Cafè Drechsler - Let It Touch You

Cafè Drechsler - Let It Touch You

Cafè Drechsler
Let It Touch You

Erscheinungstermin: 27.05.2022
Label: O-Tone, 2022

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Ulrich Drechsler – saxophones
Oliver Steger – double bass
AleX Deutsch – drums
Valerie Sajdik – vocals
Edson Sean – vocals
„King“ Batson – vocals, keyboards
Martin Klein – vocals, piano
Andi Fraentzl – vocals, electronic devices
Moritz Schmidt – vocals, keyboards, programming
Philipp Gstrein – vocals
Aljosha Kareem Pfeifer – vocals, guitar, programming
Christoph Bernewitz – guitar
Stephan Kondert – electric bass

Das Jubiläumsalbum zum 20jährigen Bestehen der international nach wie vor aktiven Jam Band aus Österreich ist mit 2 Jahren Verspätung am 27. Mai dieses Jahres auf dem deutschen Label www.o-tonemusic.de erschienen.

Und ja, es handelt sich um eine sogenanntes “richtiges” Album und nicht bloß um eine beliebige Aneinanderreihung verschiedener Tracks und Songs. Es ist ein akustisches Abenteuer, ein bunter Blumenstrauss mit dem Duft einer 22jährigen Reise dieser außergewöhnlichen wie einzigartigen Band aus Österreich. Die drei Protagonisten Ulrich Drechsler – Saxophon, Oliver Steger – Kontrabass und Alex Deutsch – drums, sind allesamt seit Jahrzehnten erfahrene, international in verschiedensten Formationen als auch mit individuellen, eigenen Projekten äußerst umtriebige Künstler, die sich mit den ihnen eigenen Stilmitteln des Jams und der Improvisation inzwischen leichtfüßig und schwerelos zwischen Live Club Music Beats und Sounds über besinnliche Songs und ja, sogar Chansons bis hin zu kammermusikalischen Gefilden zu bewegen scheinen, ohne ihren inzwischen „Trade Mark Sound und Groove“ und Flavour auf dem Altar der Gefälligkeit zu opfern, zu kompromittieren oder zu verraten.

Das hätte sich der damals knapp 28jährige Saxophonist und Komponist Uli Drechsler wohl nicht träumen lassen, dass ein entspannter Anruf im Wien der Jahrtausendwende an zwei seiner Freunde, die sich bis dato persönlich nicht kannten, eine inzwischen mehr als 22jährige äußerst erfolgreiche, international Aufsehen erregende sowie eher ungewöhnliche Bandgeschichte zur Folge haben würde. Den schon damals international umtriebigen Schlagzeuger AleX Deutsch kannte der ursprünglich aus Deutschland stammende und kurz vor seinem Umzug nach Österreich in Hamburg lebende Musiker noch von seiner Studienzeit in Graz her, wo er AleX als Leiter seines Ensembles an der dortigen Musikhochschule kennen gelernt hatte. AleX lud Uli, von dessen herzerwärmendem und die Seele berührenden Sound und dessen Gabe, wundervolle Melodien zu erfinden, er vollkommen begeistert war, damals nicht nur zu vielen seiner berüchtigten DJAM Sessions mit DJs und Live Musikern ein sondern auch als touring member in das hochkarätige Ensemble “Funky Groove Jet”, dem neben dem damals vom HipHop Collective Arrested Development und inzwischen als Produzent von Eminem und Alicia Keys bekannten Produzenten, Rapper und Keyboarder Mark Batson auch einige andere Kapzunder der New Yorker Szene angehörten. Den umtriebigen Bassisten und ex Punk Oliver Steger hatte Uli in Wien kennengelernt, die Stadt, in der die damals weltberühmte down tempo Club und Elektro Szene rund um Kruder & Dorfmeister und Co weltweite Aufmerksamkeit generierte, und in die er ein knappes halbes Jahr vor AleX gezogen war und wo er mit Oliver schon einige musikalische Abenteuer gemeinsam erleben durfte.

Die drei jammten und improvisierten das allererste mal zusammen gleich frisch von der Leber weg bei einem Recording Projekt für einen Toningenieur Studenten der Wiener Tontechnik Schule SAE. Es war von Anfang an magisch, wie ein bis heute unerklärbares und intellektuell nicht bis kaum erfassbares musikalisches wie spirituelles Phänomen. Und genau das haben sie als Jamband inzwischen zur Perfektion gegenseitigen blinden musikalischen Vertrauens ohne 1% Zweifel gebracht, dass es nicht immer und in jedem Fall auf die eine oder andere Weise zumindest extrem spannend, ass kicking bis zutiefst berührend werden könnte.

Inzwischen schon längst eine der herausragenden Jambands Europas, haben sie große und kleine Bühnen zwischen Mexico City und Moskau, Berlin und New York City bespielt und tausende Menschen zum Tanzen, zum Shaken, zum Schreien und zum Weinen gebracht. Anfangs fühlten sich die drei musikalischen Musketiere im Dienste ihrer Majestät, der Musik, verpflichtet, ihrem Publikum mitzuteilen, dass all die Musik frei improvisiert und spontan im Augenblick entstanden war, was ihnen kaum jemand zu glauben wagte, worauf man auf diesen Hinweis fortan verzichtete, genauso wie auf einen Proberaum, etwas, was diese Band bis heute nie gebraucht noch je verwendet hat.

Ursprünglich war diese eigentlich klassische Jazztrio Besetzung berüchtigt dafür, live den damals berühmten Wiener down tempo Club Sound, Breakbeatz, House, drum’n bass und Techno live einem verblüfften bis höchst erstaunten und begeisterten Dance Club Publikum um die Ohren und in ihre Herzen zu knallen. Sie waren beliebte Live! Gäste in den angesagtesten Dance Clubs weltweit. Ihr Debut Album “Café Drechsler” (Verve/Universal) chartete gleich mal in 15 Ländern von Griechenland bis Indonesien und mit ihrem 2. Album „Radio Snacks” heimsten sie ohne Umschweife den begehrten österreichischen „Amadeus Award“ als bestes Jazz/Blues/World Album des Jahres ein.

Nach einer längeren Schaffenspause erschien vor ein paar Jahren ihr dritter Longplayer namens “And now Boogie” und brachte ein paar bis dato neue Nuancen der Meister der Improvisation zu Tage. Bis heute haben die drei ständig ihr Repertoire und ihre stilistische Bandbreite wesentlich erweitert und finden sich inzwischen nicht nur in den angesagten Dance Clubs, sondern auch in den großen klassischen Konzerthäusern von Wien bis Süd Korea, auf zahlreichen Musik- und Filmfestivals, bei Lesungen genauso wie in Museen, Festen und Happenings verschiedenster Art.

Bis heute sind sie allerdings ihrem Calling, ihrer Bestimmung als frei improvisierende Jam Band, bei der kein Konzert einem anderen gleicht, treu geblieben: sie lassen sich und ihr begeistertes Publikum von ihrer Musik begeistern, bewegen und berühren. Café Drechsler, eine sehr besondere, außergewöhnliche und äußerst bekömmliche, wenn auch unkonventionelle Wiener Jazz Melange.

Auffallend diesmal im Vergleich zu den drei Vorgänger Alben die relativ hohe Dichte nationaler und internationaler Gäste, die allesamt in sehr verschiedenen Genres beheimatet und zu großen Teilen auch auf internationalem Parkett bekannt sind, als auch ein besonderer Fokus auf, bis dato für diese Band eher ungewöhnlich, “richtige“ Songs mit den beteiligten Interpreten*innen.

Los geht es mit einem knackigen HipHop Track namens “Touch it” mit kompromisslosen Beats und zwei Bässen, welcher neben dem in NYC lebenden und arbeitenden österreichischen Bassisten und Produzenten Stephan Kondert den in Brooklyn beheimateten Rapper und Sänger Edson Sean featured. Der auf dem Fusse folgende Track “Fast House”, Nomen est Omen, featured den urtümlichen Cafe Drechsler Live Club Sound at it’s best.

Der nächste Gast ist der ehemalige Frontman und Leadsänger einer international sehr bekannten österreichischen a Capella Truppe namens “Bauchklang“, Andi Fraentzl, mit denen Café Drechsler bei ihren ersten internationalen Gehversuchen so manches Konzert gemeinsam bestritten hatten. Der Track “Contact Trace” fliesst mühelos zwischen tranceartigem Gesang und Elektro Flavors einem weiteren typischen Café Drechsler Track namens “Chanson Noir” entgegen.

“International Connections” wird von einem Künstler getragen, den einige noch von seinen Zeiten als Keyboarder und Freestyle Rapper einer der ersten live HipHop Bands, “Arrested Development” her bekannt sein mag, damals unter dem Namen “Kundalini” Mark Batson. Mit Alex und Uli war er in den späten 90igern in der Band “Funky Groove Jet” zu Gange. Heute ist er als “King Batson” höchst angesehener und erfolgreicher Produzent von namhaften Künstlern wie Alicia Keys, Eminem und vielen anderen namhaften Künstler*innen und Künstlern, oft Seite an Seite mit Dr. Dre. “Wild Jam” ist dann allerdings wieder ein typischer Café Drechsler Live Club Slammer vom Feinsten.

Gleich danach gilt unser Augenmerk der fantastischen wie zauberhaften, aus Wien stammenden und in Frankreich lebenden Sängerin und Chansonniere Valerie Sajdik, den meisten bekannt von ihrer Arbeit mit dem österreichischen down tempo Pionier Klaus Waldeck und deren Electronic Combo “Saint Privat”, die um die Jahrtausendwende zu internationalen Höhenflügen abhob. Der chansonhafte Song “Mon Labyrinthe” ist sicher der experimentellste aller hier vertretenen Songs und Tracks und featured neben Valerie’s laszivem Gesang den Berliner Gitarristen Christoph Bernewitz, den viele von seiner Zusammenarbeit mit dem deutschen Barden Clueso her kennen dürften und den Magier auf der Trompete aus der französischen Schweiz, Matthieu Michel.

Das junge Wiener Produzenten Kollektiv “Origami Punani”, bestehend aus dem Keyboarder Moritz Schmidt, dem Gitarristen, Drummer und Sänger Aljosha Pfeifer, dem Bassisten Sebastian Gansch und dem Sänger Philipp Gstrein sind allesamt Radio FM4 Stammgäste in deren Playlist sozusagen. Gemeinsam haben sie gekonnt den nächsten Track bearbeitet und daraus den klasse Song “On Your Mind” gezaubert, irgendwo zwischen Soul und HipHop, eigentlich Indie Soul oder noch treffender : SoulHop.

„Night Flight” ist ein weiterer, sehr jazzig housiger, typischer Café Drechsler Track vom Feinsten, mit einem durchgehenden, gleichsam fliegenden und schwerelosem Swing feeling.

Der vor ein paar Jahren mit seinem Album “Das Leben hat es gut mit uns gemeint” für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominierte Wiener Singer Songwriter Martin Klein ist Gast auf der nächsten, sehr berührenden und außergewöhnlichen Ballade “Sense Of Coming”, die von einem typisch dunklen Wiener Grundgefühl getragen scheint und in geheimnisvollen Chören und markanten Beats langsam vor sich hin ertrinkt. Erwähnenswert auch das dazugehörige Video des Filmemachers Max Parovsky, ein Gesamtkunstwerk.

Nun folgen drei pure, sehr rohe Café Drechsler Trio Kreationen, Café Drechsler “nude” sozusagen: “Brushing it off” ist ein wunderbares Café Drechsler Kunstwerk pur, welches besonders die meisterhaften, immer wieder typisch mehrstimmigen Basskonstruktionen Oliver Stegers und den unnachahmlich weichen Saxophonklang von Ulrich Drechsler auszeichnet, Ein Hörgenuss par excellence. Ein Live Deep House Track vom Feinsten ist “Lucky Bounce”. Er widerspiegelt exzellentes Interplay, ein blindes Verständnis und unvergleichliches Formbewusstsein der drei Jam Band Members, welches in eine tranceartige Outro mündet „Ballad for a lonely Coffee Bean” – das schmeichelnde, sexy Saxophon Drechslers schwebt und gleitet sanft über einen magischen Soundteppich von Bass und Drums. Gänsehaut.

Das Chanson “Tout Perdu” mit der Sängerin Valerie Sajdik und nochmals dem deutschen Gitarrero Bernewitz beschliesst gewissermassen Schnitzlers Reigen auf eine sehr eigene, besondere Art und berührende Weise, wie es sich für ein Album mit dem Titel “Let it Touch You” eben ge – hört.

Für den hervorragenden Sound zeichnet, wie auch schon beim letzten Album “And Now…..Boogie!” (Universal) der britische TonMagier und Sound Engineer Clive Martin verantwortlich, als Produzent, wie bei allen Vorgänger Alben, der Drummer der Band, AleX Deutsch, jeweils im Kollektiv mit den diversen Gästen und der gesamten Band.

Text: O-Tone

jazz-fun.de meint:
Wenn Sie diese Musik hören, erleben Sie große Freude an der Begegnung mit Klängen, die direkt aus dem menschlichen Bewusstsein, dem Herzen, voller Emotionen und Botschaften fließen. Es passiert viel auf dieser Platte und man kann diese Musiker wirklich um ihre Kreativität und ihr Talent beneiden. Am besten, man greift einfach zu diesem Album und hört es sich an.

  1. Touch it
  2. Fast house
  3. Contact trace
  4. Chanson noir
  5. International connections
  6. Wild jam
  7. Mon labyrinthe
  8. On your mind
  9. Night flight
  10. Sense of coming
  11. Brushing it off
  12. Lucky bounce
  13. Ballad for a lonely coffee bean
  14. Tout perdu

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