Nils Petter Molvær - Certainty of Tides

Nils Petter Molvær - Certainty of Tides
Nils Petter Molvær - Certainty of Tides

Nils Petter Molvaer
Certainty of Tides

Erscheinungstermin: 06.10.2023
Label: Modern Recordings, 2023

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jazz-fun`s recap:

Wir haben es hier mit einem Konzeptalbum zu tun, einer ruhigen Geschichte, die von sensiblen Künstlern im Halbdunkel erzählt wird. Musik ohne Kategorien, ohne Grenzen, voller Raum und phantasievoller und doch vertrauter Klänge, mit fast tranceartigen Stimmungen, einfachen Melodien, Erzählungen, Kontemplation und Mystik. Ein großartiges Album, wir sind begeistert!

Die Freude am Experimentieren wohnt dem norwegischen Trompeter, Komponisten und Produzenten Nils Petter Molvær seit jeher inne. Bereits bei seinem internationalen Bühnendebüt mit Khmer im Jahr 1997 – bei dem sein unkonventioneller Hang für eine Mischung aus nordische Naturempfindung und südostasiatischer Klangphilosophie erstmals zum Vorschein kamhat er sowohl Publikum als auch Kritiker immer wieder mit seiner Fähigkeit überrascht, einzigartige klangliche Möglichkeiten für improvisierte Musik zu eröffnen. Inspiriert von Electronica, Dub, Hip Hop, Rock, Klassik, Folk, traditioneller Weltmusik und Jazz, ist Molvær vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit vier norwegischen Grammys, die sowohl seinen innovativen Sound als auch seine Zusammenarbeiten würdigen, welche Genres überspannen, vermischen und miteinander verflechten. Klangliches Markenzeichen ist seine ätherische Trompete, die in ganz unterschiedliche Klanglandschaften eingewoben ist: seien es Techno-Beats, wie auf dem Album 1/1, das zusammen mit dem Berliner Elektro-Produzenten Moritz von Oswald entstanden ist, bis zu jamaikanischem Reggae, zu hören auf seinem 2018-er Meisterwerk Nordub mit Sry & Robbie. Auf seinem jüngsten Streifzug Certainty of Tides schließen sich Molværs musikalische Sprache und der unverkennbare Klang seiner Trompete mit der Kraft und Intensität eines Sinfonieorchesters zusammen. Für das Album hat der Komponist sechs seiner Stücke ausgewählt, um ihnen zusammen mit den vier norwegischen Arrangeuren und Komponisten Martin Smørdal, Rolf Wallin, Jon Øyvind Næss und Eivind Buene, sowie den jungen Elektro-Produzenten Kristian Isachsen und Even Frodesen Rosstad neues Leben einzuhauchen. Certainty of Tides wurde mit dem Norwegischen Rundfunkorchester unter der Leitung von Ingar Berby aufgenommen. Das Album bildet so eine abenteuerliche und innovative Neubearbeitung wegweisender Kompositionen Molværs.

Während die Anwesenheit eines Orchesters für gewöhnlich klassische Attribute auf eine Musik überträgt, lässt sich über Certainty of Tides so ziemlich das Gegenteil behaupten. Wenn überhaupt, hat das Norwegische Rundfunkorchester Molværs Stücken Kante gegeben und ihnen mit den neuen Arrangements einen frischen und modernen Anstrich verpasst. „Man könnte sagen, dass das Sinfonieorchester ein Instrument ist und dazu noch eines meiner liebsten. Der Klang des Orchesters hat neben den neuen Arrangements eine neue Vitalität in die Kompositionen gebracht und ihnen eine neuen Frische eingeflößt.“, sagt Molvær. Beispielsweise seinem bekannten Track Kakonita von 2000, der im Film „Frozen Heart“ verwendet wurde. Im Original ist das Stück sehr ernst und Molværs Trompete kommuniziert traurig über einer Stille. Auf Certainty of Tides verdichtet Komponist und Arrangeur Jan Martin Smørdal die Stimmung mit Segmenten entweder tiefer oder ansteigender, dissonanter Streicher. Diese schaurig anmutenden hinzugefügten Schichten sorgen dafür, dass sich Molværs Trompete fortwährend kostbar anfühlt – wie etwas, an dem man sich inmitten der misstönigen Umgebung festhalten möchte. Smørdal steckt außerdem hinter dem Arrangement von Maja, einer neuen Version von Molværs Lieblingstrack (ursprünglich genannt „Little Indian“), den er für seine Tochter geschrieben hat. In Maja nimmt das Abenteuer mit seinem Wind und den Blechbläser-Sektionen des Orchesters, die wie ein großes, lauerndes Raubtier im Wald poltern, märchenhafte Züge an. Molværs Trompete flattert und neckt das Orchester während sie mutig das mysteriöse Terrain erkundet.

Auf jedem Track auf Certainty of Tides kommt es zu einer Interaktion zwischen Molværs intimer Trompete und dem reichhaltigen Orchester- Gefüge. Jenseits der Dichte, die durch die Vielzahl der im Einklang spielenden Instrumente entsteht, bekommt die umhüllende Atmosphäre zudem neue Tiefen durch die bahnbrechende Art und Weise, wie das Album produziert wurde. Ursprünglich aufgenommen im National Radio Studio, kam Produzent Jan Bang zu dem Schluss, dass der Klang mehr Raum vertragen könne. Sorgfältig positionierte er 76 Lautsprecher auf der Bühne im Kilden Konzerthaus. Genau so, wie das Orchester auf der Bühne platziert gewesen wäre. Jan Bang verstärkte die Mixe neu und nahm das Album erneut an Ort und Stelle auf, diesmal von der phänomenalen Akustik der großen Halle profitierend. „Ich denke, wir sind vielleicht die ersten, die diese Aufnahmetechnik verwendet haben. Plötzlich bekam die Aufnahme eine komplett andere Farbe, mit einem viel gewaltigeren und großräumigen Klang“, sagt Molvær.

Certainty of Tides führt Nils Petter Molværs Reise in unerforschte Klangnischen fort, bestätigt einmal mehr seine Überzeugung vom Experimentieren und Kollaborieren und bescheinigt seiner Zuhörerschaft erneut, warum er als einer der wichtigsten Pioniere des modernen Jazz gilt.

Text: Modern Recordings

  1. Maja
  2. Sabakh
  3. Icy Altitude
  4. On Stream
  5. Simply So
  6. Kakonita

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