Christy Doran & Izumi Kimura - Glacial Voyage
Christy Doran & Izumi Kimura
Glacial Voyage
Erscheinungstermin: 25.04.2025
Label: Between The Lines, 2025
Trotz kompositorischer Wendungen und völlig unerwarteter Klänge bleibt diese Musik kristallklar. Erstaunlich ist die Vielfalt an Klangfarben und Nuancen, die hier zu hören sind – und das, obwohl nur zwei Instrumente im Spiel sind: Klavier und Gitarre. Beide Musiker sind für ihre experimentelle Herangehensweise bekannt, und genau diese klangliche Konstellation scheint für sie völlig selbstverständlich zu sein. Für das Publikum hingegen ist das Ergebnis außergewöhnlich und zutiefst faszinierend. Ein großartiges Album – nicht nur für Liebhaber musikalischer Experimente, sondern für alle, die sich auf etwas Neues und Besonderes einlassen wollen! (Jacek Brun, 03.05.2025)
Besetzung
Izumi Kimura - Piano
Christy Doran - Guitar
Zwei Instrumente, unendliche Klangwelten
Ein Ire aus der Schweiz - eine Japanerin aus Irland. Beide stehen für Offenheit, kreativen Geist jenseits von Konventionen und improvisatorische Gestaltungslust. Der Gitarrist Christy Doran und die Pianistin Izumi Kimura, beide seit vielen Jahren auf eigenen musikalischen Pfaden unterwegs, sind sich erst wenige Wochen vor den Aufnahmen zum ersten Mal begegnet.
Doran war kurz zuvor für einen dreimonatigen Aufenthalt in seine alte Heimat zurückgekehrt, um „seine Wurzeln aufzufrischen“. Dazu gehörten musikalische Begegnungen wie die mit Kimura, aber auch eine intensive Auseinandersetzung mit der irischen Musiktradition.
„Glacial Voyage“ ist das Ergebnis eines frei improvisierten Zusammenspiels. Vorausgegangen war lediglich ein musikalisches Kennenlernen. Izumi Kimura, seit rund drei Jahrzehnten in Irland zu Hause, hatte Christy Doran bei einem Konzert mit dem irischen Bassisten Ronan Guilfoyle und dem amerikanischen Schlagzeuger Gerry Hemingway gehört - und den erfahrenen Gitarristen noch dort gefragt, ob er an einem Duo interessiert sei. Doran kannte bereits Aufnahmen Kimuras, darunter das Videodokument eines Konzerts der Pianistin mit Hemingway und der englischen Bassisten- und Komponistenlegende Barry Guy. Der erste musikalische Austausch zwischen den beiden war so gut, dass sie sofort eine Studioproduktion vereinbarten.
Der Ort dieser Aufnahme war für Christy Doran eine unverhoffte Rückkehr an einen vertrauten Ort seiner Kindheit. Doran war in Greystones in der Grafschaft Wicklow aufgewachsen, etwa 30 Kilometer südlich von Dublin. Gut zwei Kilometer entfernt liegt Delgany. Dort, wo „Glacial Voyage“ entstand, stand früher eine Apotheke, in der unter anderem die Kinder der Region geimpft wurden. „Hätte ich als kleines Kind gewusst, dass ich dort einmal solche Musik aufnehmen würde!“, schüttelt Doran lachend den Kopf. „Unglaublich!“
Solche Musik... Das Album beginnt spröde, ein wenig schroff. Doch das Stück „Breakwater“ entführt sofort in die Szenarien und Landschaften, die Doran und Kimura erschaffen. Es gab keine Vorgaben oder Absprachen, es ist eine Auswahl von First Takes aus dem Material, das die beiden in kurzer Zeit aufgenommen haben. "Inishkea Islands" entfaltet eine enorme poetische Kraft, High Tide" wirkt geheimnisvoll drängend. In „Whale Tea Party“ erinnert der Klang der mit dem Bogen gestrichenen Gitarre an Walgesänge. Und auch zutiefst romantische Stimmungen durchziehen dieses intensive, bildgewaltige Hörabenteuer. Für den Mix zeichnete Gerry Hemingway verantwortlich, der seit einiger Zeit in der Schweiz lebt und sowohl mit Doran als auch mit Kimura befreundet ist.
Die Titel der Tracks signalisieren einen roten Faden: das Meer und die raue Küste, die Gezeiten, das Zusammenspiel der Elemente - die Faszination der unbändigen Kräfte, die eine ewige Inspiration sind. Tatsächlich wurden diese Titel erst im Nachhinein ausgewählt. Einige von ihnen - „Belmullet“, „Blacksod Lighthouse“ etc. - sind Orte und Punkte in der Grafschaft Mayo an der Nordwestküste Irlands. Dort, fernab des Großraums Dublin, verbrachte Christy Doran einen ganzen Monat während seines längeren Irlandaufenthalts. Auch wenn nicht beabsichtigt war, dass die Improvisationen all dies widerspiegeln, fügen sich Musik und Titel auf geradezu verblüffende Weise zu einem stimmigen Ganzen, das einerseits völlige Freiheit atmet, andererseits im Kern eine Art „irische Seele“ zu haben scheint.
Eine Besonderheit liegt in der Form der Improvisationen. Keines der Stücke driftet ins Ungefähre, ins Ziellose ab. Alle Stücke haben ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter. Das hat, da ist sich Doran sicher, neben der Aufmerksamkeit füreinander ganz wesentlich mit Kimuras musikalischer Vorbildung zu tun. „Sie ist klassisch ausgebildet. Wenn sie improvisiert, merkt man ihren Sinn für Komposition. Sie schaut immer, wie sie eine Form entwickeln kann.“ Mit Blick auf sich selbst und viele andere vom Jazz geprägte Improvisatoren fügt er hinzu: „Viele neigen dazu, zu viel zu spielen und nicht lange an einer Stelle zu bleiben. Das erhöht die Gefahr, dass es beliebig wird. Sie konnte mich immer wieder runterholen, mich dorthin führen, wo wir hinwollten. Das ist selten. Ich habe das Gefühl, dass wir richtige kleine Stücke geschaffen haben, die in sich abgeschlossen sind“.
Izumi Kimura wurde 1973 in Yokohama geboren. Sie studierte an einer renommierten Hochschule in der Nähe von Tokio, gefolgt von einer Ausbildung an der Royal Irish Academy of Music. Ihr Interesse galt zunehmend der zeitgenössischen Musik und den Möglichkeiten der Improvisation. Im Laufe der Jahre hat sie mit unzähligen Jazzmusikern und Grenzgängern gearbeitet, darunter Hemingway und Guy, Dominique Pifarely, Julian Arguelles, Ramon Lopez und Benoit Delbecq. Christy Doran, Jahrgang 1949, wurde mit dem Schweizer Progressive-Jazz-Quartett OM international bekannt, gefolgt von einer facettenreichen Karriere in allen möglichen Stilrichtungen, darunter ein populäres Jimi-Hendrix-Projekt und seine langjährige Stammband New Bag. Letztes Jahr erschien das erste Album seines magischen Trios Morpheus Trance, „In Trance We Trust“ (Double Moon Records). Improvisatorische Begegnungen wie diese sind ein ständiger Bestandteil seines Schaffens. „Alles, was ich mache, läuft bei mir parallel. Alles ist im Fluss.
Die Aufnahmen mit Izumi Kimura hat sich Christy Doran im Laufe der Zeit immer wieder angehört. Und immer gesagt: "Es macht jedes Mal Spaß, ich habe immer Spaß daran. It’s happening!“
Titelliste
- Breakwater
- Inishkea islands
- High tide
- Belmullet
- Whale tea party
- Downpatrick head
- Light frames
- Moon pull
- Blacksod lighthouse
- Horizon s invitation
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben