Burkard Kunkel - Monxarella
Burkard Kunkel
Monxarella
Erscheinungstermin: 27.06.2025
Label: BayLa Records, 2025
Eine der ungewöhnlichsten Platten, die ich seit Langem hören durfte. „Monxarella“ ist wie ein klanglich verfasstes Tagebuch – eine Erinnerungsreise, auf der jeder Ton Gewicht hat. Burkard Kunkel spielt hier alle Instrumente selbst, viele davon eher unbekannt. Doch entscheidend ist nicht die Exotik der Klangquellen, sondern die Musik selbst – oder genauer: der poetische Ausdruck jedes einzelnen Klanges. Die Kompositionen von Thelonious Monk erklingen hier wie aus einem anderen musikalischen Universum entnommen. Mit veränderter Rhythmik, betonter Nostalgie und fast meditativer Ruhe entfalten sie sich als sehr persönliche Interpretationen – als sensibles Zeugnis von Kunkels musikalischer Auseinandersetzung mit Monk. Was besonders fasziniert, ist die Vielzahl unerhörter Klänge und überraschender Verbindungen: Hier treffen Welten aufeinander, die nicht im Konflikt stehen, sondern sich ergänzen. Der Zauber dieser Musik wirkt nach – je öfter man sie hört, desto tiefer wird das Staunen. Ein außergewöhnliches Album voller Tiefe, Mut und Persönlichkeit. Absolut hörenswert! (Jacek Brun, 05.07.2025)
Besetzung
Burkard Kunkel - Bassklarinette, Bassetthorn, Harfenzither, Akkordzither, Shruti-Box, Quintzither, Altzither
Klangliche Erinnerungslandschaften – Burkard Kunkel „Monxarella“
Burkard Kunkels musikalische Reise begann mit der Zither. Inspiriert von der Titelmelodie der Fernsehsendung „Unter unserem Himmel“ wünschte er sich im Alter von sieben Jahren im Jahr 1974 eine eigene Zither. Seine ersten Auftritte hatte der gebürtige Würzburger auf Heimatabenden und bei Hauskonzerten im Spessart. Ab 1984 wandte er sich jedoch dem Jazz und dem Saxophon zu und legte die Zither zunächst beiseite.
Erst Mitte der 1990er-Jahre integrierte Kunkel die Konzertzither wieder in seine Musik, diesmal im Rahmen von Free Jazz und experimentellen Projekten, etwa mit Christopher Dell und Ruth Hommelsheim. In Zusammenarbeit mit dem Musiker Rüdiger Carl entstanden die sogenannten „Gold“-CDs. Begegnungen mit renommierten Zitherspielern wie Werner Marzahn und Tomy Temerson erweiterten seine Technik. Er wechselte zur Münchener Stimmung und entwickelte einen eigenen Stil, in dem er Jazz und Balladen auf der Zither erforschte. Ab 2018 kamen weitere Instrumente wie E-Zither, Quintzither, Altzither und Harpeleikzither hinzu, ebenso wie das Spiel auf der präparierten Akkordzither.
Ein wichtiger Einfluss war Thelonious Monk. Mitte der 1990er Jahre hörte Kunkel erstmals Monks Musik, die ihm von einem befreundeten Musiker vermittelt wurde. Während der Corona-Pandemie entdeckte er Monks lakonische und einfallsreiche Stücke für sich neu und fand darin eine musikalische Antwort auf seinen Winterblues. Dabei war Kunkels Ansatz nicht, Monk zu imitieren, sondern seine Stücke in seinem eigenen, zarteren Stil zu interpretieren.
Der Klang der Zither, wie ihn Anton Karas im „Harry Lime Theme“ („Der dritte Mann“) berühmt machte, steht für eine Mischung aus Leichtigkeit, Spannung, Humor und morbidem Charme – Eigenschaften, die Kunkel auch in Monks Persönlichkeit und Musik wiedererkennt. Dies bestärkte ihn darin, Zither und Monk miteinander zu verbinden.
Parallel dazu entwickelte Kunkel eine große Leidenschaft für die Bassklarinette und das Bassetthorn. Ursprünglich vom Fusion-Jazz beeinflusst, wandte er sich später unter der Inspiration von Miles Davis, Eric Dolphy und John Coltrane dem expressiveren Jazz zu. Besonders faszinierten ihn die tiefen, kraftvollen Töne dieser Instrumente. Nach einer intensiven autodidaktischen Phase und ersten Bühnenerfolgen scheiterte er 1986 zunächst bei der Aufnahme ins Bundeswehr-Musikkorps im Rahmen des Grundwehrdienstes. Trotzdem blieb er der Musik treu und studierte parallel dazu Philosophie und später Medizin. Trotz der harten Studienjahre pflegte er die Verbindung zur Jazzszene und entwickelte seine Fähigkeiten weiter. 1991 zog es Kunkel nach Frankfurt, nicht zuletzt aufgrund der historischen Bedeutung der Stadt für den Jazz. 1996 erhielt er dort das Arbeitsstipendium Jazz für die Bassklarinette.
Während einer Pause von der Bassklarinette wandte sich Kunkel im Jahr 2002 dem im Jazz selten zu hörenden Bassetthorn zu. Aufnahmen mit diesem Instrument entstanden unter anderem mit Michel Pilz auf der CD „Nacht“, mit dem Trio Vagant auf „Dog Life“, mit Willi Kappich und Bob Degen im Trio „Zitrone und Zimt“ sowie in Duo-Projekten mit Bob Degen wie „Down By The Harbour“ und „Two Geese By The River“. Auch einige Produktionen mit dem HR-Jazzensemble, Auftritte mit Vitold Rek sowie Veranstaltungen des FIM (Forum Improvisierter Musik) in Frankfurt gehören zu seinem künstlerischen Werdegang.
Das Projekt „Monxarella“ entstand aus dem Wunsch heraus, die Musik von Thelonious Monk abwechslungsreich und neu zu interpretieren. Kunkel arbeitet dabei bewusst ohne Overdubs und setzt verschiedene Instrumente gleichzeitig ein, darunter Akkordzither, Bassklarinette, Bassetthorn, Altzither, Harfenzither und Shrutibox, die er mit dem Fuß bedient. Die unterschiedlichen Klangfarben sollen eine bittersüße Nostalgie erzeugen. Dabei ließ er sich von Monks Soloalben „Thelonious Himself“ und „Thelonious Alone in San Francisco“ inspirieren, die eine freiere, intimere Seite des Pianisten zeigen.
Neben Monk-Kompositionen enthält „Monxarella” auch freie Eigenimprovisationen, die Monks Innovationsgeist widerspiegeln.
„The Expectation Of The Lone Dragon“: Bassklarinette trifft auf Harfenzither.
„Um den Mönch herum“: Modale Improvisation der Bassklarinette mit Shrutibox, „Beautiful, but Ugly“: zwei Bassetthörner im simultanen Zusammenspiel, „Take to the Skies“: präparierte Akkordzither mit experimentellen Klängen, „Deux hiboux au crépuscule“: Solo- und Duospiel auf dem Bassetthorn. Die Dramaturgie lebt vom Wechsel der Instrumente und Klangfarben, wodurch Monks Musik neue, mehrschichtige Facetten erhält.
„Hier hören Sie einfühlsam interpretierte Stücke von Thelonious Monk in entspannter Atmosphäre. Dazwischen erklingen Burkards eigene Kompositionen, die perfekt dazu passen. Ein wunderbar abgerundetes Programm, das sehr inspirierend klingt.“ Bob Degen
Titelliste
- Reflections
- The Expectation Of The Lone Dragon
- Monks Mood
- Functional
- Pannonica
- Um den Mönch herum
- Light Blue
- Beautiful, But Ugly
- Ask Me Now
- North Of The Sunset
- Take To The Skies
- Monk's Dream
- Ruby My Dear
- Deux hiboux au Crepuscule
- Friday The 13th
- Misterioso
- Blue Monk
- Round Midnight
jazz-fun`s recap:
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