Rezension des Albums "Ephemer" von Vroni Frisch Band
Vroni Frisch Band
Ephemer
Erscheinungstermin: 23.10.2026
Label: Double Moon Records, 2026
Was nur einmal so klingt
Ephemer bezeichnet etwas Flüchtiges, Vergängliches, nur für kurze Zeit Bestehendes. Für die Musik der Vroni Frisch Band ist das ein treffendes Bild. Die Stücke sind sorgfältig komponiert, aber sie leben von jenen Momenten, die sich nicht exakt wiederholen lassen.
Vroni Frisch führt das Quartett am sechssaitigen E-Bass und als Komponistin. Mit Gregor Schor an den Holzblasinstrumenten, Manuel Seng an Klavier und Rhodes sowie Tobias Frohnhöfer am Schlagzeug entsteht eine Musik, die sich frei zwischen zeitgenössischem Jazz, lyrischen kammermusikalischen Passagen, filmischen Klangfarben und kraftvollen Grooves bewegt.
Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Musizieren. Frisch gibt mit ihren Kompositionen klare melodische und formale Impulse, lässt ihren Mitmusikern aber viel Raum, diese weiterzuführen. Aus ihren Themen entstehen neue Farben, kleine Umwege, spontane Verdichtungen und improvisierte Antworten.
Die Stücke wirken dadurch nie starr. Sie erzählen, verändern sich und öffnen immer wieder neue Perspektiven. Gregor Schor setzt mit seinen Bläserfarben markante Linien, Manuel Seng erweitert den Klang mit Klavier und Rhodes, Tobias Frohnhöfer sorgt für Beweglichkeit und rhythmische Spannkraft. Frisch selbst bleibt als Bassistin und Bandleaderin der verbindende Pol.
Alle vier Musiker bekommen Raum für eigene solistische Aussagen. Diese Passagen wirken nicht wie eingeschobene Demonstrationen von Virtuosität, sondern als natürliche Fortsetzung der Kompositionen. Genau dadurch entsteht jener flüchtige Charakter, den der Albumtitel beschreibt.
Ephemer überzeugt mit melodischer Klarheit, feinen Klangfarben und einem Ensemble, das sehr aufmerksam miteinander umgeht. Die Musik ist subtil, aber nie blass, virtuos, ohne sich aufzudrängen.
Für Vroni Frisch ist dieses Album zugleich ein bemerkenswertes Debüt als Bandleaderin – und erscheint als 115. Ausgabe der renommierten Reihe „Jazz Thing Next Generation“.
Das passt sehr gut.
Denn Ephemer zeigt eine junge Musikerin mit klarer eigener Handschrift und ein Quartett, das aus komponierten Ideen etwas schafft, das im nächsten Moment schon wieder anders sein kann.
(Jacek Brun, 24.10.2026)
Besetzung
Vroni Frisch - bass, compositions
Gregor Schor - reeds
Manuel Seng - piano &rhodes
Tobias Frohnhöfer - drums
Titelliste
- Why
- Sometimes crappy sometimes happy
- Stream
- Lugano
- Ephemer
- Drab
- Megalodon: prologue
- Megalodon
- Romi
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