Caecilie Norby - Arabesque

Caecilie Norby - Arabesque

Cæcilie Norby
Arabesque

Erscheinungstermin: 28.01.2011
Label: ACT, 2011

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Musikalische Schubladen haben die dänische Sängerin Caecilie Norby noch nie interessiert: „Ich war immer auf der Suche nach einprägsamen Melodien. Im Pop braucht man eine starke Melodie, um einen Hit zu bekommen; im Jazz ist das Thema zentral, das ein Stück eröffnet; und in der Klassik können die gewaltigsten Orchester-Arrangements platt und langweilig werden, wenn sie nicht von einer natürlichen Melodie getragen werden.“ Für Norby ist die Melodie die Essenz von Musik und das entscheidende Kriterium, nachdem sie Musik bewertet und auswählt, frei von Genregrenzen. Eine Einstellung, die ein Abbild ihrer erstaunlichen Karriere und wohl auch ihr Erfolgsgeheimnis ist.

Als Tochter klassischer Musiker - ihre Mutter Solveig Lumholt war Opernsängerin, ihr Vater Erik Norby Komponist - brachte die Entdeckung des Jazz mit seinen bluesigen, swingenden und coolen Momenten die Entscheidung, doch in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Wenig später, noch als Teenager, geriet sie in den Sog der Rock- und Popmusik mit ihrer rohen Energie und ihren Ohrwürmern. Als Reisende zwischen all diesen musikalischen Welten machte sie sich schnell einen Namen, zunächst in ihrer Funk-Jazzband „Frontline“, die in den frühen achtziger Jahren alle verfügbaren dänischen Jazzpreise bekam. Zusammen mit Nina Forsberg bildete sie danach das Pop-Duo „One Two“, das alleine in Dänemark eine Viertelmillion Alben verkaufte.

Hier wie in ihrer seit den frühen neunziger Jahren aufgenommene Solokarriere war sie in Skandinavien zunächst die vielleicht wichtigste Figur des Brückenschlags zwischen Pop und Jazz, was sie international zur Wegbereiterin von Kolleginnen wie Rebekka Bakken, Silje Nergaard oder Viktoria Tolstoy machte. Als erste dänische Künstlerin wurde sie vom legendären Blue Note Label unter Vertrag genommen, wo sie vier glänzend rezensierte und verkaufte Alben aufnahm. Sie arbeitete mit vielen internationalen Stars verschiedenster Fächer zusammen, vom Landsmann (und der anderen dänischen Instanz für stiloffenen und breitenwirksamen Jazz) Bugge Wesseltoft bis zu Billy Hart, Mike Stern, Chick Corea oder Kurt Elling. Der wichtigste unter ihnen ist der Bassist Lars Danielsson, der eben nicht nur ihr Ehemann, sondern auch der Produzent und Partner fast aller ihrer Projekte wurde.

So auch bei ihrem neuestem Unternehmen „Arabesque“, ihrem Debüt für ACT. Ein ehrgeiziges, vielleicht wegweisendes Projekt, fasst Norby hier doch auf gewisse Weise ihre bisherige Karriere zusammen, gespiegelt durch die klassischen Einflüsse ihrer Kindheit. Erstmals schrieb Norby Songtexte auf klassische Stücke, vor allem aus der Zeit des Impressionismus. die die Mehrzahl der hier versammelten 15 Tracks bilden. Auch ein selbstkomponiertes „Nocturne“ ist dabei. „Es war so inspirierend, dass sich um viele Stücke großartige Geschichten ranken. „Rimsky-Korsakovs „Scheherazade“ zum Beispiel fußt ja auf den Geschichten aus 1001 Nacht. Und bei Ravels „Dead Princess“ fand ich es interessant, über die fragile Seite der flamboyanten, lesbischen Prinzessin Winnaretta de Polignac zu schreiben, der Geldgeberin und Impresaria Ravels, Strawinskys und der Pariser Boheme.“ Norby entdeckte auch Satie und Debussy wieder und fühlte sich sofort geborgen: „Ich hatte keine Quellen und keinerlei Erfahrung damit, nordischen Jazz mit Klassik zu verbinden. Aber ich fühlte mich schon bei der ersten Studiosession Satie viel näher als zum Beispiel Ellington.“ Viermal ist dabei auch die großartige klassischen Pianistin Katrine Gislinge zu hören, mit der Norby erstmals zusammenarbeitete. „Dabei kannten wir uns schon als Kinder, weil unsere Eltern die besten Freunde waren.“ Schließlich ehrt Norby mit dem Bonustrack „How Oft“ auch das Andenken ihres Vaters, von dem die Komposition stammt.

Doch Norby findet nicht nur in den Melodien der Klassik den jazzigen Ton, es geht auch umgekehrt. Mit zwei Songs veranschaulicht sie eindrucksvoll, welcher „Klassiker“ Michel Legrand ist, den sie für den „melodischsten europäischen Komponisten aller Zeiten“ hält. Der Swing-Standard „Bei mir bist du schoen“ verwandelt sich nicht zuletzt dank Wesseltofts elektronischer Beigaben in eine mitreißende Funk-Nummer. Und dann suchte Norby auch noch die unsentimentale Hymne an „Wholly Earth“ der von ihr sehr verehrten Abbey Lincoln aus, ohne wissen zu können, dass dies zum Tribut post mortem werden würde.

Wie stets lässt sich Norby von einer handverlesenen Schar großartiger Musiker begleiten, neben Danielsson, Wesseltoft und Gislinge auch ACT-Gitarrenstar Ulf Wakenius, Trompeter Palle Mikkelborg, Flötist Hans Ulrik sowie die Drummer und Perkussionisten Anders Engen und Xavier Desandre-Navarre, alle wie sie Fans großer Melodien. Deswegen hat „Arabesque“ dieses enorme Potential, selbst viele begeisterte Anhänger zu gewinnen. Nicht nur Klassikfreunde, Jazzfreaks oder Popfans. Sondern alle, die gute Melodien lieben.

  1. The dead princess
  2. Wholly earth
  3. No air
  4. No phrase
  5. Bei mir bist du schön
  6. The tears of Billie Blue
  7. Women of Santiago
  8. Pavane opus 50
  9. Scheherazade
  10. I will say goodbye
  11. Simple theme
  12. Hvirvelvinden
  13. Forever you
  14. Nocturne
  15. How oft

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