Das Ende der Liebe x su dance110 - Persist

Das Ende der Liebe x su dance110 - Persist - Albumcover
Das Ende der Liebe x su dance110 - Persist

Das Ende der Liebe x su dance110
Persist

Erscheinungstermin: 14.02.2025
Label: Anunaki Tabla, 2025

Das Ende der Liebe x su dance110 - Persist - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Die Art und Weise, wie der Klang entsteht, wie er produziert wird, ist hier von großer Bedeutung. Überlappende Spuren, elektronische Transformationen, plötzliche melodische Ausbrüche, Synthesizerklänge - in all dem spürt man eine Herausforderung des vorhersehbaren, polierten Sounds moderner Aufnahmen. Die starke Präsenz der Elektronik und die Stimme und Artikulation von su dance110, die sich perfekt in das gesamte Album einfügen, spiegeln den rituellen Charakter der folgenden Stücke treu wider. Ein fast „unjazziges“ Album für Jazzliebhaber, das durch und durch modern, experimentell, überraschend ist und den Hörer einlädt, ganz offen für genreübergreifende Erkundungen zu sein. (Jacek Brun, 15.02.2025)

Besetzung

su dance110 - Vocals, Electronics
Andreas Völk - Live Sampling, Barth Audios, Voice, Organs, Fender Rhodes, Percussion
Laurenz Gemmer - Yamaha CP70 (plain, prepared, sampled), Melodica, Ableton Live
Kenn Hartwig - Electric Bass, Sitar, Nintendo GameBoy, Spherical Sound Society Glitch Storm MK2
Thomas Sauerborn - Acoustic Drum Set + FX Pedals, Drum Pads, Doepfer Midi Ribbon to Eurorack Modules

Über das Album "Persist" von Das Ende der Liebe x su dance11

Ob die vier Mitglieder der Band Das Ende der Liebe tatsächlich der Meinung sind, dass die Liebe kälter ist als der Tod, ist nicht bekannt - auch wenn der zum Bandnamen gewordene Orakelspruch die eine oder andere Vermutung zulässt.

Aber wir wollen uns nicht mit Spekulationen aufhalten, denn es gibt Großes zu erzählen: Das Ende der Liebe, respektvoll und schlicht „DEDL“ genannt, hat am 14.02.2025 eine neue LP namens Persist auf den Markt gebracht. Für die Freaks und Sonderlinge, Aussteiger*innen und Außerparlamentarier*innen, Hedoniker*innen und Sardoniker*innen, die sich 2022 vom Glitzi-Glitzi-Cover des letzten SCHNE*E-Albums haben verführen lassen, geht ein kleiner Traum in Erfüllung, denn schließlich sind schon wieder Tage und Jahre ins Land gegangen, seit der Aufschlag der DEDL-Vision geglückt ist.

Andreas Völk (Live Sampling, Barth Audios, Stimme, Organs, Fender Rhodes, Percussion), Laurenz Gemmer (Yamaha CP70 (plain, prepared, sampled), Melodica, Ableton Live), Kenn Hartwig (Electric Bass, Sitar, Nintendo GameBoy), Spherical Sound Society Glitch Storm MK2) und Thomas Sauerborn (Acoustic Drum Set + FX Pedals, Drum Pads, Doepfer Midi Ribbon to Eurorack Modules) zogen als Kolchosbauern aufs Feld und bestellten lysergische Felder: Hier wurde (und wird) richtig getrippt.

Für das neue musikalische Abenteuer wurde die in Berlin lebende, nicht-binär transdisziplinär arbeitende Künstlerin und Avantgardistin su dance110 an Bord geholt, die mit Stimme und Effekten bewaffnet der musikalischen DEDL-Vision eine ganz neue Facette abgewinnt. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam? DEDL-Mensch Andreas Völk traf Teilzeit-DEDL-Mensch su dance110 bei einer Residency in der Dominikanischen Republik - und es klickte sofort. Seitdem haben sie bereits eine Cassingle (Kassetten-Single!) namens „MINT / VIOLETTA“ aufgenommen und einige Remixe veröffentlicht. Was noch fehlte, war die Albumlänge - und die holen sie mit Persist nach.

Man lässt sich nicht lange bitten: Der Opener „Mount Q“ ist ein Zug im Vollrausch, ein stotternder Vierzylinder, der von elysischen Stimmbändern in einen gefährlichen Strudel gerissen wird. Schnell wird klar, dass hier die einzelnen Klangquellen nur sporadisch auszumachen sind, denn es geht um die Mischung, den Mix. Ein Saxophon entpuppt sich als Stimme, eine Percussion-Linie schlüpft aus der Synthese, der Chor ist auch nicht wirklich menschlichen Ursprungs - alles ist so wild und ungezähmt, dass man sich immer wieder zwicken muss: Ja, das ist nicht nur geil, das ist auch großartig.

Es gibt noch so viel mehr zu entdecken, wie den scharfkantigen Sex-Dub „S Low“, das wabernde Titelstück „Persist“ und den kosmischen Soundtrack „Fire Organ“, um nur einige der elf Stücke zu nennen. In Gedanken pendelt man leidenschaftlich zwischen den Mancusian Studios der Soundforscher um Demdike Stare, der New Yorker Knitting Factory Mitte der 90er Jahre oder der zeitgenössischen Avantgarde-Szene Tokios hin und her - so jedenfalls die Assoziationen des Autors dieser Zeilen.

Wer sich noch intensiver mit dem Material auseinandersetzen möchte, dem sei ein Besuch in der hauseigenen „DEDL Megaworld“ empfohlen. Dabei handelt es sich um ein digitales Archiv, eine erkundbare Homepage, die Alben, Live-Sets und auch ungeschnittenes Studiomaterial für Abenteurer*innen bereitstellt. Neben älterem Material gibt es vor allem das zu entdecken, was im Oktober 2023 im Candy Bomber Studio von Ingo Krauss in nur drei Tagen in wilden Sessions aufgenommen wurde. Man spürt im soundtrackartigen Giallo-Sound von „Mount R / Da. Send in the Language of Light“ die Kraft der Improvisation und des Loslassens. Die Kraft von Persist entsteht aus der Direktheit - Overdubs sucht man hier vergeblich.Rainer Werner Fassbinder, der Autor des eingangs erwähnten Films Liebe ist kälter als der Tod, soll einmal gesagt haben, dass er lieber Filme mache als Bomben zu werfen. DEDL und su dance110 sehen das anders, werfen Songs als Neurobomben in die Synapsenspalte und genießen die Achterbahnfahrten durch Persist und die DEDL Megaworld.

2014 machten sich vier Vibrationsalchemisten in einem morschen Kölner Keller an die Arbeit, eine neue Form der clubmusikalischen Improvisation im Geiste des Jazz zu entwickeln, verstrickten sich aber stattdessen in emotionale Diskussionen über Aliens und Agogik, Minimalismus und Maya-Sternzeichen, RFID-Chips und karnatische Rhythmik.

Andreas Völk, Laurenz Gemmer, Kenn Hartwig und Thomas Sauerborn lernten sich im Umfeld der HfMT Köln kennen und spielten bereits in anderen Projekten zusammen. Die im Jazzstudium vermittelten Axiome galt es in einem Akt der Befreiung zu zerstören - The End of Love war geboren. Ihre unendliche Musik ist stets frei improvisiert und lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen.

Der erste, längst vergriffene Tonträger ist trotz Gameboy-Einsatz noch halbwegs jazztraditionell, bei späteren Aufnahmen kommen u.a. zum Einsatz Live Sampling, Barth Audios, Kawai EP308, Voice, Effects, Ableton Live, Live Beat- & Sound Processing, Synths, Fender Rhodes, Organs, Percussion, Yamaha CP70 (plain, prepared, sampled), Melodica, KW-Radio, Laptop, Software, Circuit-Bending, Electric Bass, Sitar, Spherical Sound Society Glitch Storm MK2, Acoustic Drum Set + FX Pedals, Drum Pads, Doepfer Midi Ribbon to Eurorack Modules.

Nicht nur in der Instrumentierung, sondern auch in anderer Hinsicht geht die Band ihren eigenen Weg: Das Ende der Liebe spielt keine Songs, sondern frei improvisierte Sets. Die Musik entsteht im Moment und kann 60 Minuten, 90 Minuten, zwei Stunden oder länger dauern. Sieben Jahre dauerte es, bis das erste „Studioalbum“ Bright Euro Teen Gets Educated About Life by Trip Music Band erschien, aufgenommen in einem Kellerverschlag. Die letzten Veröffentlichungen waren die Doppel-Vinyl SCHNE*E (2022), mit der DEDL deutlich elektronischer und abstrakter wurde, und die MC „Mint / Violetta“ (2023). SCHNE*E wurde vom Magazin GROOVE zu einem der Alben des Jahres gewählt.

Interdisziplinäre Projekte wie Konzerte und Events mit zeitgenössischem Tanz gehören zum Universum der Band. Für das Stück „Mint“ wurde in Zusammenarbeit mit pollionations.ai ein KI-generiertes Video produziert. Darüber hinaus gab die Band Workshops zu den Themen Improvisation, Banddynamik und Technikeinsatz, an denen sowohl Studierende als auch Laien als Publikum teilnahmen.

Das Ende der Liebe veröffentlicht exklusiv auf dem von drei der vier Bandmitgliedern betriebenen Label Anunaki Tabla (https://anunaki-tabla.com), das sich auf Musik konzentriert, die sich ähnlich wie die der Band nur schwer in Genres einordnen lässt. Die eigene künstlerische Ausrichtung beschreibt das Label folgendermaßen: „Anunaki Tabla ist ein deutsches Musiklabel für Alien-Jazz, Quantum-Rock und Low-Current-Electronica“.

Unter https://megaworld.dasendederliebe.de entsteht zudem das Musikarchiv der Band mit dem Ziel, alle bisherigen und zukünftigen Veröffentlichungen der Band an einem Ort zu bündeln. Schieberegler mit Bezeichnungen wie „Lysergic“, „Dance“, „Erotic“ sowie Kill-Switches für bestimmte Instrumententypen sorgen dafür, dass sich jeder Besucher aus dem gesamten DEDL-Kosmos eine Playlist nach seinem Geschmack zusammenstellen kann.

Dan Su, mit Künstlernamen su dance110, ist ein*e chinesische*r Avantgarde Künstler*in, Komponist*in, Choreograf*in und Gründer*in von „3087 Records“. Dey arbeitet mit Klang und Bewegung im Kontext von Performance, Musik und bildender Kunst. Ihre Studien in quantitativer Methodik und zeitgenössischem Tanz durchdringen ihr Denken auf konzeptueller und physischer Ebene. su dance110s Musik integriert Elemente verschiedenster Genres, extreme Klänge und offene Erzählstrukturen - immer im Einklang mit ihrer eigenen Labelphilosophie des Acoustic Movies. Als Sänger*in performt su dance110 eine eigene Fantasiesprache, in der sich Spielarten des Sprechgesangs von Freestyle-Rap bis hin zu Folk-inspirierten Gesangstechniken finden.

Andreas Völk, geboren 1989 und wohnhaft in Berlin, ist ein vielseitiger Musiker und Künstler, dessen kreative Ausdrucksformen die Grenzen zwischen improvisierter Musik und Videokunst vereinen. Seine künstlerischen Ambitionen beschränken sich nicht nur auf sein Soloprojekt. Er ist auch als Gitarrist, Sänger und Produzent in verschiedenen Bands wie Das Ende der Liebe und Center for Mind and Brain aktiv. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Andreas als Studio- und Labelbesitzer (Sauna Studio Berlin / Anunaki Tabla) sowie als Kurator und Organisator der Gaswerk Music Days Berlin aktiv.

Laurenz Gemmers künstlerischer Schwerpunkt liegt im Bereich der Klavierimprovisation, in dem er seit seiner frühen Jugend einen eigenen, intuitiven Stil prägt, der sich stilübergreifend dem Musikalischen zuwendet. Gemmers künstlerischer Weg entfaltet sich zwischen Neuer Musik, Jazz und Klassik". Als inspirierend beschreibt er auch die intensive Beschäftigung mit karnatischer Musik, Clubnächte in Berlin und Zürich, die Zusammenarbeit mit indischen und afrikanischen Musikern. Der Vintage-Hybrid-Flügel Yamaha CP70 ist derzeit Gegenstand einer fast einsamen elektroakustischen Vision und der Arbeit an seiner Kombination mit der Software Ableton Live. Improvisation und Interdisziplinarität als wesentliche Kontinuitäten seiner künstlerischen Arbeit spiegeln sich als Gegenstand und Methode seiner Lehrtätigkeit an den Musikhochschulen in Freiburg und Köln wider.

Kenn Hartwig (*1986 in Flensburg) Neben seinen Bands Das Ende der Liebe und dem Krautjazz-Outfit C.A.R. malträtiert Kenn Hartwig in seinem Soloprogramm „Gameboys and Pedals“ alte 8-Bit-Schaltungen, bis die Synapsen in Sägezahnwellen vibrieren. Der Absolvent der HfMT Köln und des Bundesjazzorchesters verbringt seine Zeit außerdem leidenschaftlich gerne mit Webentwicklung und dem Mixen von Tiki-Drinks.

Thomas Sauerborn (*1987 in Nürtingen) ist Schlagzeuger, Komponist, Bandleader und Labelbetreiber aus Köln. Sein musikalisches Schaffen konzentriert sich vor allem auf zeitgenössische und experimentelle Musikströmungen. Zuletzt veröffentlichte er 2024 sein Solo-Beckenalbum [zimbel] music for a suspended cymbal und konzertiert neben Das Ende der Liebe mit seinem europäischen Improvised Music Quartett „Mount Meander“ sowie dem „Trio Pollon“ national und international u.a. beim Enjoy Jazz Festival, Klaipeda Jazzfestival (LT), Moers Festival, Copenhagen Jazz Festival (DK), AchtBrücken Köln, WDR Jazzfest, Euroblast Festival und Klavier Festival Ruhr. Seit 2024 ist er NICA artist development artist.

Text: Anunaki Tabla

Titelliste

  1. Mount Q
  2. Illvision
  3. S Low
  4. Mount K
  5. Archaeopteryx
  6. Persist
  7. Laber
  8. Kawas
  9. Delphi Flux
  10. Feuer Orgel
  11. Mount R / Da. Sende in the Language of Light

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