Andreas Pientka Tentet - Tiefe Nacht

Andreas Pientka Tentet - Tiefe Nacht

Andreas Pientka Tentet
Tiefe Nacht

Erscheinungstermin: 21.10.2022
Label: Double Moon Records, 2022

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Cay Schmitz, Christian Mehler - trumpet & flugelhorn
Philipp Schittek - tenor trombone,
David Bernds - bass trombone, tuba
Julius van Rhee - alto saxophone, clarinet, flute
Marc Doffey - tenor & soprano saxophone
Ole Sinell - bariton saxophone, bass clarinet
Niklas Roever - piano
Alex Parzhuber - drums
Andreas Pientka - double bass
David Heiss - conductor,
János Löber (1, 4) trumpet & flugelhorn
Camila Moukarzel-Ortega - flute

Es ist eine wuchtige, monumentale Musik, die der Leipziger Bassist Andreas Pientka mit seinem Tentett auf „Tiefe Nacht“ in Szene setzt. Sieben Bläser - zwei Trompete, eine Posaune, eine Tuba und drei Saxofone - sowie eine Rhythmusgruppe aus Pientka selbst sowie dem Pianisten Niklas Roever und dem Schlagzeuger Alex Parzhuber erwecken die Musik zum Leben, ab und zu greift auch noch die Flötistin Camila Moukarzel-Ortega ins Geschehen ein. Dabei hat Pientka diese Musik eigentlich für Orchester geschrieben, doch Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung und so hat er sich für diese bläserlastige und wesentlich jazzaffinere Besetzung entschieden.

„Ich hatte das Gefühl, dass Bläser besser zwischen Klassik und Jazz changieren können und vor allem auch improvisieren“, meint Pientka, der aus seiner Zeit beim JugendJazzOrchester von Nordrhein-Westfalen und im BundesJazzOrchester reichlich Erfahrung mit Bläsersätzen gesammelt hat.

Inspirieren ließ Pientka sich beim Kompositionsprozess von Goethes „Faust“ und es sind die elementaren Fragen nach einem Platz in der Welt, die auch den Bassisten umtreiben. „Ich war immer an vielen unterschiedlichen Dingen interessiert, hatte dabei aber immer die Kernfrage nach meinem musikalischen Platz“, erläutert Pientka. „Das hat mich angetrieben. Ich bin von einer gewissen Rastlosigkeit bestimmt und hatte nie das Gefühl, meinen Platz gefunden zu haben. Diese Suche hört anscheinend nie auf und führt einen dazu, immer neue Dinge auszuprobieren und sich weiter zu entwickeln.“

Geboren wurde Andreas Pientka 1993 in Datteln im nördlichen Ruhrgebiet, einer Stadt, die als größter Kanalknotenpunkt Europas gilt. Als Jugendlicher ist er an Rockmusik interessiert, doch sein Eintritt in die Big Band seiner Musikschule weckt sein Interesse an Jazz. „Als ich ‚Sunday at the Village Vanguard‘ von Bill Evans gehört habe, fiel mir auf, wie virtuos Scott La Faro gespielt hat und wie präsent der Bass sein kann“, erinnert sich der Bassist. „Auch Paul Chambers war ein großer Einfluss und ich habe mich auf den Kontrabass verlegt.“ Pientka beginnt ein Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen, zu seinen Lehrern gehören John Goldsby, Dieter Manderscheid und Robert Landfermann. Parallel zu seinem Studium probiert er viele Genres aus - er wird Mitglied des BundesJazzOrchesters, unterhält ein eigenes Trio und spielt in Top-40-Bands. Doch auch die Klassik schiebt sich immer wieder in sein Blickfeld und so nimmt er ab 2019 schließlich klassischen Kontrabassunterricht bei Gisèle Blondeau vom Rundfunkorchester des WDR. Anschließend beginnt er ergänzend zu seinem Jazzstudium auch noch ein Klassik-Kontrabass-Studium, das ihn nach Leipzig führt.

Das alles kann man in der dichten, zupackenden Musik auf „Tiefe Nacht“ hören, die sich immer wieder die Zeit für Solo-Improvisationen und reduzierte Zwischenspiele nimmt, bei denen der Bass die Führung übernimmt oder Klavier und Schlagzeug wichtige Akzente setzen.

„Klavier und Schlagzeug liefern eine Art Grundgerüst und agieren eher unterstützend“, findet Pientka. „Beide sind sehr, sehr wichtig, um Dynamik klar zu machen und diesen speziellen Jazz-Vibe mit einzubringen.“

„Tiefe Nacht“ versucht sich nicht nur an einer Synthese von Jazz und Klassik, sondern auch an der von Tradition und Moderne, denn Pientka ist ein Klangtüftler, der den Dingen auf den Grund gehen will. „Diese Suche nach dem Ursprung fand ich besonders interessant“, sagt der Bassist. „Deshalb kann ich mich mit ‚Faust‘ identifizieren, der auch nicht weiß, wo sein Platz auf der Welt ist.“

Mit der musikalischen Welt, die sich auf „Tiefe Nacht“ manifestiert, hat Pientka zumindest schon einmal seinen Platz als wagemutiger und manchmal waghalsiger Komponist und Musiker gefunden. Oder um es mit dem Goethe-Zitat, das Pientkas dreiteiliger Suite den Namen gegeben hat, auszudrücken: „Die Tat ist alles, nichts ist der Ruhm“.

Text: Double Moon

jazz-fun.de meint:
Eine Menge umfangreicher, räumlicher Musik. Die Musiker meiden keine Solos, sondern fügen ihre Darbietungen auf sehr interessante Weise in die Konzeption der einzelnen Kompositionen ein. Tolle Arrangements runden den insgesamt sehr positiven Eindruck ab. Ein sehr gelungenes Debüt!

  1. Was die Welt im innersten zusammenhält
  2. Tiefe Nacht
  3. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm Teil 1
  4. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm Teil 2
  5. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm Teil 3

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