Bill Carrothers - Family Life

Bill Carrothers - Family Life

Bill Carrothers
Family Life

Erscheinungstermin: 20.04.2012
Label: Pirouet, 2012

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Bill Carrothers - piano

Nach der hochgelobten Veröffentlichung des Trio-Doppelalbums Bill Carrothers: "A Night at the Village Vanguard" von 2011 veröffentlicht Bill Carrothers jetzt sein erstes Soloalbum "Family Life" auf Pirouet - und damit sein insgesamt sechstes Pirouet-Album als Leader.

Versonnen und intim spricht er zu uns. Der Pianist Bill Carrothers beginnt diese neue CD mit wunderschönen, innigen Tönen - und das bleibt insgesamt fünfzehn Stücke lang so. Dies aber auf spannende, abwechslungsreiche Weise, mit Tönen, die eine geradezu private Zärtlichkeit ausstrahlen. Es ist Musik von außergewöhnlicher lyrischer Schönheit: ergreifende Klavierstücke, die wie klanggewordene Umarmungen anmuten. Fast ein bisschen wie eine Sammlung von Lieblingsmelodien, die zu einem besonderen Anlass versammelt wurden. Solo hat Carrothers die Stücke dieser CD eingespielt: als Statements von großer innerer Ruhe. Kein einziger Moment, in dem dieser sehr kompetente und von der Kritik vielgerühmte amerikanische Pianist sich dem virtuosen Triumphieren hingibt. Statt dessen: introvertierte Melodien und Stimmungen voller leiser Kraft. Und der Titel ist programmatisch: Family Life. Dahinter verbirgt sich - wie weiter unten ausgeführt wird - auch eine ganz konkrete Hommage.

Der 1964 in Minneapolis geborene Bill Carrothers ist bekannt als Pianist, bei dem alles ein bisschen anders ist. Er ist ein Musiker mit besonderem Witz und mit einer unalltäglichen musikalischen Aura. So kennt man ihn gerade aus seinen bisherigen Veröffentlichungen bei Pirouet, die allesamt ein begeistertes Medien-Echo fanden. Seine bisher letzte, die Live-Doppel-CD aus dem New Yorker Village Vanguard, erhielt unter anderem von Medien in den USA, der Schweiz und Deutschland stets entweder vier oder fünf der begehrten Bewertungs-Sterne. Die Zeitschrift "Stereoplay" bescheinigte Carrothers' Trio, dass es die Herausforderung einer CD-Aufnahme im legendären Village-Vanguard-Club mit "Bravour" bestanden habe. Ein Kritiker nannte Carrothers sogar "den Jazzpianisten der Stunde". Die Zeitschrift "Jazz Podium" befand: "Carrothers' Pianistik (.) fesselt von Beginn an". Seine früheren CDs bei Pirouet, Joy Spring, Home Row, Keep Your Sunny Side Up und I love Paris ordneten renommierte Kritiker unter äußerst hochstehenden Rubriken ein: "Ein schöpferischer Traum" seien sie, und sie gehörten "zum Erlesensten, was das Genre in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat" - das Genre Jazzklavier war hier gemeint.

Nun also Family Life. Wieder eine CD, hinter der eine überraschende Idee steckt. Und in der Carrothers sein ganzes schöpferisches Potenzial nutzt. Denn nur auf ganz hohem künstlerischen Niveau lässt sich ein Thema wie dieses so umsetzen, dass es nirgends zu privat wird. Mit Family Life meint Carrothers zunächst ganz konkret das Leben seiner eigenen Familie. In Mass City, auf der Halbinsel zwischen Lake Superior (dem "Oberen See") und dem Michigan-See, lebt Carrothers mit Frau, Kindern, Hund und Katze, genießt die Abgeschiedenheit und die starke Aura der Landschaft. Wie sehr er sich auch künstlerisch mit dem Wohnort und dem Familienleben identifiziert, kann man auf seiner Homepage - die einen stets mit der Information über die aktuelle Wetterlage von Mass City begrüßt - in vielen augenzwinkernden Details studieren. Dieses Familienleben hat die vorliegende CD inspiriert. Die Aufnahmen entstanden zur selben Zeit, in der Carrothers eine andere, rein private CD mit Klavier und Gesang für seine Frau zum zehnten Hochzeitstag einspielte.

Carrothers bezeichnet die Aufnahmen als eine "Serie von Porträts über unser Familienleben im ländlichen Michigan". Dazu führt er näher aus: "Wir leben in einer der am dünnsten besiedelten Gegenden der USA, wir haben viel Platz und Zeit, und in unserem Leben passiert noch Vieles von Hand. Wir heizen unser Haus und erhitzen unser Wasser mit Holz, wir bauen viel von dem, was wir essen, selbst an, erledigen auch Instandsetzungs-Arbeiten selbst." Trotz viel modernen Komforts führen er und seine Familie ein "modifiziertes Leben des 19. Jahrhunderts", sagt Carrothers. In der Musik dieser CD gehe es hauptsächlich um die Liebe, die er für seine Familie und das gemeinsame Leben empfinde, aber die Stücke handelten auch von den Gefühlen, die es mit sich bringt, Ehemann und Vater zu sein und Kinder in dieser "idyllischen, abgeschiedenen, großartigen und manchmal düsteren Landschaft aufzuziehen".

Allein schon an Carrothers' farbenreicher Wortwahl merkt man, wie sehr den Musiker dieser Alltag inspiriert. Und das Wunder seiner Stücke ist nun, dass sie weit über ein klanggewordenes privates Fotoalbum hinausgehen. Sie sind wie eine Reise tief ins Innere dieser von Carrothers beschriebenen Landschaft. Die Aura eines Gebiets mit einer überwältigenden Natur und einer Geschichte, die etwas Mystisch-Dunkles ausstrahlt: Das alles wird präsent in diesen Stücken. Und wie viele musikalische Reisen ist auch diese eine Reise in die Innenwelt des jeweiligen Hörers.

Wie auch immer das Familienleben der Hörer ist - hier können sie in ein Family Life eintauchen, das wie ein wunderschöner leiser Kinofilm in bezaubernde Momente entführt.
In Momente voller Witz und Hintersinn, in Momente voller Beschaulichkeit - und in Momente von so feinen Ausdrucksnuancen, dass jeder seine eigenen äußeren und inneren Landschaften darin spiegeln kann. Ein Kunstwerk - ganz und gar mit der Handschrift von Bill Carrothers.

  1. Our House
  2. Scarborough fair / Peg
  3. For better and for worse
  4. Bud and bunny
  5. Northern lights
  6. Snowbound
  7. On the sled
  8. Schizophrenic weather
  9. Forefathers
  10. Good dog
  11. A night out
  12. Harbor lights
  13. News from home
  14. Gitchee gumee
  15. When we're old

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