Arne Jansen, Anders Jormin, Uwe Steinmetz - The Pilgrimage

Arne Jansen, Anders Jormin, Uwe Steinmetz - The Pilgrimage - Albumcover
Arne Jansen, Anders Jormin, Uwe Steinmetz - The Pilgrimage

Arne Jansen, Anders Jormin, Uwe Steinmetz
The Pilgrimage

Erscheinungstermin: 15.11.2024
Label: Traumton Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Das Zusammentreffen dieser drei großen Instrumentalisten muss zu etwas Außergewöhnlichem geführt haben. Und in der Tat hört man vom ersten Ton an, dass wir es mit wunderbarer Musik zu tun haben - originell, durchdacht, ausgereift. Jedes Stück hat ein klares Konzept, und die Künstler verwenden sorgfältig ausgewählte Mittel der Improvisation und des Klangs. Arne Jansen, Anders Jormin und Uwe Steinmetz haben viel zu sagen, nicht nur einzeln, sondern vor allem als Kollektiv, in dem jeder bewusst zu diesem musikalischen Organismus beiträgt. (Jacek Brun, 01.01.2025)

Besetzung

Arne Jansen - guitar
Uwe Steinmetz - saxophone
Anders Jormin - doublebass

Über das Album "The Pilgrimage" von Arne Jansen, Anders Jormin und Uwe Steinmetz

Man muss es als glückliche Fügung des Himmels bezeichnen, dass sich diese drei Musiker zusammengefunden haben: Am Kontrabass der Schwede Anders Jormin, einer der wichtigsten Tieftöner der europäischen Jazzszene mit acht Alben als Bandleader bei ECM und einer prall gefüllten künstlerischen Vita mit Tourneen und Aufnahmen an der Seite von Legenden wie Elvin Jones, John Taylor, Albert Mangelsdorff, Joe Henderson, Lee Konitz oder Kenny Wheeler. An der Gitarre Arne Jansen, der zweifache ECHO Jazz-Preisträger aus Berlin, der mit dem senegalesischen Orchestra Baobab, David Helbock, Sebastian Studnitzky oder Jazzanova spielte und dessen Duo-Aufnahme mit Nils Wülker kürzlich auf Platz 15 der deutschen Pop-Charts landete. Am Saxophon der ebenfalls in Berlin lebende Uwe Steinmetz, der sich neben seiner Zusammenarbeit mit u.a. Joe Maneri oder Tord Gustavsen auch als Komponist für die NDR Bigband oder das Fitzwilliam String Quartet einen Namen gemacht hat.

Zum ersten Mal trat das deutsch-schwedische Trio 2016 im Rahmen eines nordischen Kirchenmusikfestivals im Dom zu Göteborg auf. Sofort war klar, dass zwischen den drei Musikern eine besondere Verbindung besteht. Eine in dieser Form nicht oft zu erlebende Harmonie, die auch die gemeinsame Tournee des Trios im Herbst 2022 prägte - und ganz besonders das Abschlusskonzert in der Waldkirche Timmendorfer Strand am 22. Oktober.

Nicht umsonst trägt das aus dem Live-Mitschnitt entstandene Album nun den Titel „The Pilgrimage“. Zum einen, weil es mit „La Peregrinacion“ beginnt, einem Pilgerlied des Argentiniers und „Misa Criolla“-Komponisten Ariel Ramirez. Zum anderen, weil Jansen, Jormin und Steinmetz in ihren Stücken zwischen Jazz, Klassik, nordischer und außereuropäischer Folklore den Ursprüngen eines universellen menschlichen Phänomens nachspüren. „Pilgerreisen sind Bestandteil aller großen Religionen der Welt“, sagt Bassist Jormin. „Ich denke, als Musiker ist es dein Ziel, mit diesem tieferen Sinn in Kontakt zu treten. Im besten Fall ist man ein Gefäß dafür, ein Resonanzkörper, der mit dem Publikum und den anderen Musikern schwingt“, ergänzt Gitarrist Jansen.

Dass es dem Trio auf „The Pilgrimage“ so gut gelingt, das Innere der Zuhörerinnen und Zuhörer zum Klingen zu bringen, liegt auch an der besonderen Natur der gespielten Kompositionen. Hinter jedem Stück verbirgt sich eine ganz persönliche Geschichte, die die Weltoffenheit der drei Musiker widerspiegelt. Dies gilt insbesondere für den Berliner Saxophonisten Steinmetz, auf dessen Initiative sich das Trio 2016 formierte. Steinmetz ist ein unermüdlicher Wanderer auf der Suche nach den Verbindungslinien zwischen sakraler Musik und Jazz, seine Studien haben ihn fast um die ganze Welt geführt. Von ihm stammen unter anderem das auf einem Morgen-Raga basierende „The Promise“, das unter dem Eindruck eines Indien-Aufenthaltes entstand, und das ostinat tanzende „New Flower“. Letzteres schrieb Steinmetz, als er 2008 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterrichtete und den Optimismus eines Landes einfangen wollte, das bald in Bürgerkriegswirren versinken sollte. „Dieses Stück erinnert mich daran, wie wichtig es ist, den Augenblick zu feiern“, erklärt der Komponist, der bei der Live-Aufführung des Stücks besonders intensive Linien auf seinem Sopran bläst.

Die Wurzeln von Jansens „He Who Counts the Stars“ liegen wiederum in Usbekistan. Inspiriert wurde die ätherisch schwebende Klangerzählung von dem im 15. Jahrhundert erbauten Observatorium Ulug Beg, das der Berliner Gitarrist während einer Konzertreise in Samarkand besuchte. Zugleich stand der Este Arvo Pärt Pate, dessen musikalische Auseinandersetzung mit der Liturgie das Spiel des Trios färbt wie ein Frühlingssonnenstrahl, der durch ein buntes Kirchenfenster fällt. Auch dem soulig-gospeligen „Deep Wood“ liegt eine besondere Geschichte zugrunde: der unverhoffte Besuch der Wallfahrtskirche Madonna d’Ongero in den Wäldern über Lugano, die den Hermann-Hesse-Fan Jansen als einer der Schauplätze von „Klingsors letztem Sommer“ tief berührt hat.

Die Stücke, die der Mann am Bass zum Repertoire des Trios beisteuerte, zeugen von den immensen Erfahrungen, die Anders Jormin in seiner 50-jährigen Karriere an der Seite von Künstlern wie Don Cherry, Bobo Stenson oder Charles Lloyd sammeln konnte. Das nordkoreanische Volkslied „Red Flower“ lernte Jormin auf einer Konzertreise nach Pjöngjang kennen, als es ihm eine schüchterne Museumswärterin vorsang. „Ich versuche, es auf dem Bass nachzusingen“, beschreibt Jormin bescheiden seine Interpretation des Liedes auf „The Pilgrimage“, die - wie der gesamte Auftritt - von seiner phänomenalen Klanggestaltung auf dem Bass geprägt ist. Auch mit Krzysztof Komedas „Sleep Safe And Warm“ verbindet Jormin prägende Erinnerungen. Er habe die Ballade regelmäßig mit dem Trompeter Tomasz Stanko gespielt, erzählt der Schwede. Bei Konzerten in der polnischen Heimat des viel zu früh verstorbenen Komeda habe das Stück wahre Gefühlsexplosionen beim Publikum ausgelöst.

„Ich würde sagen, dass ich mich in meinem künstlerischen Leben immer nach einer Musik gesehnt habe, die spirituell ist. Ich möchte meine Arbeit dem Geist, der Wärme und der Menschlichkeit widmen“, sagt Jormin. Besser kann man das Credo dieses außergewöhnlichen Trios nicht zusammenfassen.

Text: Traumton Records

Titelliste

  1. La Peregrinacion
  2. He Who Counts The Stars
  3. The Promise
  4. Procession
  5. Deep Wood
  6. The Red Flower
  7. New Flower
  8. March
  9. Sleep Safe And Warm
  10. Peace Of The Earth

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