Rezension des Albums "First Light" von Nino Wenger
Nino Wenger
First Light
Erscheinungstermin: 25.09.2026
Label: Laika Records, 2026
Wenn Zuhören zur Bewegung wird
Ein Jahr in New York kann vieles verändern. Für den Saxofonisten Nino Wenger wurde diese Zeit zu einer Phase intensiver musikalischer und persönlicher Entwicklung. First Light bündelt diese Erfahrungen, ohne daraus ein Tagebuch zu machen. Das Album übersetzt sie vielmehr in eine Musik, die von Offenheit, Spannung und Kommunikation lebt.
Wengers Kompositionen tragen die Energie dieser Zeit deutlich in sich. Explosive Passagen, beinahe rockige Verdichtungen und rhythmischer Druck stehen neben stillen, fragilen Momenten. Die Gegensätze wirken nicht konstruiert, sondern wie unterschiedliche Zustände derselben musikalischen Bewegung.
Das Quartett mit Fabio Gouvêa an der Gitarre, Tabea Kind am Kontrabass und Paulo Almeida am Schlagzeug findet dafür eine sehr ausgewogene Sprache. Die Gitarre erweitert den akustischen Klang um elektronische und atmosphärische Farben, während der Kontrabass die Musik fest in der Tradition des Jazz verankert. Das Schlagzeug hält diese beiden Pole beweglich zusammen.
Im Zentrum steht jedoch nicht die Instrumentierung, sondern die Art, wie die Musiker miteinander kommunizieren.
Wenger versteht Improvisation nicht als klar abgegrenzten Moment, in dem einer soliert und die anderen begleiten. Rollen verändern sich permanent. Ein Impuls des Schlagzeugs kann eine neue Richtung öffnen, der Bass kann plötzlich melodisch führen, die Gitarre kann Räume schaffen, in die sich Saxofon oder Flöte hineinbewegen.
Dadurch entsteht eine Musik, die in jedem Moment aufmerksam wirkt. Man hört, dass diese vier Musiker schnell aufeinander reagieren und Entscheidungen gemeinsam treffen. Die Stücke besitzen klare kompositorische Identitäten, bleiben aber offen genug, um sich bei jeder Interpretation neu zu entwickeln.
Wengers Altsaxofon steht dabei nie über dem Ensemble. Sein Spiel fügt sich in die gemeinsame Dramaturgie ein, kann energisch aufbrechen oder sich in leisen Passagen stark zurücknehmen. Auch die Flöte erweitert die Klangpalette und verstärkt die Transparenz der ruhigeren Momente.
First Light ist modern, hervorragend aufgenommen und sehr klar produziert. Die Aufnahme bewahrt die Direktheit des Quartetts, ohne die vielen kleinen klanglichen Details zu glätten.
Das Album lebt von dieser Mischung aus Präzision und Spontaneität. Es zeigt einen Musiker, der aus einer prägenden Lebensphase nicht einfach Geschichten erzählt, sondern eine Haltung entwickelt hat.
Zuhören, reagieren, weitergehen. Und daraus gemeinsam Musik entstehen lassen.
(Jacek Brun, 19.10.2026)
Besetzung
Nino Wenger – Alto Saxophone, Flute
Fabio Gouvêa – Guitar
Tabea Kind – Double Bass
Paulo Almeida – Drum
Titelliste
- Arrival
- Skyline
- Eclipse of time
- Echoes of us
- Caroline & almog
- Whiteout
- First light
- Falling
- Deadline
- Departure
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