Nils Wogram & Bojan Zulfikarpasic - Housewarming

Nils Wogram & Bojan Zulfikarpasic - Housewarming

Nils Wogram & Bojan Zulfikarpasic
Housewarming

Erscheinungstermin: 29.07.2016
Label: nWog Records, 2016

Nils Wogram & Bojan Zulfikarpasic - Housewarming - bei JPC kaufenNils Wogram & Bojan Zulfikarpasic - Housewarming - bei Amazon kaufenNils Wogram & Bojan Zulfikarpasic - Housewarming - bei iTunes kaufen

… zwei Wiederholungstäter. Sie begegnen einander nicht nur mit höchstem Respekt, sondern auch mit einer unbändigen Lust aufs gemeinsame Musizieren. Das Zusammenspiel der beiden funktioniert wie eine Sammlung von Geschichten, die sich auf höherer Ebene zu einem Roman verdichten.

Zwei Mann, ein Wort! Manche Geschichten schreiben sich von selbst. Sie sind unausweichlich, müssen geschrieben werden, aus dem ganz einfachen Grund, dass sie sonst ungeschrieben blieben. Und das geht nicht. Eine solche Geschichte ist das Duo des in Frankreich lebenden serbischen Pianisten Bojan Zulfikarpasic, kurz Bojan Z., und des in der Schweiz lebenden deutschen Posaunisten Nils Wogram. Europa im Quadrat, ja, aber doch viel mehr als nur das.

Als die beiden Musiker anlässlich des Festivals Jazzdor Straßburg Berlin anno 2012 erstmals gemeinsam auf der auf der Bühne standen, war das von einer erschütternden Selbstverständlichkeit. Da waren zwei Musiker, die intuitiv eine gemeinsame Erzählebene gefunden hatten, nicht weil sie sich darum hätten bemühen müssen, sondern weil diese Spielwiese einfach da war. Es klingt so platt zu sagen, sie hätten einander gesucht und gefunden, doch genau so war es. Wenn jemals zwei Musiker tatsächlich den Augenblick gespielt haben, ohne Konzept, Ambitionen und sonstigen Firlefanz, sondern um sich und dem Publikum so unprätentiös wie möglich zu erzählen, was sie sich genau in diesem Augenblick zu erzählen hatten, dann sind es diese beiden.

Wer diese Begegnung hatte erleben dürfen, zweifelte keinen Augenblick daran, dass ihr früher oder später die Produktion eines Albums folgen müsse. Es sollten noch einmal vier Jahre vergehen – im Leben eines Jazzmusikers kein überwältigend langer Zeitraum – und jetzt ist das Album da. Alles ist so, wie es damals war, und doch ist alles völlig anders. „Als wir das erste Mal zusammen spielten, gab es noch Laufwege, die nicht abgestimmt waren, wie man im Fußball sagen würde“, erinnert sich Wogram. „Seit Dezember 2013 haben wir dann doch regelmäßig gespielt, sodass sich unser Potential noch viel besser entfalten konnte. Bei aller gemeinsamen Intuition braucht man auch ein Stück Strecke, auf dem man sich auf eine gemeinsame Sprache einigen kann.“

Auf „Housewarming“ hören wir nun zwei Wiederholungstäter. Sie begegnen einander nicht nur mit höchstem Respekt, sondern auch mit einer unbändigen Lust aufs gemeinsame Musizieren. „Ich kenne keinen anderen Posaunisten, der mit einer solchen rhythmischen Kraft spielt wie Nils“, schwärmt Zulfikarpasic. Es spricht für die unabgesprochene Wucht dieser Wechselbeziehung, dass Wogram genau das Gleiche über den Pianisten sagt. „Ich habe bei Bojan sofort gemerkt, dass mir verschiedene Aspekte sehr liegen. Er hat ein exzeptionelles Timing, in dem ich mich als Bläser komplett fallenlassen kann. Die Souveränität, die Bojan ausstrahlt, selbst wenn er über einfache Stücke spielt, hat mich durchaus in diesen wenigen Jahren geschult. Sein Spiel hat eine unglaubliche Ruhe und kann trotzdem ganz unprätentiös grooven.“

Das Zusammenspiel der beiden funktioniert immer noch wie eine Sammlung von Geschichten, die sich auf höherer Ebene zu einem Roman verdichten. Wogram wie Zulfikarpasic haben die Tendenz zu Produktionen, die – jeder auf seine Weise – stets sehr komplett sind. Zu dem holistischen Gesamteindruck ihres Zusammenspiels kommt eine Komponente beiläufiger Offenheit hinzu, in die sich der Hörer mit seiner ganzen Imagination eingeben kann. Wogram und Zulfikarpasic haben sich eine Detailschärfe angeeignet, die nicht nur vergessen macht, welcher Impuls jeweils von Klavier und Posaune ausgeht, sondern in deren lustvoller Logik sich Prinzipen wie Improvisation und Komposition aufheben. In letzter Konsequenz ist alles komponiert, nur – um bei Wograms Fußballvergleich zu bleiben – die Laufwege zur jeweiligen Komposition sind höchst unterschiedlich. Mal wird volley aus dem Spiel komponiert, ein andermal sind es einstudierte Standardsituationen, die von den beiden Musikern und Komponisten sorgfältig vorbereitet worden sind. Eine gelungene Erfindung fragt am Ende nicht mehr nach dem Weg. Wogram spricht von speziellen Momenten, die man ad hoc nicht auf die Beine stellen könnte. Gemeinsam überblicken sie ein Panorama, dessen Horizont weit über das Musikalische hinausgeht. Gerade deshalb gelingt es ihnen so gut, als Spielerpersönlichkeiten hinter ihre Stücke zurückzutreten und einfach zu erzählen.

Für keinen der beiden Musiker ist die Duo-Situation neu. Wogram hat viele Jahre ein festes Duo mit dem Pianisten Simon Nabatov unterhalten, dessen dramatische Leidenschaft an große Momente der klassischen Musik erinnert. Zulfikarpasic hat unter anderem mit dem französischen Saxofonisten Julien Lourau gespielt. Doch kaum waren sich die beiden einmal in den Radar gekommen, konnten sie auch schon nicht mehr voneinander lassen. Sie müssen sich weder Kreativität noch besondere Konzepte verordnen, sondern können darauf vertrauen, aus ihrem doppelten Selbst ein gemeinsames Drittes entstehen zu lassen. In dieser ebenso entspannten wie realitätsbezogenen Natürlichkeit holen sie sich gegenseitig genau an dem Punkt ab, auf den sie in ihren verschiedenen Projekten separat seit Jahren hinsteuern. Sie kommen ohne Beipackzettel aus und lassen es einfach passieren.

„Auch in konventionellen Spielsituationen findet er immer Magie“, beschreibt Wogram den Ansatz seines Duo-Partners. „Wahrscheinlich liegt das einfach in seiner Persönlichkeit.“ Auch diese Beobachtung gibt Zulfikarpasic fast wörtlich an Wogram zurück. Nur in einem Punkt unterscheiden sich die beiden aus der Sicht des Pianisten. „Nils war unglaublich gut vorbereitet. Ich hingegen habe alles auf den letzten Drücker geliefert. In dieser Hinsicht ist er eben so Deutsch, und ich bin so Balkan.“ Gut, dass es also auch noch Unterschiede gibt. Zu hören sind sie auf „Housewarming“ allerdings nicht.

  1. Good Wine
  2. No. 9. Parents
  3. Storks
  4. TNT
  5. Broke
  6. Think Thrice
  7. Hooked
  8. Off To The Train Station
  9. Old Song For A New Day

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 8.