Rezension des Albums "Parz" von Parzhuber Trio
Parzhuber Trio
Parz
Erscheinungstermin: 12.06.2026
Label: Owl Way Records, 2026
Manchmal entsteht eine neue musikalische Sprache nicht durch mehr Töne, sondern durch den Mut, alles Überflüssige wegzulassen
Manchmal genügt eine Silbe, um eine ganze Idee zu beschreiben. PARZ ist mehr als die verkürzte Form des Nachnamens von Schlagzeuger Alex Parzhuber. Es ist ein Programm. Eine Reduktion auf das Wesentliche. Ein Versuch, alles Überflüssige hinter sich zu lassen, um den Kern einer musikalischen Vision freizulegen.
Im Sommer 2025 schlossen sich Alex Parzhuber, Fabian Dudek (Altsaxofon, Ableton, Wind Controller) und Oliver Lutz (E-Bass) im Kölner Studio Linie1 ein, um ihr zweites gemeinsames Album aufzunehmen. Das Ergebnis besitzt die unmittelbare Energie einer Live-Session und zugleich die Präzision einer modernen Studioästhetik. Beides steht hier nicht im Widerspruch – vielmehr verstärken sich Spontaneität und klangliche Klarheit gegenseitig.
Inspirationen aus der kompromisslosen Rhythmik von Knower und den weiten Klanglandschaften von Bon Iver sind durchaus hörbar, doch das Trio entwickelt daraus eine vollkommen eigenständige Sprache. Jazz, elektronische Musik und zeitgenössische Produktionstechniken verschmelzen zu einer organischen Einheit, die sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht.
Eine besondere Rolle spielt die Pianistin Olga Reznichenko, die in drei zentralen Stücken des Albums mitwirkt. Ihr Beitrag geht weit über klassische Pianoparts hinaus. Mit ihren Synthesizerklängen und ihrem unverwechselbaren musikalischen Denken erweitert sie den Klangraum des Trios erheblich. Plötzlich öffnet sich die Musik nach allen Seiten, gewinnt an Tiefe und an räumlicher Dimension. Es entstehen Momente, in denen der Groove nicht nur getragen, sondern regelrecht durchleuchtet wird.
Bemerkenswert sind auch die Soli der Musiker. Sie erscheinen nicht als bloße Weiterführung der Themen oder als virtuose Demonstrationen technischen Könnens. Vielmehr erzählen sie eigene Geschichten, entwickeln eigene Dramaturgien und eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf das musikalische Geschehen. Die Improvisation wird hier zum eigenständigen Erzähler.
Doch die eigentliche Stärke des Albums liegt an anderer Stelle. Entscheidend ist nicht die Summe seiner Einzelteile, sondern das kollektive Klangbild. Man hört kein Schlagzeug, keinen Bass und kein Saxofon, die nebeneinander existieren. Man hört eine einzige musikalische Einheit, die gemeinsam atmet, denkt und reagiert. Gerade dadurch entsteht etwas, das sich kaum mit bekannten Maßstäben messen lässt.
Vielleicht erleben wir hier tatsächlich die Entstehung einer neuen Ästhetik. Nicht als stilistische Revolution, sondern als neue Art des musikalischen Miteinanders. PARZ ist kein Konzept, das erklärt werden möchte. Es entfaltet sich im Hören – unmittelbar, überraschend und voller kreativer Energie.
Und deshalb bleibt am Ende vor allem ein Gedanke: Manche Alben erweitern unser Repertoire. Andere erweitern unsere Vorstellung davon, was Musik überhaupt sein kann. PARZ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
(Jacek Brun, 13.06.2026)
Besetzung
Fabian Dudek - Alto Saxophone, Fx, Ableton, Wind Controller
Oliver Lutz - Electric Bass, Fx
Alex Parzhuber - Drums, Keys (Track 04,08), Fx
Guest:
Olga Reznichenko: Keys (Track 01,03,09)
Titelliste
- Organic Pendulum
- Madness
- It Takes Time
- Dreamality
- The Punisher
- The Word Of People Is Not Spoken By One
- T.A.H
- Complex Simplicity
- Riff Song #1
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