Ben Zahler’s Songgoing - Quietly Cold

Ben Zahler’s Songgoing - Quietly Cold

Ben Zahler’s Songgoing
Quietly Cold

Erscheinungstermin: 02.11.2018
Label: TCB The Montreux Jazz Label, 2018

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Ben Zahler - flute
Marco Nenniger - bass
Thomas Baumgartner - piano
Isabelle Ritter - vocals

Quietly cold – der Titel könnte leicht irreführen, so ruhig und vor allem so kalt wie er suggerieren mag, ist die Musik dieses Albums nicht: Starke, nach heutigem Sprachgebrauch vielleicht eher coole, überzeugende Songs, eine mädchenhaft-frische, unschuldig klingende Stimme, die prägnante Flöte des Bandleaders und ein überzeugend swingender Groove – das sind die herausragenden Ingredienzen des durchaus bewegenden, schlagzeuglosen Quartetts Songgoing.

Für die ideale Soundbasis, über der Stimme und Flöte ihre souveränen Melodielinien ziehen, sorgt das eingespielte Rhythmusgespann Thomas Baumgartner und Marco Nenniger. Ob der Pianist mit seinen Harmonien die Grundfarbe legt oder solistische Akzente setzt, ob der Bassist auf Scott-LaFaro-Art in einer Gegenmelodie swingt und groovt oder eine Ballade erdet, dieses Duo scheint wie Pech und Schwefel miteinander verbunden. Beide, Baumgartner wie Nenniger, haben nicht nur in Jazz-Projekten gearbeitet und Erfahrungen gesammelt. Und beide treten hier ebenso gekonnt in Dialoge mit Stimme und Flöte wie sie sich zurückzunehmen oder auch mal zu schweigen und den andern Raum zu geben vermögen.

Isabelle Ritter verkörpert so ziemlich das Gegenteil der Jazzsängerin früherer Zeiten, deren Stimme von rauchgeschwängerten Lokalen, harten Drinks, eigenen Rauchgewohnheiten und dem Nachtleben rau und tief geworden war. "Elisa Day", wie eines ihrer eigenen Projekte heißt, klingt, wiewohl mit Jazzdiplom ausgezeichnet und variationsfähig, durchwegs hell und keck und kindlich unbekümmert. Dies hindert sie jedoch keineswegs, in allen Songs glaubwürdig und echt zu wirken, selbst im Piece mit einem Gedicht von James Joyce aus "Chamber Music", das eine Stimmung kreiert, als wäre es in Moll gehalten. Und ganz besonders exzellent passt diese Stimme, wo die Texte einen eigenwilligen Witz verraten.

Der mittlerweile 39-jährige Bandleader studierte einst in Bern bei Andy Scherrer Saxophon, das er heute auch selbst unterrichtet. Wie Günther Wehinger, sein Berner Flötendozent, gehört Ben Zahler trotzdem zu den spärlichen Musikern unserer Tage, die die Querflöte als Haupt- und nicht bloss als Nebeninstrument spielen. Auch wenn er sich dabei vornehmlich an Eric Dolphy orientiert, verzichtet der Flautist, zumindest hier, auf Experimente und Überblastechniken. Er klingt denn auch eher etwas wie ein Herbert Jay Solomon alias Herbie Mann. Allerdings nicht wie derjenige, der mit seinen Platten regelmäßig in den Pop-Charts landete und sich mit seinem stromlinienförmigen, leicht tranigen, oft aber auch eher oberflächlichen Spiel Musik verschiedenster ethnischer Provenienzen einverleibte und die Flöte wie kaum einer popularisierte.

Gemeint ist jener humor- und gefühlvolle Herbie Mann, den seine hochkarätigen musikalischen Partner so sehr mochten: von Thommy Flanagan, Bill Evans, Herbie Hancock über João Gilberto, Antônio Carlos Jobim, Sonny Sharrock, Attila Zoller, Jim Pepper, Ron Carter bis zu Sarah Vaughan, Chet Baker oder Stéphane Grapelli. Zahlers Spiel ist frei von Schnörkeln, frei von jeglicher Schummelei, es ist dynamisch, sanft, ohne sich je verbiegen zu müssen, selbst in virtuosen Passagen glasklar, nachdrücklich, eindeutig und bestimmt. Und bei all ihrer Präsenz dominieren weder Flöte noch Stimme das Quartett. Mit Ausnahme von "Lullaby For the Wild" und "Andy's Food Corner" – beide Songs sind von Thomas Baumgartner – hat Ben Zahler alle Kompositionen des Albums geschrieben.

Es sind gut hörbare Stücke, alle jedoch mit Tiefgang und gleichzeitig einer tüchtigen Prise Humor, teils nachdenkliche, insgesamt wunderbar runde und absolut ehrliche, intelligente Songs mit herrlichen Dialogen und einem überzeugenden Interplay: Quietly cold – but always on the move.

Text: Steff Rohrbach

  1. Off the Hook
  2. Quietly Cold
  3. So Much Nonsense (and Furthermore)
  4. Lullaby for the Wild
  5. Dancing Elf
  6. I Like that Papermoon
  7. Long Deep Sleep Song
  8. Snow Dreaming
  9. Andy's Foodcorner
  10. Strange Enough
  11. More
  12. Falling Gloves Are Always Blue
  13. Monday Morning Move

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