Rezension des Albums "DNA" von Terence Collie
Terence Collie
DNA
Erscheinungstermin: 21.08.2026
Label: Adhyâropa Records, 2026
Die Erinnerung, die wir in uns tragen
Woher kommen wir? Diese scheinbar einfache Frage führt schnell weit über Geburtsorte, Nationalitäten und bekannte Familiengeschichten hinaus. Für den britischen Pianisten und Komponisten Terence Collie wurde sie zum Ausgangspunkt seines bislang persönlichsten Albums. „DNA” handelt von Identität, Herkunft und Zugehörigkeit – und davon, dass die Suche nach den eigenen Wurzeln irgendwann auch zu einer Reise ins eigene Innere wird.
Collies familiäre Geschichte führt auf die Seychellen. Bei seinen Recherchen entdeckte er jedoch eine wesentlich komplexere Genealogie mit Migrationslinien, die sich über 26 Regionen verschiedener Kontinente erstrecken. Aus dieser Erkenntnis entstand jedoch keine musikalische Dokumentation seiner Familiengeschichte. Vielmehr versucht Collie, Erinnerung, Herkunft und das Gefühl von Zugehörigkeit in Musik zu übersetzen.
Dafür erweitert er das klassische Klaviertrio um Perkussion und Streicher. Im Zentrum bleibt der Rhythmus. Komplexe Metren und afro-diasporische Einflüsse dienen dabei nicht als exotische Verzierung, sondern gehören zur strukturellen Substanz der Kompositionen. Sie bestimmen Bewegungen, schaffen Spannungen und bilden das Fundament, auf dem sich die anderen Stimmen entwickeln können.
Gleichzeitig arbeitet Collie ausgesprochen differenziert mit Harmonie und Klangfarbe. Manche Passagen bleiben bewusst reduziert und transparent, während sich andere durch Violine, Viola und Cello zu einem wesentlich größeren Klangraum öffnen. Die Streicher verleihen der Musik dabei jedoch nicht einfach orchestrale Fülle. Sie verändern Perspektiven, kommentieren melodische Gedanken und schaffen immer wieder überraschende Übergänge zwischen Intimität und Weite.
Diese Wechsel machen die DNA so spannend. Die Musik kann zunächst klar und unmittelbar erscheinen, um dann harmonisch komplexer zu werden. Komponierte Strukturen öffnen sich für Improvisationen und rhythmische Präzision trifft auf spontane Interaktion. Dadurch bleibt das Album ständig in Bewegung.
Und genau das passt zu seinem Thema. Denn auch bei Collie ist Identität kein abgeschlossenes Ergebnis. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, persönliche Erinnerung begegnet einer Geschichte, die lange vor der eigenen Existenz begonnen hat.
DNA ist ein schönes, vielschichtiges und immer wieder überraschendes Album. Terence Collie liefert dabei keine musikalische Antwort auf die Frage, woher wir kommen. Vielmehr zeigt er, wie faszinierend es sein kann, diese Frage immer wieder neu zu stellen.
(Jacek Brun, 25.08.2026)
Besetzung
Terence Collie - piano, compositions
Nick Lenner-Webster - double bass
Ted Carrasco - drums
Cosimo Keita Cadore - percussion
Ruth Elder - violin, strings consultant
Clare Kennington - viola
Jocasta Mudge - cello
Titelliste
- Montrose to Mahé
- Good Genes
- Silhouette
- Tall Palm Trees
- Beau Vallon
- Harbour View
- La Digue
- Bird Island
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