45 Jahre New Morning – Liebe, Leidenschaft und die Magie eines Jazzclubs
Von Izabela Olejniczak
Fünfundvierzig Jahre. Unzählige Konzerte, Generationen von Musikerinnen und Musikern, unvergessliche Erinnerungen und wahrscheinlich ebenso viele schlaflose Nächte. In der Geschichte des legendären Pariser Jazzclubs New Morning haben drei Frauen eine wichtige Rolle gespielt: Catherine Farhi, die Leiterin des Clubs, Christine Badier, die für die Programmgestaltung verantwortlich ist, und Marie-Claude Nouy, die in den Anfangsjahren (1981–1983) in der Verwaltung und Programmgestaltung tätig war und seit 2015 für die Promotion zuständig ist.
Eine Geschichte von Liebe, Leidenschaft und Freundschaft
Doch als ich sie fragte, was dieses Jubiläum für sie bedeute, kam die Antwort unter Gelächter und war überraschend einfach: Sie sind immer noch hier. Immer noch am Leben.
Marie-Claude Nouy erinnert sich an eine Zeit, in der alles von Hand gemacht wurde. Das Team gestaltete die Plakate selbst und hängte sie auch eigenhändig auf, Buchungen wurden am Telefon ausgehandelt, und Vereinbarungen mit internationalen Agenten beruhten oft auf nichts anderem als dem Wort eines Menschen. Das Geld war knapp, die Arbeitstage waren lang, und es gab immer ein weiteres Problem zu lösen.
Aber es gab auch ein echtes Gefühl von Abenteuer. Musiker, Freunde und Stammgäste wurden Teil der New-Morning-Familie. Die Menschen kamen vorbei, um zu helfen, Zeit miteinander zu verbringen oder einfach jemandem an der Abendkasse Gesellschaft zu leisten. Es war ein Ort, der auf Entschlossenheit, Freundschaft und der Liebe zur Musik aufgebaut war. Und die Musik war nie auf ein einziges Genre beschränkt. Wie Christine Badier erzählt, war das New Morning von Anfang an auch für Weltmusik und Funk offen, selbst wenn dies traditionelle Vorstellungen davon infrage stellte, was ein Jazzclub sein sollte.
Für Catherine Farhi sind diese musikalischen Verbindungen von wesentlicher Bedeutung. Jazz wächst, wie so viele musikalische Traditionen auf der ganzen Welt, aus seinen Wurzeln heraus, entwickelt sich weiter und begegnet auf seinem Weg anderen Einflüssen. Das New Morning war schon immer ein Ort, an dem diese unterschiedlichen musikalischen Welten zusammenkommen konnten.
Auch nach 45 Jahren ist die Philosophie weitgehend dieselbe geblieben: „Wir wollten nichts ändern. Wir wollten einfach weitermachen.“, erklärt Catherine Farhi. Für sie bedeutet das auch, die Livemusik weiterhin in den Mittelpunkt zu stellen, neue Generationen von Musikerinnen, Musikern und Publikum willkommen zu heißen und zugleich die Atmosphäre und Unabhängigkeit des Clubs zu bewahren.
Vielleicht liegt das Geheimnis des Erfolgs von New Morning einfach darin, mit derselben Neugier, Begeisterung und Liebe zur Musik weiterzumachen, die ursprünglich alle zusammengebracht hat.
Wie der Club selbst auf seiner Website schreibt: „Vor uns liegen die Ewigkeit der Musik und die Kraft der Freundschaft. “
Die Magie dieses Ortes
Und was sollte jemand von seinem allerersten Abend im New Morning erwarten?
„Es geschieht immer etwas Einzigartiges und Unglaubliches. Etwas, das man nur ein einziges Mal erleben kann“, sagt Marie-Claude Nouy.
Christine Badier stimmt ihr zu. Ihr Wunsch für die kommenden Jahre ist einfach: „Ich hoffe, dass ich immer genauso viel Freude daran haben werde, Musikerinnen und Musikern aus aller Welt zuzuhören.“
Und für alle, die das New Morning noch nie erlebt haben? Catherine Farhi hat einen Vorschlag:
„Kommt einfach einmal vorbei. Dann reden wir weiter.“
Jubiläumskonzerte
Zur Feier seines 45-jährigen Bestehens hat das New Morning eine besondere Konzertreihe vorbereitet, die vom 4. März 2026 bis zum 10. April 2027 läuft.
Im Rahmen der Feierlichkeiten haben bereits 42 Konzerte stattgefunden, bei denen einige der größten Namen aus Jazz, Funk und Soul auf der Pariser Bühne standen, darunter Kenny Garrett, Marcos Valle, Monty Alexander, Dianne Reeves, Nik West, Immanuel Wilkins und Jazzanova sowie viele andere.
Sechs weitere Jubiläumskonzerte sind bis Ende 2026 geplant: Steve Coleman & The Five Elements am 10. November, Leee John von Imagination am 14. November, Joyce Moreno am 19. November und das Jason Miles Quintet am 20. November. Im Dezember gehen die Feierlichkeiten mit Bilal am 12. und Digable Planets am 16. Dezember weiter.
Die Jubiläumssaison wird 2027 fortgesetzt.
Das vollständige Programm: https://www.newmorning.com/45ans#programmation
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Immanuel Wilkins, Foto: Izabela Olejniczak -
Nik West, Foto: Izabela Olejniczak -
45 Jahre New Morning
Über die Autorin
Izabela Olejniczak arbeitet mit internationalen Jazzagenturen zusammen und ist Host des Projekts „Lost in Paris with Jazzabela“. Für jazz-fun.de schreibt sie über die Pariser Jazzszene sowie über Kunst und Kultur.
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