Alexej Malakhau - Leiblich

Alexej Malakhau - Leiblich

Alexej Malakhau
Leiblich

Erscheinungstermin: 27.03.2020
Label: Double Moon, 2020

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State of The Art der Jazz-Balladen

Elegant und ausgewogen präsentiert sich die Musik des Quintetts von Alexej Malakhau. Die Balance betrifft alle musikalischen Elemente: Ruhe, Bewegung, Rhythmus, Harmonie und Melodie, wie auch das Verhältnis zwischen Komposition und Improvisation. Die Mitgestalter der Gruppe sind absolut gleichberechtigt, alle spielen auf gleicher Augen- und Ohrenhöhe. Das Ergebnis ist ein warmer Sound, der zum Tag-Träumen und Verlieben animiert – State of The Art.

Alexej Malakhau – Saxophone
Rainer Böhm – Piano
Kristjan Randalu – Piano (2,9)
Vitaliy Zolotov – Guitar
Joscha Oetz - Bass
Bodek Janke – Drums

No Signal
Verhaltenes Piano – kammermusikalischer Auftakt, die Gitarre tupft sphärische Klänge zum aufkommenden Thema, das dann von Tenorsax und Gitarre unisono vorgestellt wird. Das Piano von Reiner Böhm übernimmt mit perlenden Anschlägen den ersten solistischen Part. Eine Riff-Figur steuern Sax und Gitarre bei. Im Pianospiel ist viel kammermusikalische Eleganz und Finesse enthalten. Jetzt ist das Tenor von Alexej Malakhau an der Reihe. Volles Klangvolumen wie es einem Tenor im Jazz geziemt. Bewusstsein zur Tradition des Tenors im Jazz wie die Lust am eigenen Stil und Ausdruck sind unverkennbar zu hören. Das Motiv wird wiederholt, leicht variiert, dann kurz verzögert. Was nicht für das solistische Trommeln von Bodek Janke gilt. Der nutz die Gelegenheit, um zu zeigen, wie aktuelles Drumming heute klingen kann: agil und melodiös. Das hat nichts mehr mit dem ausschließlichen Time Keeping des Drummers im klassischen Jazz zu tun.

Leibmotiv
Das sinngebende Titelstück der CD beinhaltet das Klanguniversum des Tenorsaxofons – suchend, tastend nach den geeigneten Ausdrucksformen, ein Spielen mit energetischen Feldern und Räumen, Landschaften gelangen ins Ohr. Ein stilles, sehr verdichtetes Thema. Nach den Anfangssequenzen des Tenors gehört die (Be)Wanderung des musikalischen Raums dem Piano, wohltemperiert von Kristjan Randalu, der seinem Kollegen nicht nachsteht. Ähnlich agiert der Kontrabass von Joscha Oetz, der in weiten Gefilden herumschweif. Es erklingt ein strukturiertes Thema voller Harmonie. Wenn Leib oder Leiblichkeit für die Physis - für eine Körperlichkeit steht -, so ist dies in dieser Musik gegenwärtig. Die geschwungenen Linien des Tenors bestechen, stringent entwickelt lassen die Sequenzen eine Physis lebendig werden. Damit mit dieser Musik so richtig geträumt werden kann, leisten Drums und Bass ihren unauffälligen, aber wirkungsvollen Beitrag zum Sich-in-die–Musik–Vertiefen.

Zeitgefangener
Leise Gitarrenklänge legen vor, die Melodie entsteht unisono durch Sax und Gitarre vorgestellt, die Fortführung obliegt dem feinfühligen Spiels des Pianos. Das Thema nimmt Gestalt an, formt sich weiter aus, nimmt ein wenig Fahrt auf, um sobald wieder Ruhe auszustrahlen. Das souveräne Spiel des Bassisten Joscha Oetz plus die gekonnte Zurückhaltung von Bodek Janke machen den Titel präsent und lebendig. Ein angenehmer, wärmender Sound des Quintetts offenbart sich, der keine Wünsche an eine wunderbare Ballade offen lässt. Auch die melodischen Linien des Saxofons gewinnen mit ihrer Magie. Ein bewegendes Thema, so schön wie zerbrechlich.

Lela
Ein Solo des Basses - verhalten, sparsame Intonierung - leiten den Titel ein, vergibt Stimmung und Emotionalität. Ein paar Takte Piano-Akkorde helfen aus, bevor das Tenorsaxofon das Stücks zum Leben erweckt, die Gitarre unterstützt mit sphärischen Klängen, bevor sie mit ihrem Solo die Musik anreichert. Den emotionalen Höhepunkt dürfen dann wieder Tenor und Piano gemeinsam setzen.

Julia
Auch Julia klingt nach einer Ballade, die zu erzählen weiß. Das Motiv schält sich heraus, wird gemeinsam von Sax und Gitarre weiterentwickelt, bevor der Bass die entstehende Pause für sein Solo verwendet. Die musikalischen Räume zwischen den Motiven von Sax und Gitarre, nutzt das gesamte Quintett konsequent, um am kollektiven Sound zu feilen. Leise entschwinden die Töne.

Narcissque
Tenorsound trifft auf die Anschläge des Pianos. Motive und Ideen gilt es noch zu suchen und zu finden, was dann durch einen geraden Beat von Drums und Bass - plus mit ein wenig verzerrter Gitarre - auch erfolgt. Kein klassischer Jazzrock, jedoch ein akzentuierter Rhythmus, der neben den Soli von Alexej Malakhau die Spielweise des Drummers gut herausstellt, also neudeutsch: Featuring Bodek Janke! Auch die Gitarre wird nicht müde, einzelne Akkorde oder Linien ins Thema reinzuschmeißen, bevor sie zu ihrem quirligen Solo ansetzt. Der Bass hält mit seiner Ostinato-Figur - zwar nicht die Stange -, aber den erforderlichen Takt. Für den kurzweiligen Rhythmus mit all seinen Breaks ist jedoch Bodek Janke verantwortlich. Zum Finale tönt es dann doch nach Fusion Jazz.

Interlude
Der Titel ist Programm. Es fängt mit Tenorkaskaden an, die - bevor sie sich entwickeln können - auch schon zu Ende sind – 30 sec.

Auf der andern Seite
Verhalten kommen die Töne. Gitarre und Saxofon gehen oft voran, so auch hier: Thema einleiten, weiterspinnen, bevor die anderen dazu stoßen - zupfen oder (an)schlagen. Auf der anderen Seite (der Straße?, des Lebens) wird zu diesem balladenhaften Titel geschwelgt, zu den solistischen Figuren des Saxofons und der Gitarre kann geträumt werden.

Stressmaker
Hält der Titel, was er verspricht? Rockig, durchlaufender Beat, unisono gespielte Figuren, in die das Tenor seine Ausflüge unternimmt. Stress macht der Titel eigentlich nicht, eher die Lust nach einem einfach strukturierten Stück mit Ironie.

Text: Cosmo Scharmer

  1. No Signal
  2. Leibmotiv
  3. Zeitgefangener
  4. Lela
  5. Julia
  6. Narcissique
  7. Interlude
  8. Auf Der Anderen Seite
  9. Stressmaker

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