Ben Barritt - Reunion

Ben Barritt - Reunion - Album cover
Ben Barritt - Reunion

Ben Barritt
Reunion

Erscheinungstermin: 17.10.2025
Label: Musszo Records, 2025

Ben Barritt - Reunion - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Ben Barritt überrascht mit einem beeindruckenden klanglichen Reichtum. Für Reunion hat er ein großes Ensemble aus hervorragenden Musiker:innen um sich versammelt – und gemeinsam schaffen sie eine Musik voller Energie, Farbe und Leichtigkeit. Jede Sekunde klingt durchdacht und zugleich spontan, durchzogen von jener unbeschwerten Freude, die Barritts Stil so unverwechselbar macht.

Zwischen groovigen Rhythmen, souligen Songs und sanft fließenden Balladen entfaltet sich ein Sound, der Jazz, Pop, Soul und R’n’B spielerisch verbindet. Es ist Musik, die bewegt – körperlich wie emotional. Barritt überzeugt nicht nur mit seinem warmen, charakteristischen Gesang, sondern auch mit feinen, geschmackvollen Gitarreneinwürfen. Seine Bandkolleg:innen bekommen reichlich Raum für eigene solistische Akzente, was das Album zusätzlich belebt.

Reunion ist ein Werk, das Grenzen zwischen Genres überwindet, ohne seine klare Linie zu verlieren. Für Jazz Puristen vielleicht zu offen, für alle anderen aber ein wahres Fest aus Groove, Spielfreude und musikalischer Kommunikation.

(Jacek Brun, 31.10.2025)

Besetzung

Ben Barritt - Singing, songwriting and guitar
Hannes Huefken - Bass, backing vocals, production

Jessie Walters - backing vocals on 1
Leona Berlin - guest vocals on 6
Mishka Adams & Beto Calletti - guest vocals on 7

Philip Sindy - trumpet & flugelhorn
Lars Zander - tenor saxophone
Shih-Che Lee - trombone on 08
Ben Abarbanel-Wolff - tenor saxophone on 10

Atar Shafighian - Rhodes and Wurlitzer piano on 1,3,6,7,8
Friedrich Paravacini - synth solo on 2
Matti Klein - piano solo on 3
Victoria Priester - Wurlitzer piano on 4

Aine Fujioka - drums on 1,2,5,6,7; backing vocals on 9
Immo Hofmann - drums on 3
Robin Gehlhar - drums on 4
Magro - drums on 08
Micha Dau - drums on 10

Reunion – Wo Soul, Jazz und Pop sich umarmen

Als Ben Barritt im Frühjahr 2019 sein bislang letztes Album Everybody’s Welcome veröffentlichte, sah die Welt noch anders aus. Damals lebte der Sänger, Songschreiber und Musiker erst seit wenigen Jahren in Berlin, war aber bereits gut in die Szene der Hauptstadt eingebunden. Zuvor hatte der 1984 in London geborene Barritt in seiner alten Heimat mit Persönlichkeiten wie Bobby McFerrin und Kenny Wheeler zusammengearbeitet, in der ehrwürdigen Royal Albert Hall auf der Bühne gestanden und Tourneen durch Europa und Asien unternommen.

Nach seinem Umzug in die deutsche Hauptstadt erhielt er auch hierzulande gute Resonanz. „Barritt gehört spätestens mit dem vorliegenden Album zu den Stars einer vergessen geglaubten Kunst: spielerisch überragend, schreiberisch tiefgehend und stilistisch schrankenlos wie Sting auf seinen allerbesten Soloalben“, schrieb Musikreviews.de. Die FAZ war von einem Auftritt in Frankfurt angetan und lobte „das eigenständige Profil“ des Briten aus Berlin: „Barritts Gespür für Nuancen zeigt sich in seinen cleveren Gitarrenpickings, einigen von Funk- oder Bluesrock angehauchten Riffs und geschmackvollen Soli. […] Stilistisch zweifellos dem Pop zuzurechnen, fällt Barritts Musik trotzdem aus manchen gängigen Rahmen.“

Mit seinem neuen Werk Reunion knüpft Ben Barritt in manchen Aspekten an den Vorgänger an und geht doch teils neue Wege. Bereits 2019 gehörte Hannes Hüfken zum Kern der Band. Inzwischen ist die Zusammenarbeit mit dem Bassisten, der unter anderem mit Ed Motta, Dave Stewart und Katharina Franck gespielt hat, eine gleichberechtigte Partnerschaft. Gemeinsam haben sie eine charakteristische Klangästhetik für Barritts Songs entwickelt, mit dem Ziel, „ein wenig schneller und bunter zu werden“.

Eingängige Melodien und extrem coole Grooves dienen als prägnante Ankerpunkte und sind in facettenreiche Arrangements mit feinen Details eingebettet. Dazu gehören jazzige Bläser, variable Rhodes-/Wurlitzer-/Synthesizer-Einsätze und die klugen E-Gitarreneinwürfe von Barritt. Seine interessanten Harmonien und sein warm timbrierter Gesang wecken bisweilen Erinnerungen an die genialischen Steely Dan. Hier und da entdeckt man elegant verarbeitete Inspirationen aus den 70ern, ironische Referenzen an den Yacht-Rock und Parallelen zu aktuellen Bands wie Young Gun Silver Fox. Aus weiter Ferne grüßt gelegentlich die Synthesizer-Stilistik von Jazzrock-Ikonen wie Herbie Hancock und Joe Zawinul/Weather Report. All diese Einflüsse ergeben eine Art „Fusion-Musik mit mehr Songs und weniger Soli“, wie Hannes Hüfken augenzwinkernd zusammenfasst.

Der lange zeitliche Abstand zu Everybody’s Welcome entstand durch äußere und private Umstände. „Angefangen haben wir schon im Oktober 2021, zunächst ging es auch recht zügig voran“, erinnert sich Hüfken. Dann kam Barritts Tochter zur Welt und unterbrach die Arbeit am Album, gefolgt von Auftritten als Sidemen von Künstler:innen wie Alin Coen und den Hamburger Silverspoons. „Die Produktion ging jetzt zwar langsamer vonstatten, dadurch sind Arrangements und Produktion aber auch über Jahre gereift. Da wir immer wieder über Nuancen nachgedacht und Dinge ergänzt haben, sind wir nun extrem zufrieden mit dem Ergebnis“, sagen beide Musiker. Barritt ergänzt: „Es war uns wichtig, unsere Kreativität zu 100 % in den eigenen Händen zu behalten, auch wenn es dadurch etwas länger gedauert hat.“

Hüfken und Barritt haben große Teile der Musik zu Hause kreiert, etwa Synthesizer programmiert und selbst eingespielte Keyboard-Passagen zu Samples verarbeitet. Die zusätzlichen Aufnahmen im Berliner Basement Studio wurden über einen längeren Zeitraum verteilt, um den Stand der Dinge wiederholt reflektieren zu können. Zu den Gästen gehören verschiedene Schlagzeuger und Vokalist:innen (z. B. Leona Berlin in „Use Your Powers …”), Saxofonist:innen, Trompeter:innen/Flügelhornist:innen sowie Posaunist:innen und mehrere Keyboarder:innen. Unter ihnen ist Matti Klein, dessen jazzinspirierte Klavier-Einsätze den Song „Just“ maßgeblich prägen. Am sparsamsten arrangiert ist „Trust People“ (mit mehr BPM und rockigen Gitarrenriffs), das als letztes Stück kurz vor Ende der Produktion fertiggestellt wurde.

„It’s the poppiest album I’ve ever recorded“, sagt Ben Barritt. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen. „Mein eigentliches Ziel ist einfach: Ich möchte die Leute zum Lächeln, zum Singen und zum Wippen mit den Füßen bringen. Und ich glaube nicht, dass man dafür Kompromisse bei den Texten, der Harmonie oder dem Rhythmus eingehen muss. Es ist wirklich wichtig, sein Publikum nicht zu unterschätzen – wenn man dessen Fähigkeit respektiert, etwas Herausforderndes zu hören, lädt man es ein, sich auf eine musikalische Reise einzulassen.“

Passend zur Musik verfasst Barritt stets klangvolle, rhythmisch ausgefeilte und oft mehrdeutige Poesie. Fast alle Texte beschäftigen sich mit Realitäten und konfrontieren mit globalen Problemen, wobei die entsprechenden Aussagen häufig absichtsvoll versteckt sind. „Viele der Songs, die auf den ersten Blick romantisch wirken, sind im Subtext gesellschaftspolitisch. Ich wollte meine Gefühle über die Welt durch eine eskapistische Linse betrachten und ausdrücken. Einige meiner Bilder grenzen an Science-Fiction. So beziehen sich beispielsweise mehrere Songs direkt auf Superhelden-Topoi. Einige andere spielen auf dystopische oder apokalyptische Szenarien an. So missbraucht einer der ‚Superhelden‘ seine Freiheit, um zu schikanieren und zu verschleiern. Oder Faschisten geben sich als Libertäre aus.“ Mit seinem Faible für Sci-Fi erklärt Barritt auch, warum er sich so sehr zu den Synthesizer-Texturen der 70er- und 80er-Jahre hingezogen fühlt. „Ich erinnere mich immer an den Soundtrack von Blade Runner, eine Art Zukunfts-Jazz, der gleichzeitig beängstigend und beruhigend sein kann.“

Ein weiteres Thema ist die Suche nach „einer Art atheistischer Spiritualität“: die Hingabe an die Musik als verbindendes Medium und Barritts tiefer Glaube an die Fähigkeit der Menschen, ihre Differenzen zu überwinden und einander zu verzeihen. „Wir sehnen uns danach, den Leuten um uns herum zu vertrauen, selbst wenn wir uns fragen, ob dieses Schiff nicht schon abgefahren ist“, stellt Barritt fest. „Dieser Optimismus treibt die politische Seite des Albums an und gleicht einige ‚präapokalyptische‘ Vorahnungen aus.“ Letztlich sei das verbindende Thema seiner Songs „Come together again“. Aus dieser Haltung leitet sich auch der Albumtitel Reunion ab.

Ben Barritt kam 2010 als Musiker in der Band von Jim Kroft erstmals nach Berlin. 2013 verlegte er seinen Hauptwohnsitz hierher. London sei zu sehr vom Geld dominiert, fand Barritt damals. Das Leben als Künstler verlange dort zu viele Kompromisse, besonders wenn man als Session- und Studiomusiker arbeite. Berlin habe ihm ein Gefühl der Freiheit vermittelt, resümierte er 2019. Das liege sicher auch daran, dass Künstler in Deutschland sehr respektiert würden, selbst wenn sie sich kommerziell nicht auf höchstem Niveau bewegten.

Mit den zehn Songs ihres neuen Albums setzen Ben Barritt und sein kongenialer musikalischer Partner Hannes Hüfken ein markantes Zeichen in der internationalen Musiklandschaft. „Die Platte wird immer schwer einzuordnen sein, weil sie zu sehr Jazz ist, um Pop zu sein, und zu sehr Pop, um Jazz zu sein”, sinniert der profilierte Songschreiber. „Trotzdem: Das ist die Art von Musik, die ich schon immer machen wollte.“ Aus einer solchen Souveränität resultiert große Überzeugungskraft.

Text: Musszo Records

Titelliste

  1. Some Time
  2. Prayer
  3. Just
  4. Trust People
  5. Making It Easy
  6. Use Your Powers For Evil
  7. Don't Worry
  8. The Real Thing
  9. Counting Every Minute
  10. Still Got A Lot To Learn

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 8.