Em... (feat. Allan Chase)
  6. Green Turtle Strut (feat. Eric Hofbauer)

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