Dan Berglund & Magnus Öström - E.S.T. Symphony

Dan Berglund & Magnus Öström - E.S.T. Symphony

Dan Berglund & Magnus Öström
E.S.T. Symphony

Erscheinungstermin: 28.10.2016
Label: Act, 20016

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Besetzung:
Royal Stockholm Philharmonic Orchestra
Hans Ek - conductor & arranger
Marius Neset - saxophone
Verneri Pohjola - trumpet
Johan Lindström - pedal steel
Iiro Rantala - piano
Dan Berglund - bass
Magnus Öström - drums

„Es wäre ein Fehler, über Esbjörns Musik in der Vergangenheit zu sprechen, denn seine Musik bleibt“, sagt Nils Landgren, Freund und musikalischer Weggefährte von Esbjörn Svensson. Mit dem Monumentalwerk E.S.T SYMPHONY erhält die Musik des bedeutendsten europäischen Jazzpianisten der 1990 bis 2000er Jahre eine sinfonische Form. Mehr noch, Stücke wie „Tuesday Wonderland“, „Viaticum“ oder „From Gagarin’s Point Of View“ werden dank eines 90-köpfigen Klangkörpers auf eine ganz neue Stufe gestellt. Sie führen, verewigt auf Noten und losgelöst vom e.s.t. Esbjörn Svensson Trio ein eigenes Leben.

Als Esbjörn Svensson 2008 bei einem Tauchunfall starb, war der Verlust für die Musikwelt groß. Das Mastermind des einflussreichsten europäischen Piano-Trios der letzten 25 Jahre hinterließ ein Vermächtnis, das es zu bewahren galt. „Für Dan, Magnus und mir war es seit Esbjörns Tod Verpflichtung und große Motivation, einen Weg zu finden, seine Musik für die Nachwelt zu erhalten. Mit der E.S.T. SYMPHONY wollen wir ihm ein verdientes Denkmal setzen, das an diesen großartigen Musiker und Menschen erinnert“, erzählt Burkhard Hopper, e.s.t. Manager und Initiator des Projektes.

Das die sinfonische Adaption der e.s.t. Musik ganz im Sinne Svenssons gewesen wäre, liegt nahe. In seinem Elternhaus wuchs er mit klassischer Musik auf. Die Mutter war Konzertpianistin. In der Band war Svensson der große Klassik-Fan. „Im Tourbus hörte er immer mit großer Vorliebe Bach. Und vor Konzerten spielte er sich gerne mit Chopin-Etüden ein“, erzählt Bassist Dan Berglund. Svensson war es auch, der die abendländische Kunstmusik in die e.s.t.-Musik einfließen ließ. Wie sehr er davon inspiriert war, hört man vielleicht am besten auf dem Album „Viaticum“. Auch die Idee, e.s.t. mit einem sinfonischen Klangkörper zu interpretieren, schwirrte Svensson, wenn auch unkonkret, zeitlebens durch den Kopf.

Die E.S.T. SYMPHONY entstand evolutionär, über einen Zeitraum von acht Jahren. Bevor das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra mit den Solisten ins Studio ging, wurde sie mehrfach aufgeführt. Feuertaufe war sicherlich das umjubelte Konzert im Musikverein Wien, dem heiligen Ort der Klassik-Welt. Immer wieder wurde am Programm gefeilt und nachjustiert, bis der perfekte Klang gefunden wurde. Den Ursprung nahm das Projekt 2003 auf Jazz Baltica, damals noch mit Svensson am Klavier. e.s.t. sollten etwas Besonderes präsentieren: Ein Kammerorchester kam hinzu und Svensson schrieb dafür die Arrangements. Darunter auch jenes für „Dodge the Dodo“, welches auf E.S.T. SYMPHONY nahezu in der Ursprungsfassung erklingt. Es wurde lediglich etwas großorchestraler aufbereitet.

Der schwedische Dirigent und Arrangeur Hans Ek ist der Schlüssel zum Projekt. Er ist es, der die Musik durch seine Arrangements zum Leben erweckt und ihr neue Wege zeigt. Es ist kein Zufall, dass er für die E.S.T. SYMPHONY ausgewählt wurde: Ek war ein Studienfreund von Berglund und realisierte Anfang der 90er Jahre sogar ein Orchesterprojekt mit Svensson am Klavier. Mit größter Sensibilität ging Ek an die Arrangements heran, immer in enger Abstimmung mit Öström und Berglund. So gelang es ihm, die e.s.t. DNA zu entschlüsseln und daraus einen neuen Klangkörper zu erschaffen.

e.s.t. standen einerseits für Experimentalität, andererseits aber auch für Ohrwurmmelodien und packende Hooklines. Was das Trio so einzigartig machte, war der Spagat, diese beiden Pole auf Spannung zu halten. Das Einfache nicht banal klingen zu lassen und das Komplexe begreifbar zu machen, war die große Kunst der Band. Und genau diese Gratwanderung findet sich auch in der E.S.T. SYMPHONY wieder: Ek ist es gelungen, ein eigenes Werk im Werk zu schreiben. „Es war eigentlich eine unmögliche Herausforderung aus einem Trio eine 90-köpfige Orchestermusik zu machen. Aber die Möglichkeit, e.s.t. eine neue Gestalt zu geben, hat mich gereizt. Die Vision von e.s.t. weiterzuführen, stand dabei aber immer im Vordergrund“, erzählt Ek.

„Bei jedem Stück übernimmt das Orchester eine bestimmte Funktion. Manchmal hat es die Aufgabe eines der Bandmitglieder zu imitieren, wie z.B. Dans Bassspiel oder auch Magnus Beats. Teilweise habe ich auch Klaviersolos von Esbjörn transkribiert und eingebaut, wie zum Beispiel das Zwischenspiel von „When God Created the Coffeebreak“ oder „Ajar“ (vom Album „Leucocyte“), das dann in die „e.s.t. Prelude“ eingeflossen ist. Dann habe ich auch elektronische Klangwelten kreiert, die die Originalkompositionen umhüllen. In Esbjörns Klavierspiel finden sich bekanntlich zahlreiche Bezugspunkte zur abendländischen Kunstmusik, die ich aufgenommen und verarbeitet habe. Und letztendlich war es immens wichtig, dass jeder Song von einem Solisten geprägt wurde, der dann wieder mein Schreiben beeinflusst hat. Zum Beispiel bei „Seven Days of Falling“, das Marius Neset am Tenorsaxofon featured. Hier habe ich das Orchester bewusst zurückgenommen und nur Marius Spiel (elektronisch) untermalt, denn es braucht keine zusätzliche Melodieführung, wenn das Saxofon bereits die ganze Geschichte erzählt.“

Nicht nur beim Orchester, sondern auch bei den Solisten wurde eine skandinavische Lösung gewählt: Mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra ist Ek eng vertraut, und die Solisten gehören zum Besten was der zeitgenössische europäische Jazz derzeit zu bieten hat: Neben Neset, der finnische Trompeter Verneri Pohjola, Berglunds Tonbruket-Weggefährte Johan Lindström und last but not least, am Klavier: Iiro Rantala. Der Finne, selbst einer der weltbesten Jazzpianisten unserer Zeit, imitiert mitnichten den verstorbenen Meister. Man entschied sich für eine andere Denkweise: Das Piano wurde quasi aufgeteilt. Die Aufgaben Svenssons übernehmen Klavier und Orchester gemeinsam. „Du kannst jemanden wie Esbjörn nicht ersetzen. Deswegen war es ein guter Weg, dem Orchester den dritten Teil des Trios zuzuschreiben. So dass der Fokus nicht auf dem Klavier liegt“, so Öström.

„Svenssons Spiel ist so persönlich und innig, aber trotzdem voller Energie und Virtuosität. Vor allem aber ist es sehr kommunikativ. Genau das haben wir auch mit der E.S.T SYMPHONY versucht“, erzählt Ek. Hört man das 78 Minuten lange Werk, wird einem dieses Bestreben eindrucksvoll vor Ohren geführt. Eine ungemein leidenschaftliche und kraftvolle Musik ist entstanden, die sich überaus präsent anfühlt und damit Erinnerungen an damalige e.s.t. Konzerte wach werden lässt. Mit Ehrfurcht vor dem Original, aber auch großem Gestaltungswillen ist ein emotionales Klangerlebnis mit Gänsehaut-Faktor entstanden. Eine Sinfonie, die den Meister zwischen den Notenzeilen lebendig werden lässt, aber auch darüber hinausgeht. Und somit beides ist: Erinnerung und Aufbruch.

  1. e.s.t. Prelude
  2. From Gagarin’s Point of View
  3. When God Created the Coffeebreak
  4. Seven Days of Falling
  5. Wonderland Suite
  6. Serenade for the Renegade
  7. Dodge the Dodo
  8. Eighthundred Streets by Feet
  9. Viaticum Suite
  10. Behind the Yashmak

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