Rudresh Mahanthappa - Samdhi

Rudresh Mahanthappa - Samdhi

Rudresh Mahanthappa
Samdhi

Erscheinungstermin: 30.09.2011
Label: ACT, 2011

Rudresh Mahanthappa - Samdhi - bei JPC kaufenRudresh Mahanthappa - Samdhi - bei Amazon kaufenRudresh Mahanthappa - Samdhi - bei iTunes kaufen

Rudresh Mahanthappa / alto saxophone & laptop
David Gilmore / electric guitar
Rich Brown / electric bass
Damion Reid / drums
“Anand” Anantha Krishnan / mridangam & kanjira

Der Saxophonist Rudresh Mahanthappa ist ohne Zweifel der aktuelle Shooting Star der amerikanischen Jazzszene: Schon 2008 wurde die CD „Kinsmen“ seines Dakshina Ensembles von mehr als 20 wichtigen Zeitungen, Magazinen und Sendern (darunter die New York Times und die BBC) unter die besten Alben des Jahres gewählt, was seine jüngste Einspielung „Apex“ mit Saxophonlegende Bunky Green, Pianist Jason Moran und Schlagzeuger Jack DeJohnette im vergangenen Jahr noch übertraf. Von der amerikanischen Jazz Journalist Association seit 2009 jährlich zum Altsaxophonisten des Jahres gewählt, schaffte Mahanthappa dieses Kunststück 2011 erstmals auch im Downbeat International Critics Poll, der weltweit wichtigsten Kritikerumfrage, in der er seit 2003 ununterbrochen vertreten ist und 2010 bereits die Kategorien „Rising Star Alto Saxophonist“ und „Rising Star Jazz Artist“ gewonnen hatte.

Das Material zu „Samdhi“ – ein Wort, das im Sanskrit die Dämmerung, jenen magischen Zustand zwischen Tag und Nacht, wie auch die Phase zwischen den Zeitaltern, zwischen Werden und Vergehen des Universums beschreibt - geht bis auf das Jahr 2008 zurück und ist das bislang vielleicht stimmigste und ausgefeilteste Ergebnis seines musikalischen Weges. Denn dank eines Stipendiums der Guggenheim Fellowship konnte sich Mahanthappa ein Jahr lang ausschließlich diesem Projekt widmen. „Ich konnte so einen Plan umsetzen, ein paar ganz konkrete Ideen verfolgen“, berichtet er. „Mich interessierte, wie ich die indische Musik auf mein Saxofon übertragen kann, vor allem diese spezielle Ornamentierung, die eine Hauptsache der Melodien indischer Musik ist. Technisch führte mich das in neue Territorien, aber ich wollte die Musik gleichzeitig auch funktionell und rhythmisch verstehen. Also ging ich nach Indien und machte mich mit ein paar Musikern an die Arbeit. Und entschied nach kurzem, all das zu nehmen und in einen völlig anderen Zusammenhang zu stellen: in einen elektronischen Kontext. Mich hatten elektronische Sounds schon zuvor stark angezogen, jetzt wollte ich mit einem Gitarristen spielen, speziell wegen dieser Ornamentierungen, die mit Klavier nicht funktionieren. Man braucht ein Instrument, das die Töne abgleiten kann. Außerdem sollte alles auch etwas mehr funky werden.“

Entsprechend wohlüberlegt ist auch die Besetzung, mit der Mahanthappa dieses Programm anging: Der New Yorker David Gilmore gehört wohl zu den wenigen Gitarristen mit den technischen Fähigkeiten wie der stilistischen Bandbreite, um solch ein Unternehmen zu meistern. Damion Reid ist einer der besten in der Riege junger amerikanischer Schlagzeuger, die zugleich über vollständige motorisch-rhythmische Unabhängigkeit, über enorme Kraft und Schnelligkeit wie über das Spiel mit den Klangfarben des Drumsets verfügen. Bassist Rich Brown aus Toronto - für Mahanthappa ohnehin „einer der besten der Welt“ - besitzt als Mitglied einer kanadischen Indo-Jazz-Band die ideale Qualifikation. Bleibt schließlich Anand Anantha Krishnan an der südindischen Langtrommel Mridangam: „Er ist der Enkel von Palgat Raghu, einem der größten südindischen Perkussionisten aller Zeiten, und hat das ererbte Talent schon ganz früh aufblitzen lassen. Er ist wirklich an zwei Orten, in Indien und den USA groß geworden und hat sich mit nahezu jeder Art von Musik beschäftigt. Seine Perkussion, sein Zugang zu westlicher wie östlicher Musik ist die Brücke, über die wir auf Samdhi gehen“, schwärmt Mahanthappa.

Gemeinsam gelingt ihnen bei Mahanthappas Kompositionen für „Samdhi“ ein völlig neuartiger Sound, der klassische Jazzelemente mit der modalen Avantgarde und originalen indischen Motiven so selbstverständlich, mühelos und organisch miteinander verschmilzt, wie man das bislang noch nicht gehört hat. Das beginnt mit „Parakram #1“, wo Mahanthappa die mikrotonalen Höhenverschiebungen und Färbungen in Vollendung zelebriert, die seinen Saxophon-Stil unverwechselbar machen. Immer wieder gelingen Mahanthappa überraschende und doch absolut ineinandergreifende Kombinationen: „Breakfestlunchanddinner“ zum Beispiel ist ein echter Raga und gleichzeitig ein Blues. „Playing With Stones“ ist ein eher experimenteller, avantgardistischer Ansatz, während das abschließende „For All The Ladies“ eine fast klassische Jazz-Ballade darstellt.

Auch elektronisch und psychedelisch wird es mitunter („Parakram #2). Auf den Einfluss der Musik der achtziger Jahre angesprochen, erklärt Mahanthappa: „Ich bin ein Kind der Achtziger. Die ersten Sachen, die ich hörte, und mich dazu inspirierten, selbst Musik zu machen waren nicht Charlie Parker oder John Coltrane, sondern die Brecker Brothers, Yellowjackets oder David Sanborn.“

Der Respekt vor den musikalischen Wurzeln auf „Samdhi“ ist greifbar. Stets ist Mahanthappa auf der Hut vor der Exotenfalle und einem klischeehaften Ethno-Jazz, bei dem „ost-westliche Gruppen im selben Raum spielen, ohne zusammenzuspielen“, wie er es formuliert. „,Samdhi‘ hat meiner Meinung nach genau die Integrität, die ich wollte. Und ist vielleicht tatsächlich zugänglicher und gefälliger als vieles andere, was ich gemacht habe.“ Viel mehr Understatement geht nicht bei einem Album, das zu den wenigen gehört, die einen wirklich neuen musikalischen Weg beschreiten, ohne den Hörer zu über- oder zu unterfordern.

  1. Parakram #1
  2. Killer
  3. Richard's Game
  4. Playing with Stones
  5. Rune
  6. Breakfastlunchanddinnner
  7. Parakram #2
  8. Ahhh
  9. Meeting Of The Skins
  10. Still-Gas
  11. For My Lady
  12. For All The Ladies

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 6 plus 2.