Aquaserge - The Possibility Of A New Work For Aquaserge

Aquaserge - The Possibility Of A New Work For Aquaserge

Aquaserge
The Possibility Of A New Work For Aquaserge

Erscheinungstermin: 26.11.2021
Label: VLEK, 2021

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Die französische Avant-Rock-Band Aquaserge ließ schon immer Genregrenzen verschwimmen. Für die Ausgabe 46 der „Made To Measure“-Reihe widmet sie sich auf dem am 15.10.2021 erscheinenden Album The Possibility Of A New Work For Aquaserge der zeitgenössischen klassischen Musik ab Mitte des 20. Jahrhunderts: Giacinto Scelsi (1905-1988), György Ligeti (1923-2006), Edgard Varèse (1883-1965) und Morton Feldman (1926-1987).

Die Besetzung: So wie die Musik von Aquaserge sich beständig verändert, so ändert sich auch die Besetzung der Band immer wieder. Für das vorliegende Projekt hat sie die Stammbesetzung aus Audrey Ginestet (Vocals, Bass), Benjamin Glibert (Gitarre, Keys), Julien Gasc (Vocals, Synth), Manon Glibert (Klarinetten) und Julien Chamla (Schlagzeug, Percussion) sowohl in der Live- wie auch Studiobesetzung auf neun Musiker*innen erweitert. Darunter die junge Percussionistin Camille Emaille, die schon mit Fred Frith, Peter Brötzmann oder Roscoe Michell gearbeitet hat und die Flötistin Marina Tantanozi mit ihrem zeitgenössischen Klassikhintergrund; sie arbeitet mit Elektronik, Improv und experimenteller Musik. Dazu stießen die Saxophonisten Robin Fincker und Olivier Kelchtermans, die schon zuletzt viel mit Aquaserge aufgetreten sind.

International ist die Band gut vernetzt und das hat zu gemeinsamen Projekten mit Künstler*innen wie Tame Impala, Stereolab, Acid Mothers Temple und nicht zuletzt Aksak Maboul geführt. Ihre kraftvollen Live-Konzerte haben sie bei Festivals wie Le Guess Who?, Transmusicales, der Opéra de Lyon, dem Great Escape oder dem Liverpool Psych Fest gegeben.

Inspiriert von den unterschiedlichen Ansätzen der vier Komponisten in puncto Dynamik, Klangtextur und Länge der Stücke oder genauer gesagt, Scelsis Forschung über Klangfarbe und Schwingungen, Ligetis Cluster, Varèses melodischer Kubismus und Feldmans graphische Notation, ging die Band das Album intuitiv wie auch methodisch in einem auf neun Musiker*innen erweiterten Line-Up an.

Das Album enthält zum einen drei langsame, ausgedehnt-weitläufige Stücke, in denen die Klangfarben der Instrumente miteinander zu einer klanglichen Materie verschmelzen. Diese Materie ist gleichzeitig immobil und mobil, wie in einigen Ligeti- oder Scelsi-Werken. Dagegen enthalten die Hommagen der Band an Varèse und Feldman Momente des Ausbruchs und wilder Improvisation. Diese von Aquaserge geschriebenen Kompositionen, werden mit raren Stücken von Edgard Varèse, eines davon auf Basis eines Gedichts von Verlaine. sowie von Morton Feldman mit einem Rilke-Text komplettiert, und zeigen das Gespür der Band für Melodien.

Das Album wird im Rahmen der „Made To Measure“-Reihe von Crammed Discs veröffentlicht, die im Jahr 2021 mit diesem Album wie auch mit einem neuen Album von Nova Materia reaktiviert wird.

Die Stücke:

„Un grand sommeil noir“ (1906): ist die wahrscheinlich älteste Komposition von Edgard Varèse. Er schrieb sie mit Anfang Zwanzig zu einem Gedicht von Paul Verlaine. Das Stück zeigt eine von Debussy, Ravel und Satie beeinflusste tonale, postromantische, und damit wenig bekannte Seite seines Werks.

„1768° (À Edgar Varèse)”: Eine Hommage an das melodische Genie des großen französischen Komponisten, an seine geradezu besessenen Melodielinien, die sich oft mit beständig wechselnder Palette um enge Intervalle (kleine Sekunden) drehen. Dazu kommen einige Aquaserge-typische Elemente wie wilde Rhythmen und plötzliche Wechsel.

„Hommage à Giacinto Scelsi”: Scelsi war fasziniert vom dreidimensionalen Aspekt des Klangs, der für ihn „sphärisch“ ist. Aquaserge will in dieser Meditation über den puren Klang diesem Stadium nahekommen. Das Stück wird mit graphischer Notation aufgeführt und folgt Scelsis Ideen über Klangfarben und Interferenzen („Beat“) zwischen sehr engen Frequenzen.

„Only” (1947): ist eine der ersten Kompositionen des 21-jährigen Morton Feldman und auf Basis eines Gedichts von Rilke. Es ist eines seiner raren Stücke für Stimme und wurde von Aquaserge in zwei unterschiedlichen Versionen für das Album eingespielt.

„Comme des carrés de Feldman”: Eine freudig-freie Noise-Improvisation, strukturiert durch graphische Notation, inspiriert von Morton Feldman, der diese schon früh in seinem Schaffen nutzte.

„Nuit Terrestre (À György Ligeti)”: Die Herausforderung des Stücks bestand darin, klanglich gesehen heterogene Instrumente auf eine Weise zu nutzen, dass sie wie ein einziges, großes Instrument, eine Orgel oder ein Chor klingen, indem die Musiker*innen unmerklich die Klänge miteinander verschmelzen. Dabei haben sie immer Ligetis Worte im Hinterkopf: „Auf der stillen Oberfläche eines Gewässers sehen wir die Reflektion eines Bildes, dann stören Wellen die Wasseroberfläche, das Bild verändert sich und verschwindet. Sehr langsam beruhigt sich die Wasseroberfläche von alleine und ein neues, unterschiedliches Bild kommt zum Vorschein.“

„Nuit Altérée (À György Ligeti)”: Die Band sagt über das Stück, es sei ein „vertikaler Ansatz in unserer Ligeti-Hommage. Als ob man die Wasseroberfläche durchschneidet oder ein Standbild davon anfertigt und die Ergebnisse daraus offenlegt.“

Die resolut polymorphe Musik der französischen Band speist sich aus so unterschiedlichen Quellen wie Pop, Free Jazz, Psych, Noise, experimentellem Rock der 1960er und 1970er Jahre, italienischer und französischer Filmmusik und mehr. Aus diesen Zutaten kreiert Aquaserge einen eigenen, cinematographischen Sound, der sich auch innerhalb einzelner Stücke ständig verändert.

Text: Crammed

jazz-fun.de meint:
Äußerst interessante Musik, deren Ursprünge überall zu finden sind, nur nicht im Jazz. Wer nach solchen Verbindungen sucht, sollte nicht zu diesem Album greifen. Doch für alle, die auf der Suche nach neuen, faszinierenden und ungewöhnlichen musikalischen Herausforderungen sind, werden dieses Album und diese Band sicherlich sehr interessant finden.

  1. Un Grand Sommeil Noir
  2. 1768°C (A Edgard Varèse)
  3. Hommage A Giacinto Scelsi
  4. Only (Version 1)
  5. Commes Des Carrés De Feldman
  6. Only (Version 2)
  7. Nuit Terrestre (A György Ligeti)
  8. Nuit Altérée (A György Ligeti)

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