Rezension des Jazz-Albums "Beyond" von Berthold Cvach & Max Brand Ensemble
Berthold Cvach & Max Brand Ensemble
Beyond
Erscheinungstermin: 28.11.2025
Label: Quinton Records, 2025
Beyond ist ein Album, das sich bewusst jeder klaren Zuordnung entzieht. Zeitgenössische Musik, klassische Elemente und Jazz werden hier in einem gemeinsamen Klangraum zusammengeführt, sorgfältig ausbalanciert und mit markanten, überraschenden Akzenten versehen. Das Ergebnis ist ein Werk, das weder in Schubladen passt noch mit etwas anderem wirklich vergleichbar wäre.
Deutlich spürbar sind die Bezüge zur musikalischen Tradition ebenso wie zur Neuen Musik, doch alles ist fest verankert in einem jazzigen Fundament: Offenheit, improvisatorische Freiheit und das selbstverständliche Zusammenspiel ungewöhnlicher Instrumentenkombinationen prägen den Charakter dieser Aufnahme. Hinzu kommt eine ausgeprägte melodische Handschrift, die sich ständig wandelt, neue Wege einschlägt und den Hörer immer wieder überrascht.
Beim Hören von Beyond entsteht der Eindruck, dass die kreativen Ideen niemals versiegen. Kaum glaubt man, einen musikalischen Gedanken erfasst zu haben, öffnet sich bereits der nächste Raum, eine neue Perspektive, ein anderer klanglicher Horizont. Genau diese permanente Bewegung macht den Reiz des Albums aus.
Beyond ist nicht nur ein spannender Beitrag zur aktuellen Musikszene, sondern vor allem ein Album voller intensiver Momente und musikalischer Entdeckungen. Eine Aufnahme, die inspiriert, fordert und lange nachklingt.
(Jacek Brun, 16.01.2026)
Besetzung
Kaoko Amano - vocals
Annegret Bauerle - flutes
Mirjam Schiestl - clarinets
Ulrike Greuter-Seibert - violin
Lena Fankhauser - viola
Arne Kircher - violoncello
Andrés Añazco - piano
Johannes (Joe) Weichinger - saxophone
Markus Dutka electric - bass
Timm Reinhardt - drum set, percussion
Berthold Cvach - keyboard
Richard Graf - Conductor & Artistic Director
Zwischen zeitgenössischer Musik, Jazz und freier Imagination
Der Zwist zwischen Ordnung und Unordnung ist vorprogrammiert, da sie Teil der Seele des Komponisten sind. Das Gegenteil von Ordnung ist zweifach: Einerseits gibt es ein aktives Chaos mit allen Beteiligten, andererseits einen Zerfall der Ordnung, der Strukturen, der Harmonien und des Zusammenhangs. Meist entsteht daraus jedoch etwas Neues. Es braucht nur die Geduld, darauf zu warten („Tempora”).
Erstmals sind hier neben den Instrumentalstücken auch Lieder zu hören: „Abend” mit Stimme und Flöte, „Du und ich” mit Stimme und Cello sowie „… bevor ich in die Nacht versinke” im Oktett. Die Texte stammen teilweise von Berthold Cvach und sollen die in der Musik zum Ausdruck kommende Verfasstheit des Komponisten verstärken.
Berthold Cvach erhielt bereits im Alter von fünfeinhalb Jahren Klavierunterricht und mit fünfzehn Jahren Unterricht an der Kirchenorgel. Als Erwachsener nahm er Klarinettenunterricht bei Teddy Ehrenreich, einem der ersten Bigband-Leader in Wien und außergewöhnlichen Jazzklarinettisten.
Er studierte Komposition, Arrangement und Musiktheorie bei Christian Mühlbacher. Bei Jaime Wolfson studierte er Komposition und Orchestrierung.
Das kompositorische Schaffen von Berthold Cvach reicht vom reinen Jazz bis zur zeitgenössischen Musik. Mehrere seiner zeitgenössischen Werke wurden vom Max Brand Ensemble uraufgeführt. Sein Klaviertrio „Da Drunt“ wurde mit dem Sonderpreis der Musikfabrik NÖ ausgezeichnet und wird im Jahr 2024 vom Klaviertrio Amnis uraufgeführt.
Das MAX BRAND Ensemble versteht sich als Impulsgeber für neue musikalische Formen der Gegenwart. Inspiriert von der visionären Haltung des österreichischen Komponisten Max Brand (1896–1980), der sich zeitlebens für die Erweiterung des musikalischen Ausdrucks durch neue Technologien eingesetzt hat, widmet sich das Ensemble der Schnittstelle von akustischer und elektronischer Musik sowie von improvisatorischen und kompositorischen Strategien. Musiker:innen und Komponist:innen unterschiedlicher Bereiche und Genres treten hier miteinander in Dialog und gestalten ein Spannungsfeld, in dem neue Klangräume entstehen.
Das Ensemble wurde im Jahr 2012 auf Initiative von Richard Graf gegründet und wird von der INÖK (Interessengemeinschaft Niederösterreichischer Komponist:innen) unter der inspirierenden Leitung von Friedrich Cerha unterstützt, der sich einst auch für die Aufführung von Werken Max Brands eingesetzt hat.
Damit knüpft das Ensemble bewusst an eine Tradition an, die gleichermaßen von künstlerischer Neugier wie von einem tiefen Bewusstsein für die Geschichte der österreichischen Avantgarde geprägt ist. Seit seiner Gründung hat es sich als „Laboratorium” für innovative Konzertformate etabliert, in dem Komposition, Improvisation und neue Technologien aufeinandertreffen. Der Anspruch ist klar: Musik soll als lebendige, aktuelle Kunst erfahrbar werden – nahbar, experimentell, offen.
Der Gitarrist, Komponist und Musikforscher Richard Graf leitet das Ensemble mit einer klaren künstlerischen Handschrift: Offenheit für interdisziplinäre Ansätze, präzises Handwerk und die Neugier, die Möglichkeiten von Musik stets neu auszuloten. Graf bewegt sich souverän zwischen den Welten von Jazz, zeitgenössischer Komposition und improvisierter Musik.
Titelliste
- Beyond Jazz
- Flötilie
- Abend
- Du und Ich
- ...bevor ich in die Nacht versinke
- Tempora
- Further Beyond
jazz-fun`s recap:
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