Aki Rissanen - Imaginary Mountains

Aki Rissanen - Imaginary Mountains - Album cover
Aki Rissanen - Imaginary Mountains

Aki Rissanen
Imaginary Mountains

Erscheinungstermin: 09.01.2026
Label: Edition Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Mit „Imaginary Mountains“ setzt Aki Rissanen seinen sehr eigenen Weg konsequent fort. Der finnische Pianist – hier häufig am E-Piano – arbeitet mit ungewöhnlichen Klangfarben und entwickelt Kompositionen, die klar seine persönliche künstlerische Vision widerspiegeln. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Trio-Format erscheint, bewegt sich tatsächlich auf einer ganz anderen Ebene: lyrisch, sensibel und fernab stereotyper Arrangements.

Diese Musik erzählt Geschichten. Ihre Dramaturgie entsteht weniger aus reiner Improvisation als aus sorgfältig komponierten, oft langen, repetitiven Themen, die sich subtil verändern und durch überraschende Klangentscheidungen erweitert werden. Alles ist äußerst feinfühlig und mit großer Zurückhaltung gespielt.

Die Rhythmusgruppe mit Antti Lötjönen am Bass und Teppo Mäkynen am Schlagzeug ist dabei weit mehr als Begleitung: Beide beteiligen sich aktiv an der klanglichen Erzählung, gestalten Texturen, reagieren auf Stimmungen und tragen wesentlich zur Tiefe dieser Musik bei.

Mit „Imaginary Mountains“ verschiebt Aki Rissanen erneut die Grenzen des Trio-Spiels. Das vermeintlich vertraute Format erhält eine neue Gestalt – offen, suchend und voller klanglicher Nuancen. Eine Musik, die sich Zeit nimmt und genau deshalb nachhaltig wirkt. Ein Album, das man unbedingt hören sollte.

(Jacek Brun, 10.01.2026)

Besetzung

Aki Rissanen - Piano, Electric Grand Piano
Antti Lötjönen - Bass
Teppo Mäkynen - drums

Klanglandschaften eines erweiterten Trios

„Imaginary Mountains” ist das kraftvolle neue Album des finnischen Pianisten und Komponisten Aki Rissanen und markiert ein eindrucksvolles neues Kapitel in seiner fortwährenden Erforschung des Klaviertrios. Bekannt für seinen lyrischen Anschlag und sein tiefes strukturelles Bewusstsein auf früheren Alben wie Amorandom und Art in Motion, wendet sich Rissanen mit diesem Album nun etwas Rhythmischerem, Roherem und Emotionalerem zu. Während sein kompositorischer Stil unverändert bleibt, verschiebt „Imaginary Mountains” die Perspektive: Das Album ist weniger fließend, mehr geerdet, weniger auf harmonische Erweiterung ausgerichtet, sondern mehr auf Puls, Reibung und Körperlichkeit.

„Der Fokus liegt dieses Mal mehr auf Rhythmus und Wiederholung“, erklärt Rissanen. „Es fühlt sich direkter und körperlicher an, manchmal vielleicht sogar roh. Aber im Kern bin ich immer noch ich selbst, nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.“

Der Titel des Albums bezieht sich auf die inneren, oft unsichtbaren Hindernisse, die wir mit uns herumtragen und die unsere Reaktion auf die Welt prägen und uns manchmal sogar gegenüber ihren Turbulenzen abstumpfen lassen. „Es geht um das emotionale Terrain, das uns davon abhalten kann, uns voll und ganz auf das einzulassen, was um uns herum geschieht, oder Mitgefühl dafür zu empfinden“, sagt er. Der Titel ist auch eine stille Anspielung auf Keith Jarretts Personal Mountains, ein Album, das Rissanen zu Beginn seiner Karriere tief beeindruckt hat. „Ich fand es toll, wie er durch seine Musik weite, imaginäre Räume heraufbeschwor. In gewisser Weise ist Imaginary Mountains meine eigene Reflexion über diese Idee: Landschaften, die mehr in der Psyche als in der physischen Welt existieren.“

Das akustische Klavier bleibt das Hauptinstrument des Albums und sorgt für seine expressive Tiefe. Die Klangwelt wird jedoch durch den Einsatz des elektrischen Flügels Yamaha CP-70 von Rissanen geprägt. Dieses eigenwillige Instrument aus den 1970er Jahren ist zwischen akustisch und elektrisch angesiedelt. Mit seinem metallischen, rauen Klang erinnert es an die Körperlichkeit eines Rhodes, behält aber den Anschlag eines Flügels bei. „Ich wollte eine rauere, eher garageartige Energie“, sagt Rissanen. „Dieser unverwechselbare Charakter hat die Gesamtstimmung des Albums wirklich geprägt.“ Er hat dazu beigetragen, die akustische Trio-Besetzung mit einigen der kantigeren Klangideen zu verbinden, die ich in Hyperreal erforscht hatte. Der Einfluss ist subtil, aber vorhanden.“

„Imaginary Mountains” ist auch von einem tiefen Vertrauen innerhalb des Ensembles geprägt. Die langjährigen Mitstreiter Teppo Mäkynen (Schlagzeug) und Antti Lötjönen (Bass) sind für die Ausführung und die Architektur der Musik unverzichtbar. „Früher habe ich das Trio als Raum für sorgfältig ausgearbeitete Kompositionen betrachtet“, reflektiert Rissanen. „Jetzt gibt es ein tieferes Vertrauen in die Gruppe selbst, in das, was zwischen den Noten geschieht.“ Mehrere Stücke sind aus Fragmenten und frei improvisierten Zwischenspielen entstanden, die im Studio aufgenommen wurden, sobald sie entstanden sind. Das Ergebnis ist ein Album, das von spontaner Energie durchströmt ist und doch durch einen klaren emotionalen Faden verbunden bleibt.

Tracks wie das zarte Herzstück „For E“, das Erik Satie gewidmet ist, und die eindringliche Neuinterpretation des traditionellen türkischen Volksliedes „İki Keklik“ zeigen die doppelte Verankerung des Albums in Abstraktion und historischer Erinnerung. „Diese Einflüsse helfen dabei, die abstrakten Ideen in etwas Persönlichem und gleichzeitig Historischem zu verankern“, sagt Rissanen.

„Imaginary Mountains” ist Rissanens bislang ausgereiftestes und physisch unmittelbarstes Trio-Werk. Es ist geprägt von emotionaler Klarheit, Ensemble-Intuition und dem unermüdlichen Wunsch, Form in der Spannung zu finden. „Ich hoffe, dass die Zuhörer sowohl bewegt als auch verunsichert sind“, sagt er. „Vielleicht hinterlässt es eine Frage oder ein Gefühl, das ihnen im Gedächtnis bleibt. Wenn es auch nur eine kleine emotionale Tür öffnet, dann hat das Album seine Aufgabe erfüllt.“

Text: Edition Records

Titelliste

  1. Imaginary Mountains
  2. No Regretz
  3. 1905
  4. Neon Promethus
  5. For E
  6. Black Narcissus
  7. The Spark Carrier
  8. High Expectations
  9. 2025
  10. Withforest
  11. Glitch In The Heavens
  12. Iki Keklik

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