Christian Krischkowsky Quartet - Discovery of Lightness
Christian Krischkowsky Quartet
Discovery of Lightness
Erscheinungstermin: 28.11.2025
Label: Double Moon Records, 2025
Christian Krischkowsky hat erneut eine Band versammelt, die seine musikalischen Ideen nicht nur versteht, sondern sie mit großer Sensibilität und persönlichem Ausdruck weiterträgt. Was dieses Quartett auszeichnet, ist die Mischung aus klarem Ensembleklang, feinen Farben und einer eleganten, unaufdringlichen Modernität.
Schon in den ersten Takten umhüllt uns der warme Ton von Peter Ehwalds Saxofon – geschmeidig, erzählerisch, mit einem ganz eigenen lyrischen Drive. Marc Schmolling steuert elegante, detailreich ausgearbeitete Soli bei, die der Musik zusätzliche Tiefe verleihen.
Die Rhythmusgruppe – Roland Fidezius am Bass und Christian Krischkowsky selbst am Schlagzeug – sorgt für einen flexiblen, atmenden Unterbau. Ihr Spiel ist nicht nur Begleitung: Es malt Hintergründe, verschiebt Farben, setzt Akzente und trägt die dramaturgische Entwicklung jedes Stücks.
„Discovery of Lightness“ ist ein Album voller Wärme, weicher Klangflächen und melodischer Klarheit. Krischkowskys Kompositionen sind poetisch, farbenreich und bieten den Solisten viel Raum, ohne jemals die Form aus den Augen zu verlieren. Ein Album, das man gern mehrfach hört – weil es sich mit jeder Runde weiter öffnet.
(Jacek Brun, 27.11.2025)
Besetzung
Peter Ehwald - tenor sax (1, 4, 5, 6, 9), soprano sax (7, 8), tárogató (2), clarinet (3)
Marc Schmolling - piano
Roland Fidezius - double bass
Christian Krischkowsky - drums
Zwischen Wärme und Weite – Krischkowskys poetische Klangwelt
Wege zu mehr Leichtigkeit: Die meisten von uns dürften auf der Suche danach sein. Leichtigkeit ist ein Ideal angesichts unseres hochkomplexen Lebens – umso mehr in Zeiten wie diesen. Das gilt auch für Christian Krischkowsky, Schlagzeuger und Komponist aus dem Süden Deutschlands. Musikalisch ist er da auf jeden Fall schon ein beträchtliches Stück vorangekommen. Das hat entscheidend mit seinem Quartett zu tun. Vor ziemlich genau zehn Jahren fanden die vier zusammen. „Discovery of Lightness“ ist das dritte Album dieser Besetzung. Diesmal, räumt der Bandleader ein, waren seine Kompositionen noch etwas anspruchsvoller als zuvor. Trotzdem fließt die Musik, alles fühlt sich ganz natürlich an und der Vierer bewegt sich scheinbar mühelos zwischen Komponiertem und Improvisation. Das Material wird im offenen Miteinander ausgelotet. „Discovery of Lightness“ ist das Album einer Gruppe, deren Mitglieder zugewandt auf Augenhöhe agieren. „A real band!“, stellt Christian Krischkowsky in seinen Liner Notes glücklich fest.
Dabei ist diese Besetzung geografisch gesehen nicht gerade naheliegend. „Bei uns fährt nur einer durch die Gegend“, nimmt es der Bandleader mit Humor. Krischkowsky lebt seit vielen Jahren in der schwäbischen Donaustadt Ulm, Peter Ehwald (ts, ss, cl, tárogató), Marc Schmolling (p) und Roland Fidezius (b) sind hingegen in Berlin zu Hause. Die Band entstand, nachdem Krischkowsky sein einstiges Quintett aufgelöst hatte. Er wollte etwas vollkommen Neues auf den Weg bringen. Dabei dachte er zunächst an Marc Schmolling, den er seit gemeinsamen Zeiten in München kannte und schätzte. Dieser war mittlerweile nach Berlin gezogen. Mit Roland Fidezius hatte Krischkowsky bereits als Bassist und Schlagzeuger in einem Ensemble mit einer Vokalistin gespielt. Als Peter Ehwald hinzustieß, passte alles zusammen. Die Stabilität dieser Besetzung ist nicht selbstverständlich – auch deshalb, weil alle Akteure auf der rastlos pulsierenden Berliner Szene vielfältig vernetzt sind und zum Teil eigene Gruppen und Projekte vorantreiben. Die Gründe für diese Stabilität sind offenkundig – und sie sind hörbar. Im Krischkowsky-Quartett geht der Reiz besonderer kreativer Ideen mit einem positiven Band-Spirit einher. Die ideale Basis, um Leichtigkeit zu entdecken.
Christian Krischkowsky komponiert am Klavier. „Ich bin ein eher intuitiver Mensch, auch beim Schreiben.“ Eigentlich gehört er zu den Menschen, die sich eher zu viele Gedanken machen als zu wenige, sagt er. Deshalb hat er das Streben nach Leichtigkeit zu seinem persönlichen Motto gemacht, um ein mögliches Verkopfen zu vermeiden. Auch wenn seine teils unkonventionellen Stücke auf verschiedene Weise herausfordern, wirken sie nie konstruiert. Im Gegenteil: Viele haben eine starke atmosphärische Kraft, es gibt lyrische Momente und auch Spielerisches, wie der traditionelle Schlenker in „Green“. Bestechend sind die Dramaturgie und die Dynamik im Aufbau sowie die vom Quartett entwickelte Form. Krischkowsky in typischer Bescheidenheit: „Was immer ich komponiert habe: Erst die Band macht die Stücke zu dem, was sie sind. Sie schafft diesen speziellen, eigenen Sound.“ Er betont: „Das alles funktioniert nur, weil wir uns inzwischen so gut kennen. Und weil alle bereit sind, intensiv daran zu arbeiten.“ Über ein Jahr lang fuhr Krischkowsky immer wieder nach Berlin, um mit den Kollegen an den Stücken zu arbeiten. Und um gemeinsam zu Konzerten aufzubrechen. So erspielte sich die Gruppe das neue Material – die Voraussetzung für die bestechende Qualität der Studioaufnahmen.
Einige der Einflüsse, die den Schlagzeuger von jeher begleiten, sind nicht ganz so offenkundig. Bevor er den Jazz für sich als Ausdrucksmöglichkeit entdeckte, prägten ihn Pop und Rock. „Das ist auf jeden Fall noch immer präsent, keine Frage! In die Kompositionen fließt das ein, wenn auch vielleicht nicht in direkter Form.“ Damit meint er subtile Details, auch Kleinigkeiten im eigenen Spiel. „Früher“, so gesteht er, „war ich ein extrem lauter Schlagzeuger.“ Davon hat er sich jedoch deutlich entfernt. Stattdessen setzt er auf ein teils geradezu intimes Miteinander: Manche Gigs bestreitet das Quartett unverstärkt in einem ungewöhnlich engen Setup auf der Bühne. Aktuell gehört der Drummer auch einer Singer/Songwriter-Band an, in der er seine Versiertheit auf diesem Gebiet ausspielen kann. Außerdem gibt es das Openthebox Trio (Gitarre, Bass, Schlagzeug). An dessen jüngstem Album wirkte der Engländer Kit Downes als Gast-Organist mit. Auf Tour waren die drei mit dem New Yorker Hammondorgel-Spezialisten Brian Charette.
Christian Krischkowsky ist Jahrgang 1970 und wuchs in München auf. Die Geige, die es zunächst für ihn sein sollte, legte er schnell beiseite. Stattdessen fand er, beseelt von den Bands der Neuen Deutschen Welle, zum Schlagzeug. Er bekam formalen Unterricht und lernte nebenbei ein bisschen Gitarre und Klavier – genug, um Songs zu schreiben. Erste Erfolge konnte er als Schlagzeuger in diversen Bands verbuchen. Im Zuge einer weiterführenden Ausbildung an einer Schlagzeugschule entdeckte er schließlich den Jazz. Er wurde ins Landesjugendjazzorchester Bayern berufen und spielte mit verschiedenen Münchner Formationen. 1998 zog er nach Ulm. 2005 erschien bei Double Moon in der Reihe „Jazz Thing Next Generation“ das Debütalbum des Christian Krischkowsky Quintetts („TS Bremen“), 2010 folgte eine weitere Produktion („55 Days“). 2015 gründete er das heutige Quartett.
Die Zeiten, in denen er damit haderte, fernab von Jazzmetropolen wie Berlin zu leben, sind weitgehend vorbei. So attraktiv es auch erscheinen mag, eine große Gemeinschaft Gleichgesinnter quasi um die Ecke zu haben, Christian Krischkowsky genießt den Abstand. Dieser schafft Räume für frische Ideen und ein befreites Schaffen. Und er erleichtert es, zu mehr Leichtigkeit zu finden.
Titelliste
- Discovery of lightness
- Green
- Urbino
- Back free forward
- Ta daddi daddi
- Wintermensch
- Livo bells
- Origami turtles
- The brightest day
jazz-fun`s recap:
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