Cristina Branco

Cristina Branco
Cristina Branco, Foto: Vera Marmelo

Biographie

Cristina Branco (* 1972 in Almeirim, Portugal) ist eine portugiesische Sängerin.

Aufgrund von Cristina Brancos Vorgeschichte (geb. 1972 in Almeirim, Portugal) und ihrer Musik, könnte man – so wie in den Lyrics von Amála Rodrigues – sagen, dass sie den Fado lebt. Es war eine Häufung von glücklichen Umständen, welche die Fado Musik in Cristinas Leben brachte. Trotzdem war es auf gewisse Weise auch Cristina – mit ihrem ästhetischen Wagemut und einzigartigen Interpretationsstil – die Einfluss auf den Fado und dessen meist sehr tiefgreifende traditionelle musikalische und soziale Form nahm. „Es war anfangs eine Art Spiel, als ein Nachmittag der Songs unter Freunden,“ erzählt sie gerne. Nichts an Cristina deutete bis zu dieser Zeit auf irgend eine Weise an, dass sie ein Fado Sänger war. Bevor sie die Welt der Menores, Mourariar oder Maiores betrat, ging sie nicht in Fado Clubs und hörte auch nicht die Aufnahmen bekannter Sänger. Sie kannte einige Lieder, die ihr Großvater gerne für sich selbst sang, improvisierte zu den Texten und Melodien und bemerkte kaum, wie sie sich in ihr fest verankerten; und wie sie ihr Schicksal prägen würden. Auf der anderen Seite fühlte sie sich zu dieser Zeit viel mehr zu Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Janis Joplin und Joni Mitchell hingezogen, als zu Amália Rodrigues. So wusste sie nicht, als ihr Vater ihr zum 18ten Geburtstag unveröffentlichte Aufnahmen eines der wichtigsten Alben der größten Diva des Fado schenkte, wie sehr es ihr Leben verändern würde.

Noch mehrere Wochen bevor sie das erste Mal auf der Bühne stand – in Amsterdam, at Zaal100 – hätte sich Cristina nicht als Amateursängerin oder Teilzeitenthusiastin bezeichnet, wie es viele Fado Sänger üblicherweise tun, da sie durch die Musik versuchen ihre Freizeit zu füllen und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Der Fado hatte in ihrem Leben als Heranwachsende einen Platz auf die etymologische Ebene des Wortes (fatum = Schicksal) gefunden, seit sie ihre Bestimmung in der Gefühlswelt der Wörter zu suchen begann. 1996, im Alter von 24, machte Cristina trotz ihrer Schüchternheit zwei oder drei zufällige Gesangserfahrungen, die ihre einzigen öffentlichen Auftritte als „Sängerin“ darstellten.

Zu dieser Zeit wollte Cristina die „Kunst“ des Journalismus ausüben. Vielleicht gerade deshalb legte sie sowohl bei den Produktionen ihrer Alben, als auch in ihren Projekten besonderen Wert auf das gesprochene Wort. Eine Sängerin der Poesie, die das Beste, das Portugal zu bieten hat (Camoes, Pessoa, David Mourao-Ferreira, José Alfonso…), und viele Musiker anderer Länder (Paul Éluard, Léo Ferré, Alfonsina Storni, Slauherhoff) auf ihre Weise vereint. Dies verwandelt den Fado in eine Art repräsentativen Musikstil für die Poesie und das literarische Erbe Portugals.

Ein Jahrzehnt war bereits seit ihrem Debut im portugiesischen Kulturzentrum Amsterdams vergangen – in dem bereits José Afonso, Carlos Paredes, Sérgio Godinho und andere bekannte Musiker gespielt hatten – als Freunde ihre energetische und herzergreifende Poesie als Sinnbild ihrer Menschlichkeit und Kunst erkannten. Diese Eigenschaften sind wichtiger Bestandteil ihres Schaffens und charakteristisch für Cristina Branco. Weiterhin ist das immer noch größere Streben nach dem Klarheit und Lebensnotwendigkeit im Ausdruck beschreibend für sie, sodass - wenn sie ein Gedicht mit kristallinen Sinnlichkeit singt – ihre Stimme der Seele eine Form zu verleihen scheint.

Bezüglich des Fado tendiert man zu der Annahme, er konzentriere sich auf die tragischen Aspekte im Leben: Leiden, Sehnsucht und Hilflosigkeit wenn wir mit dem Schicksal konfrontiert werden. Diese lange überlieferte Tradition erschuf „Formeln“ um Gefühle auszudrücken, jedoch verloren diese im Laufe ihrer Wiederholungen die Energie, wurde ihrer Emotionen entleert und distanzierte sich immer mehr von den Texten. Cristina Branco wählte einen anderen Weg: den der Individualität und Einzigartigkeit und manchmal auch der ekstatischen Freude (wie in den meisten sinnbildlichen Stücken ihrer Karriere, „Sete Pedaços de Vento“, von Ulisses). Auf diese Weise erzeugte sie manches Mal Aufruhr bei den traditionellen Musikern des Fado. Letztendlich hat Cristinas musikalische Reise eine sinnbildliche Seite, die ihren Überdruss dessen, was war, unterstreicht.

Ohne naiver Weise nach einem Bruch mit Traditionen zu suchen, konzentriert sich Cristina auf die Suche danach, was in der Tradition das Beste ist und bringt dort durch ihre Originalität neues Leben hinein. In all ihren Aufnahmen erschafft Cristina Branco eine ertragreiche Beziehung zwischen Texten und der angeborenen Musikalität des Fado.

Christina Branco erschafft alle Emotionen, die das Musikgenre – mit seiner engen Verbindung von Stimme, Poesie und Musik – zu bieten hat. Gemeinsam mit anderen jungen Musikern, die Mitte der 1990er im Fado ihren eigenen Weg gefunden haben, sich auszudrücken, hat Cristina Branco begonnen, ihre Reise zu definieren. Respekt gegenüber der Tradition geht dabei Hand in Hand mit der Hingabe für Innovationen. Selbst wenn nichts in ihrem früheren Leben darauf hindeutet, dass Cristinas Schicksal der Fado werden sollte, so ist doch klar, dass sie einen Stil geschaffen hat, der völlig neu und möglicherweise einzigartig ist.

Text: o-tone music, http://www.o-tonemusic.eu/

Diskographie

  • Branco, 2018
  • Menina, 2016
  • Idealist, 2014
  • Alegria, 2013
  • Fado Tango, 2011
  • Kronos, 2009
  • Abril, 2007
  • Live, 2006
  • Ulisses, 2005
  • Sensus, 2003
  • Corpo Iluminado, 2001
  • O descobridor, 2000
  • Post-Scriptum, 2000
  • Murmúrios, 1999
  • in Holland, 1998

Links

Cristina Branco Internetseite:
http://www.cristinabranco.com/

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