Christy Doran - Aerosols

Christy Doran - Aerosols

Christy Doran
Aerosols

Erscheinungstermin: 26.11.2021
Label: Between The Lines, 2021

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Christy Doran - Guitar
Stefan Banz - Inspiration, Artwork

Solo-Album gewidmet und basierend auf dem Werk von Stefan Banz (*1961 - † 2021).

Heftig scheppern die Stahlsaiten, wenn sie mit dem harten Anschlag von Christy Doran konfrontiert werden. Der Schweizer Gitarrist zählt seit Jahrzehnten zu den herausragendsten Vertretern seines Fachs. Geboren wurde er allerdings in Irland als Sohn eines Sängers, der ihn schon früh der Musik aussetzte. Internationale Bekanntheit erlangte Doran dann in den siebziger Jahren, als er zusammen mit dem Saxofonisten Urs Leimgruber, dem Bassisten Bobby Burri und dem Schlagzeuger Fredy Studer die Band OM gründete, die schon freien Jazz mit Weltmusik verband, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Seitdem hat der Gitarrist mit internationalen Größen wie John Surman, Dom Um Romao, Jasper van’t Hof, Carla Bley, Charlie Mariano, Ray Anderson, Irène Schweizer, Hank Roberts, Wolfgang Dauner, Sonny Sharrock und Albert Mangelsdorff zusammengearbeitet. Immer wieder hat er auch mit elektrischen Gruppen von sich reden gemacht, zu deren bekanntesten und langlebigsten wohl die Formation New Bag zählte. Eine Passion vom Anfang seiner Karriere an war aber auch das Solo-Spiel und solo ist Christy Doran auch auf „Aerosols“ zu hören.

Das Album ist aber gleichzeitig eine enge Zusammenarbeit mit dem Künstler Stefan Banz, der am 16. Mai dieses Jahres mit nur 59 Jahren verstorben ist. Bei Banz war die Intermedialität Antrieb seiner Kunst, daher war er sowohl als Maler tätig, aber auch in den Bereichen Installation, Fotografie und Video. So ist die Auseinandersetzung mit der Musik von Christy Doran eigentlich auch nur folgerichtig.

Fünf der zehn Stücke waren Inspiration für fünf Acrylbilder, die Banz schuf. Andererseits waren fünf seiner Acrylbilder wiederum der Anlass für Christy Doran, Stücke zu schreiben. Damit die gegenseitige künstlerische Befruchtung für den Hörer nachvollziehbar bleibt, sind alle zehn Bilder von Stefan Banz im Booklet der CD abgedruckt. Christy Doran ist sowohl an der akustischen als auch an der elektrischen Gitarre zu hören und lässt zudem elektronische Effekte in seine Musik einfließen.

Die beiden Künstler kennen sich schon lange - Banz hat zum Beispiel das Cover der CD „Heaven is Back in the Streets“ von Dorans Band New Bag gestaltet -, und so hat der Gitarrist auch gleich zugesagt, als Banz ihm die Zusammenarbeit Ende letzten Jahres vorgeschlagen hat.

Die fünf Kompositionen, zu denen Banz Bilder geschaffen hat, finden sich auf der ersten Hälfte der CD. Vom folky klingenden Opener „Cat Care“ hat Banz sich zu dem gleichnamigen Bild inspirieren lassen: „Ein rosa Mond scheint aus einer tiefen blauen Nacht und wirft seinen Schatten wie ein Mantra auf den Boden.“ Die wilde Klangforschung von „Kaleidoscope in a Blizzard“ hat Banz wiederum zu dem Bild „Broken View“ inspiriert: „Ein Schneesturm donnert und blitzt nicht. Er ist diffus und treibt leise voran.“

In die andere Richtung funktioniert die künstlerische Befruchtung genauso verblüffend. Das Bild „From the Ballad of Affection“ beschreibt Banz folgendermaßen: „Blauer Himmel, heißes Klima. Ein farbenprächtiger Rundtanz. Drei Frauen und ein Mann.“ Von diesem Bild hat Christy Doran sich zu einer bluesgetränkten Delikatesse auf der akustischen Gitarre anregen lassen. „Lactus“ dagegen ist ein Bild, zu dem Banz sich so geäußert hat: „Ein schwarzer Hintergrund. Ein aufgehängtes Kleidungsstück. Und plötzlich taucht ein Kopf auf: Die linke Wange im Schatten, die rechte im Licht, Augen und Nase ausgehöhlt, ein winziger Mund und ein fleischiges Kinn.“ Die zerrissene Konstruktion führt bei Doran zu einem wilden Abenteuerritt in das Reich der freien Klänge, bei dem an- und abschwellende Soundwolken, Klangsplitter, Echos und Schlieren eine Rolle spielen.

„Aerosols“ ist die einzigartige Zusammenarbeit zweier freier Geister. Dabei ist der Albumtitel natürlich nicht zufällig gewählt worden. Denn obwohl Aerosole durch die Corona-Pandemie beileibe nicht mehr positiv besetzt sind, sind sie für Doran und Banz doch eine perfekte Metapher für die gegenseitige künstlerische Befruchtung. Es liegt was in der Luft.

Text: Between The Lines

jazz-fun.de meint:
Erstaunlich ist, dass man hier trotz praktisch nur eines Instruments die ganze Klangskala der kompletten Band hört und gleichzeitig in jeder Phrase die Subtilität des Solospiels spüren kann. Das Album ist gut durchdacht, manchmal spontan, manchmal phantasievoll-reflektierend und entführt uns in eine träumerische und nostalgische Welt.

  1. Cat care
  2. Venice
  3. Kaleidoscope in a blizzard
  4. White fields full of diamonds
  5. Defence of defeat
  6. Lactus
  7. From the ballad of affection
  8. Alexander
  9. Aerosols
  10. Upgrading equality

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