Rezension des Albums "Organisme" von Antonio Dayyani

Antonio Dayyani - Organisme - Album cover
Antonio Dayyani - Organisme

Antonio Dayyani
Organisme

Erscheinungstermin: 09.10.2026
Label: April Records, 2026

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Eine Band in ständiger Bewegung

jazz-fun`s recap:

Ein Organismus lebt davon, dass seine einzelnen Teile miteinander reagieren, sich verändern und aufeinander angewiesen sind. Antonio Dayyani hat für sein drittes Album deshalb einen ausgesprochen passenden Titel gewählt.

Organisme zeigt keine Band, die einen einmal gefundenen Klang lediglich reproduziert. Die Musik wirkt vielmehr wie eine Momentaufnahme aus einem fortlaufenden Entwicklungsprozess.

Der dänische Schlagzeuger und Komponist verbindet modernen Jazz mit Einflüssen aus Americana, Rock und freier Improvisation. Diese unterschiedlichen Elemente stehen jedoch nicht nebeneinander, sondern greifen ineinander und verändern je nach Stück ihre Gewichtung.

Auch die Entstehung des Albums trägt dazu bei. Die sieben Aufnahmen stammen aus drei unterschiedlichen Sessions im The Village, in den Medley Studios und im Kopenhagener Jazzhus Montmartre, aufgenommen in der zweiten Hälfte des Jahres 2025. Vorausgegangen war ein intensives Jahr mit Konzerten in Dänemark und anderen Teilen Europas.

Dadurch dokumentiert Organisme mehr als eine Studiophase. Man hört eine Band, die unterwegs gewachsen ist.

Kraftvolle Ensemblepassagen stehen neben intimen Balladen, klar komponierte Abschnitte öffnen sich zu ausgedehnten Improvisationen. Die Musik kann rhythmisch drängen und wenige Momente später weit werden. Gerade diese Veränderungen verleihen dem Album seine innere Bewegung.

Dayyani denkt als Komponist offenbar nicht in starren Rollen. Klavier, Gitarren, Pedal Steel, Trompete beziehungsweise Flügelhorn und Bass erhalten eigene Funktionen und Farben. Einzelne Stimmen treten hervor, ziehen sich wieder zurück und verändern damit fortlaufend das Gesamtbild.

Besonders reizvoll ist die Pedal-Steel-Gitarre von Magnus Munk Tækker. Ihr Klang bringt eine Farbe ins Ensemble, die man in diesem Zusammenhang nicht unbedingt erwartet und die den Einfluss von Americana unmittelbar hörbar macht. Gleichzeitig bleiben Trompete und Klavier deutlich im Jazz verankert.

Auch die wechselnden Besetzungen erweitern das Spektrum. Malina Midera ergänzt das Klavier, Samira Dayyani am Cello und Tue Lautrup an der Violine verändern in Track 4 die Textur, während die Stimmen von Antonio Dayyani und Kristoffer Jessen zusätzliche Ebenen öffnen.

Trotz dieser Vielfalt zerfällt das Album nicht in Einzelideen. Organisme funktioniert gerade deshalb, weil Veränderung hier zum Prinzip wird. Die Musik darf wachsen, sich neu sortieren und unterschiedliche Gestalten annehmen.

So entsteht ein Album über eine Band, die sich selbst beim Weiterentwickeln zuhört. Und deren stärkste Qualität vielleicht darin liegt, dass sie noch längst nicht fertig klingt.

(Jacek Brun, 31.10.2026)

Besetzung

Antonio Dayyani - drums, vocal (track 1), compositions
Harald Hagelskjær - upright bass
Andrea Maagaard - piano (track 2, 3, 4, 5, 7)
Cahlo Heyman Krill - acoustic guitar (track 1, 2, 6), electric guitar (track 5, 7)
Magnus Munk Tækker - pedal steel guitar (track 1, 2, 4, 5, 6, 7)
Jon Askjær - trumpet (track 1, 2, 5, 6, 7), flugelhorn (track 4)
Malina Midera - piano (track 1, 6)
Kristoffer Jessen - vocal (track 4)
Samira Dayyani - cello (track 4)
Tue Lautrup - violin (track 4

Titelliste

  1. En lykkelig organisme
  2. Roots removed, replaced
  3. (feelings)
  4. Alt og intet
  5. Organisme?
  6. o k a y
  7. Are you confused, Monsieur Gustave? (Live 2025)

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