Aron & The Jeri Jeri Band - Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home)

Aron & The Jeri Jeri Band - Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home)
Aron & The Jeri Jeri Band - Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home)

Aron & The Jeri Jeri Band
Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home)

Erscheinungstermin: 12.01.2024
Label: Urban Trout Records, 2023

Aron & The Jeri Jeri Band - Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home) - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Ein ungewöhnliches, überraschendes Album. Es ist eine der Veröffentlichungen, die keine Langeweile aufkommen lassen. Diese starke und originelle Musik wird jeden zufriedenstellen, der auf der Suche nach frischen und modernen musikalischen Ideen ist.

Mbalax, Afrobeat, Afrofunk, Elektronik und Jazz in einem so modernen wie zeitlosen Gewand findet man auf Aron & The Jeri Jeri Bands am 12.01.2024 erscheinenden Debütalbum Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home). Es ist das gemeinsame Projekt von Pianist, Komponist und Produzent Aron Ottignon und dem Griot, Sabarvirtuosen und Gründer der Jeri Jeri Band, Bakane Seck.

Aron Ottignon ist in Neuseeland geboren und lebt in Berlin. Inspiriert von legendären Jazzpianisten schreibt er instrumentale Musik, die Jazz, Pop, globale sowie elektronische Einflüsse miteinander verbindet und dabei bewusst jegliche kommerzielle Logik missachtet. Er hat Jazzalben bei Blue Note veröffentlicht, als Komponist mit Stromae an dessen Charthit „Papaoutai” gearbeitet, ist mit Woodkid durch die Welt getourt, hat mit Urban Trout ein eigenes Label gegründet und mit vielen Musiker*innen wie Electric Wire Hustle, Louane, Broken Back, Empire Of the Sun und Myele Manzanza gemeinsame Projekte verfolgt.

Der in Dakar lebende Griot Bakane Seck machte wahrscheinlich schon im Mutterleib Musik. Er ist als Sabar-Virtuose mit den Ikonen der afrikanischen Musik von Youssou N’Dour bis Baaba Maal durch die ganze Welt getourt und hat mit ihnen und ihren unzähligen Projekten Platten eingespielt. Er ist Gründer und Frontmann der Jeri Jeri Band aus Dakar.

Das Projekt Aron & The Jeri Jeri Band reicht bis ins Jahr 2018 zurück. Bakane besuchte Aron damals in seinem Berliner Studio und spielte ihm Sabar-Percussion-Arrangements aus der uralten Wolof-Tradition vor. Die Rhythmen gruben sich tief in Arons Ohr und er arbeitete weiter an ihnen, als Bakane schon längst zurück in den Senegal gereist war. Ein paar Monate später fand sich Aron in einem Flugzeug Richtung Dakar wieder, wo Baaba Maal eine Strophe für das Stück „Teddoungal“ einsingen sollte.

Nach dieser ersten Session in Dakar ist das Album Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home) in Ottignons Berliner Studio entstanden. Im Frühjahr 2020, kurz bevor Flugreisen pandemiebedingt ausgesetzt wurden, trafen die beiden dort erneut aufeinander. Bakane, wie auch andere in Deutschland gestrandete senegalesische Musiker*innen, benötigten Hilfe und Aron kümmerte sich um sie so gut es nur ging. Ihre Freundschaft wurde in dieser Zeit der täglichen Proben immer enger und das Projekt nahm Form an. Arons Studio wurde so etwas wie ein Treffpunkt für die senegalesische Diaspora (und seine Tee- und Zuckerkosten verdreifachten sich in kürzester Zeit).

Neben Bakane, Aron und der Jeri Jeri Band sind auf dem Album Gastmusiker*innen wie Baaba Maal, die Mbalax-Stars Ale Mboup, Pape Diouf & Didy Diop sowie die jungen Talente Aka Boy, Aicha und Toufa Mbaye zu hören. Produziert wurde es von Aron Ottignon, gemischt und gemastert haben es die bekannten Toningenieure Clinton McCreery und Toni Economides im Londoner Bambu Music Studio.

Das Titelstück entstand im Sommer 2020 in Berlin und dreht sich um die Sehnsucht nach der Heimat während des Lockdowns. Der von Pape Diouf gesungene Refrain „I Want To Go Home“ steht dabei nicht nur für Bakane Secks damalige Situation, sondern für die gesamte senegalesische Diaspora und darüber hinaus, wie Aron ausführt: „This music came out of a time when we were all stranded, isolated, on uncertain ground in an unfamiliar place, unable to be with our families. For Bakane, and for me, these have been the longest times spent away from our families. The song also speaks to the broader experience of journeying to seek opportunity; for many Senegalese who come to Europe believing that the journey will open doors for them, the opposite turns out to be true. The education they’ve received in their home villages doesn’t serve them in a Western environment. The literacy requirements and stacks of unintelligible paperwork they discover when they come abroad alienates them, and in some cases leaves them no option but to hustle on the street, and results in their being unable to raise the ressources to find their way home.“

Im nächsten Song „Sunugal“, eine Zusammenarbeit von Aron Ottignon, Bakane Seck und Samuel Dubois, bilden die perkussiven Beats und E-Drums den perfekten Rahmen für Alle Mboups Vocals. Der Text ist ein Gebet zu einem Marabout, einem der religiösen Anführer im Senegal, und preist die Schönheiten des Landes, die Resilienz der Menschen und die verbindende Kraft der Musik in schwierigen Zeiten.

„Mama Djuma“ ist Bakanes Mutter Djuma und ihrer gleichnamigen Enkelin gewidmet, aber auch eine Hommage an alle Mütter und Töchter dieser Welt und ihre ganz besondere Beziehung zueinander. Die junge gambische Sängerin Toufa Mbaye steht mit ihrer kraftvollen und emotionalen Stimme im Zentrum des Songs. Im nächsten Stück „Teddoungal“ wiederum erklingt Baaba Maals unverkennbare Stimme. Es handelt von einem Gefühl der Dankbarkeit für das Leben an sich und beruht auf einer Originalkomposition von Maal, die von der Jeri Jeri Band arrangiert und für die vorliegende Version von Ottignon mit einem subtileren Arrangement versehen wurde. Ottignon ist seit langer Zeit von Maal beeinflusst. Als Teenager in Neuseeland besuchte er ein Konzert von ihm in seiner Heimatstadt Auckland und die aktuelle Zusammenarbeit in geographisch gesehen ganz anderen Gefilden komplettiert laut Ottignon seine musikalische(n) Reise(n).

„Galdorée“ wurde von Ottignon und der Jeri Jeri Band gemeinsam geschrieben und beginnt mit den Klängen der Sabar. Ursprünglich sollte der Gesangspart des Stücks von Thione Seck übernommen werden, der aber leider 2021 während der Vorbereitungen verstarb. Aka Boy übernahm und singt mit großer Kraft und Emotionalität über die Bedeutung des Meeres und seiner Strände in der islamischen Kultur des Senegal. Der zum Tanzen einladende Track erinnert an die Rhythmen des Meeres, dem Ort, so der Glaube der Menschen, an den es die Verstorbenen zieht.

Der Griot Sidy Diop übernahm die Vocals bei „Maam Baay“, dessen Dub-Reggae-Sound um einen traditionellen, den Griot-Marabout anpreisenden Text gebaut ist. Nur einige wenige energiegeladene und improvisierte Takes waren für die Aufnahme nötig. Das nächste Stück entstand nach einer langen Reise in die Stadt Kaolack, wo Bakanes Familie lebt. Steel Drums und Aufnahmegeräte lagen im Kofferraum, und als man endlich angekommen war, wurden sie aufgebaut und eine spontane Jam Session folgte, bei der Bakanes Verwandtschaft, von seiner Mutter bis zu ihrer Enkelin, teilnahm.

In „Bongo Boys“ treffen elektronische Sounds, Jazzklavier und spannende Arrangements auf die Bongo, das traditionelle senegalesische Instrument. Das darauffolgende rasant-dynamische „Jeri Jeri“ wurde von Bakane Seck komponiert und von Ottignon mit einer neuen Synth-Ästhetik arrangiert. Die Stimme der Griot-Sängerin Aicha fügt dem auf traditionellen Rhythmen basierenden Stück einen frischen Ansatz hinzu. Eine Mischung aus Jazz- und Funkeinflüssen und westafrikanischen Melodien und Rhythmen bietet Ottignons Song „The Return Of The Golden Egg“, über dem Toufa Mbayes soulige Stimme schwebt.

Im letzten Stück geht Aron Ottignon zu seinen Wurzeln zurück. „Strange People“ stammt von seinem ersten Album als Bandleader, Aronas, Culture Tunnels. Die neue, von Aicha eindrucksvoll vorgetragene Version über die menschliche Vielfalt wurde am Ufer des Flusses Saloum im Freien mit Steel Drums und Percussion aufgenommen.

Eine Single und eine EP sind mittlerweile erschienen. Hier der Bandcamp-Link zur EP „Teddoungal“ mit Remixen von Ibaaku, Coco Em und Jose Marquez:

„Through this music”, so Ottignon, „I hope to promote a better understanding of Senegalese culture and the important role that music plays as a bridge between different cultures and traditions. It’s important to recognize that what is considered ‚normal’ in one culture is not necessarily better or worse than what is considered normal in another. Education and understanding are key to appreciating and celebrating our differences. We are all unique, and this music serves as a vessel to promote acceptance and celebration of our differences.”

Text: Urban Trout Records

  1. Dama Bëgga Ñibi (I Want To Go Home)
  2. Sunugal
  3. Mama Djuma
  4. Teddoungal
  5. Ngaldoore
  6. Maam Baye
  7. Kaolack
  8. Bongo Boys
  9. Jeri Jeri
  10. The Return Of The Golden Egg
  11. Strange People

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