Adam Bałdych - Portraits
Adam Bałdych
Portraits
Erscheinungstermin: 31.01.2025
Label: Imaginary Music/ACT, 2024
Einmal mehr fasziniert Adam Bałdych mit einer Musik, die tief in Spiritualität und innerer Erfahrung verwurzelt ist. Nicht nur seine außergewöhnliche Virtuosität beeindruckt, sondern auch der Klang seines Instruments – weich und sanft, zugleich makellos rein und klar. Sein Spiel ist nicht nur technisch brillant, sondern auch emotional durchdringend. Perfekt ergänzt von seiner Band, die sowohl die komponierten als auch die improvisierten Passagen meisterhaft umsetzt, entsteht ein Album, das von großer künstlerischer Vorstellungskraft, interpretatorischer Tiefe und kompositorischer Finesse zeugt. Dies ist ein weiteres herausragendes Werk dieses außergewöhnlichen Musikers. (Jacek Brun, 01.03.2025)
Besetzung
Adam Bałdych - violin, renaissance violin
Sebastian Zawadzki - piano, upright piano
Marek Konarski - tenor saxophone
Andrzej Święs - double bass
Dawid Fortuna - drums
Über das Jazz Album "Portraits" von Adam Bałdych
Eindringlichkeit ist eine Herausforderung. Denn was man an den Klassikern so liebt – das Pathos und den Nachdruck im Ausdruck –, wirkt schnell übertrieben in der eigenen Welt. Adam Bałdych lässt sich trotzdem nicht beirren. Schließlich ist Intensität nicht nur eine Frage der Musik, die man spielt, sondern auch der Emotion, die man lebt. „Als ich an den Stücken arbeitete, waren Berichte von Menschen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, Quelle meiner Inspiration,“ erzählt der polnischen Geiger und Komponist. „Das Thema fühlt sich für mich sehr wichtig an, im Angesicht der wachsenden Konflikte in Europa und in der Welt. Ich habe Zeitzeugenberichte von damals gelesen und ich wollte mich gegen das stellen, was Tausende heute wieder erleiden müssen. Ein Aufruf zum Frieden in der Welt. Es sind verschiedene, sehr emotionale Stücke entstanden, die versuchen, Menschen und Lebensbedingungen und die Zeit, in der wir leben, zu porträtieren. Es geht um Sorgen, aber auch um die unbeschreibliche Schönheit der Welt, die ich versuche, in meinen Klängen und in der Musik festzuhalten“.
Das hat etwas Spirituelles. „Portraits“ ist Klage, Gebet, Jubel und Überschwang. Es ist sehr menschlich im Bedürfnis, als Künstler einen Beitrag zur Diskussion zu leisten, auch wenn man als Instrumentalist keine Worte zur Verfügung hat. Sprachlos ist Adam Bałdych deshalb nicht, im Gegenteil. Seine Musik öffnet einen Erfahrungsraum, der über die Grenzen des Gesprochenen hinausreicht. Er ist ein Virtuose, ausgebildet in Katowice und am Berklee College, preisgekrönt und erfahren auf den Jazzbühnen der Welt. Aber er ist auch Teamplayer, der weiß, wie wichtig es ist, die eigenen Ideen in der Gemeinschaft wachsen zu lassen: „Als ich die Musik zur Bandprobe mitbrachte, haben wir zunächst viel Zeit damit verbracht, uns über die Instrumentierung und die Arrangements klar zu werden. Es war ein wenig wie bei klassischer Musik, wir haben die Register der Instrumente angehört und nach dem passenden Raum dafür gesucht. Es war ein akribischer, nahezu chirurgischer Vorgang. Obwohl wir alle Improvisatoren sind und so viel wie möglich von unserer Natur in die Musik legen wollten, planten wir die Ausführung ungeheuer präzise, um die Freiheit zu bewahren und nichts von unseren Persönlichkeiten zu verlieren. Es war ein sehr inspirierender Prozess.“
So entstand ein Programm mit 15 Stücken, die diese Spannung von innen und außen, von Persönlichkeit und Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt stellen. Adam Bałdychs Geigen leiten die Musik, sowohl das normal gestimmte Instrument, als auch die sonore Renaissance-Violine (ein Nachbau-Unikat eines österreichischen Geigenbauers), die ihm holztönend tiefere Lagen öffnet. Sein langjähriges polnisches Quintett folgt ihm dabei mit freundschaftlicher Kraft: „Wir haben eine sehr ehrliche Beziehung zueinander, die auf dem Verständnis der Kultur und der Tradition basiert, mit der wir aufgewachsen sind. Und wir verstehen uns intuitiv, geben uns den Raum, Erzählungen zu entwickeln. Es ist wie eine polyphone Komposition, die sich aus vielen Stimmen zusammensetzt, jeweils einen Mitspieler in den Vordergrund lässt, und die anderen fungieren dann als Kontrapunkt. Jeder ist eine eigenständige Persönlichkeit, wir respektieren uns und zugleich die Musik als Ganzes, die wir entwickeln.“ So entsteht „Portraits“ als jazzmusikalisches Kraftfeld, nachdenklich und beglückend zugleich. Denn das Adam Bałdych Quintet kann auch ohne Worte eindringlich erzählen.
Titelliste
- Genesis
- Canon
- Tree Of Knowledge
- Protest Song
- Code
- Litany
- Passion
- Lullaby For Ulma Family
- River
- Depths Of The Earth
- Vision (Talking to Jesus)
- Hamsa
- Prelude (Sebastian Zawadzki)
- Whispers
- Relief
jazz-fun`s recap:
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