Brad Mehldau - Finding Gabriel

Brad Mehldau - Finding Gabriel

Brad Mehldau
Finding Gabriel

Erscheinungstermin: 17.05.2019
Label: Nonesuch Records, 2019

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"Finding Gabriel‘ entstand, nach genauem, mehrjährigem Lesen der Bibel“, erklärt Mehldau. "„Die prophetischen Schriften der Bücher Daniel und Hosea hallten neben der Weisheitsliteratur von Hiob und Ekklesiastes, sowie den frommen Zeilen der Psalmen besonders nach. Die Bibel las sich wie eine Schlussfolgerung und bisweilen wie die Anleitung zur Gegenwart: Ein langer Albtraum. Oder wie ein Wegweiser, der zur möglichen Gnosis führt – je nachdem, wie man sie liest. Der Erzengel Gabriel erschien David und sagte ihm: ‚Als du zu beten begannst, gab Gott mir eine Antwort für dich; denn er liebt dich. Ich bin hier, um sie dir mitzuteilen. Gib gut Acht auf das, was ich dir zu sagen habe, damit du die Vision verstehst!‘. Der Trick, so schien es, war Gabriels Worten trotz des lauten Aufruhrs zu lauschen. Eine Erklärung für das Chaos musste gefunden werden. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für junge Menschen, die noch keinen Bezug dazu haben, was richtig ist und was nicht. Vielleicht handelt es sich dabei sogar um die eigenen Kinder.

In dieser vollkommen auf den Kopf gestellten Sachlage ist der Prophet ein Narr: ‚Die Propheten sind Narren, und die Rottengeister sind wahnsinnig um deiner großen Missetat und um der großen feindseligen Abgötterei willen‘, sagt Hosea. Er meint, dass der Prophet tatsächlich die Wahrheit spricht, aber keiner glaubt ihm mehr – alles ist nur noch ‚Fake News‘, unabhängig davon, auf welcher Seite der Trennlinie man steht. Es gibt den Drang, sich allem zu entziehen und der Zerstreuung hinzugeben. Aber darin wird nur eine vorübergehende Zuflucht gefunden. Folglich führt man sich selbst noch einen Schritt tiefer ins Muster der Lüge. Irgendwann taucht man zum Luftholen auf – noch verwirrter und vielleicht sogar verzweifelter. Trotz aller so genannter Vernetzungsgrade scheinen wir doch weiter voneinander entfernt zu sein als je zuvor: untergetaucht im Tiefenwasser der glücklosen Einsamkeit. Wohin mit uns? Wie sollen wir, der Wahrheit zugewandt, das Chaos umdrehen? Frage mit Demut im Herzen, lausche konzentriert, dann werden die Antworten kommen.

Die Musik entsprang zunächst einem neuen Synthesizer, den ich entdeckte: dem Dave Smith/Tom Oberheim OB-6, der in etlichen der neuen Songs zu hören ist“, fährt Mehldau fort. „Ich baute viele der Stücke anfänglich mit Synths und Mark Guiliana am Schlagzeug auf. Dieser Prozess gestaltete sich ähnlich wie in der Entstehung unserer vorherigen Zusammenarbeit für das Album ‚Taming The Dragon‘. Danach fügte ich Sound-Schichten zu. Auch die menschliche Stimme wurde zu einem tragenden Element. Nicht mit gesungenen Texten, sondern als bloßes Ausdrucksmittel von Harmonien und Gefühlen. Ich arbeitete mit Sängern, die ich bewundere und mit denen ich mich in den letzten Jahren zunehmend verbunden fühlte: Becca Stevens, Kurt Elling, Gabriel Kahane. Außerdem sang ich auch selbst. Streicher und Bläser kamen dazu, die dem Projekt eine orchestrale Note verliehen, ausgestattet mit herausragenden Musikern: Trompeter Ambrose Akinmusire, Tenor-Saxofonist Joel Frahm und der Violinistin Sara Caswell.

Drei der neuen Stücke entstanden außerdem genau entgegengesetzt: ich spielte alles als Ein-Mann- Band ein, was eine neue Erfahrung für mich war. Sowohl die Kollaborationen wie auch die Solo- Ausflüge waren Lernerfahrungen voller Erkenntnisse. John David, der die Entstehung des Albums als Tontechniker begleitete und das Mixing übernahm, war ein wesentlicher Mitspieler von Anfang bis Ende in den Bunker Studios in Brooklyn. Er brachte sich kreativ in die Gestaltung der klanglichen Ausformungen des Albums ein und half dabei, die einzelnen Stücke miteinander zu verbinden."

Besetzung:

1. The Garden
Becca Stevens – voice
Gabriel Kahane – voice
Ambrose Akinmusire – trumpet, solo
Michael Thomas – flute, alto sax
Charles Pillow – soprano sax, alto sax, bass clarinet
Joel Frahm – tenor sax
Chris Cheek – tenor sax, baritone sax
Brad Mehldau – OB-6 Polyphonic synthesizer, Therevox, Moog Little Phatty synthesizer, Steinway C grand piano, voice
Mark Guiliana – drums

2. Born to Trouble
Brad Mehldau – voices, OB-6, Little Phatty, Yamaha upright piano, Steinway C grand piano, drums

3. Striving After Wind
Becca Stevens – voice
Gabriel Kahane – voice
Brad Mehldau – OB-6, Fender Rhodes, Little Phatty
Mark Guiliana – electronic drums

4. O Ephraim
Brad Mehldau – voices, OB-6, Fender Rhodes, piano, Musser Ampli-Celeste, Morfbeats gamelan strips, drums

5. St. Mark Is Howling in the City of Night
Becca Stevens – voice
Gabriel Kahane – voice
Sara Caswell – violin
Lois Martin – viola
Noah Hoffeld – cello
Brad Mehldau – OB-6, piano, voice
Mark Guiliana – drums, electronic drums

6. The Prophet Is a Fool
Ambrose Akinmusire – trumpet, last solo
Michael Thomas – flute, alto sax
Charles Pillow – soprano sax
Joel Frahm – tenor sax, first and second solos
Chris Cheek – baritone sax
Brad Mehldau – Therevox, OB-6, xylophone, piano
Mark Guiliana – drums

7. Make It All Go Away
Becca Stevens – voice
Kurt Elling – voice
Brad Mehldau – OB-6, Little Phatty, piano
Mark Guiliana – drums

8. Deep Water
Becca Stevens – voice
Gabriel Kahane – voice
Sara Caswell – violin, end solo
Lois Martin – viola
Noah Hoffeld – cello
Brad Mehldau – piano, OB-6
Mark Guiliana – drums

9. Proverb of Ashes
“Snorts” Malibu – opening voice
Kurt Elling – voice, middle solo
Brad Mehldau – OB-6, Little Phatty, Therevox, piano, ending voices
Mark Guiliana – drums
Aaron Nevezie – Korg Kaoss Pad

10. Finding Gabriel
Brad Mehldau – voices, Little Phatty, Yamaha CS-60 synth, Therevox, Mellotron, Hammond B-3 organ, piano, shaker, handclaps, drums

  1. The garden
  2. Born to trouble
  3. Striving after wind
  4. O Ephraim
  5. St. Mark is howling in the city of the night
  6. The prophet is a fool
  7. Make it all go away
  8. Deep water
  9. Proverb of ashes
  10. Finding Gabriel

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