It’s the singer AND the song
Das Fernanda von Sachsen Quartett im Studiokonzert (5.6.2026)
Von Robert Fischer
Wie gut eine Sängerin ist, kann man auch daran erkennen, mit welchen Musikern sie sich umgibt. Bei Fernanda von Sachsen ist das ziemlich eindeutig: Mit Pablo Struff (Piano), Sebastian Claas (Kontrabass) und Jonas Sorgenfrei (Schlagzeug/Percussion) hat sie Instrumentalisten an ihrer Seite, die sicher nicht daran interessiert sind, nur eine gefällige Begleitung abzugeben. Nun ist Fernanda von Sachsen aber auch nicht „nur“ eine Sängerin, sondern eine gleichermaßen ambitionierte Musikerin, die interessante Stücke schreibt: erfreulich eigenwillig und schon jetzt sehr selbstbewusst gegen den (Mainstream-)Strich gebürstet. Dafür hat die gerade erst 27 Jahre alt gewordene Fernanda von Sachsen, die als Tochter einer Opernsängerin in einem musikalischen Umfeld aufgewachsen ist und bereits als Fünfjährige Klavier zu spielen sowie im Chor zu singen begann, auch schon etliche Preise eingeheimst: den Bayerischen Kunstförderpreis 2025 und den Solisten-/Kompositionspreis des jungen Münchner Jazzpreises 2025 sowie mit ihrem Quartett den 2. Preis des Jungen Münchner Jazzpreises 2025. Was da noch fehlt, ist ein Debütalbum. Und höre da: Genau das hat sie gerade eingespielt und zum Abschluss der Aufnahmen in einem kleinen Studiokonzert einem interessierten Fachpublikum vorgestellt.
Studiotechnik vom Feinsten
Freitagabend in Oberhaching bei München. Das Kyberg Studio ist schon in seiner äußeren Erscheinung eine Augenweide. Im Inneren zeigt sich, dass der komplett aus Holz errichtete, ebenerdige Bau mit seinen großen Fenstern nicht nur schön anzusehen, sondern auch State of the Art ist, was das so komfortable wie klangtechnisch ausgeklügelte Studiodesign angeht. Jason Seizer, selbst Saxofonist und Komponist sowie ein erfahrener Musikproduzent, erläutert kurz die Vorzüge des von Wendelin Lichtblau geplanten Studios, in dem die Holzoberflächen der Wände in Kombination mit Absorber- und Diffusor-Deckenelementen, unterschiedlich abgestuften Sparrenhöhen sowie einer ansteigenden Decke für eine hervorragende Akustik sorgen.
Danach stellt Andreas Heuck, der 1. Vorsitzende von mucjazz e.V., einem Münchner Verein zur Förderung von Jazz, kurz Fernanda von Sachsen und ihr Quartett vor, das hier gerade an zwei Tagen sein Debütalbum aufgenommen hat. Am Mischpult saß dabei mit Kseniya Kawko eine auf Klassik und Jazz spezialisierte Tonmeisterin, die nun auch im Konzert für einen exzellenten Klang sorgen wird …
Ein viel versprechendes Konzert
Und dann geht es auch schon los. Auffallend ist von Beginn an, wie gut eingespielt die vier sind, wie aufmerksam alle aufeinander achten und wie liebevoll im Detail die Stücke ausgearbeitet wurden. Fernanda von Sachsen, die über eine auch klassisch ausgebildete Stimme verfügt, hat erkennbar Lust daran, sich und das, was frau mit einer Stimme im Jazz noch so alles machen kann, auszuprobieren. Sie singt und spricht, spricht und singt, wechselt zwischen Englisch und Deutsch, experimentiert mit Lautmalereien, interessiert sich auch für Themen jenseits des eigenen Erfahrungshorizonts (rechercheweise beispielsweise über älter werdende Frauen), verführt mit lyrischen Melodien, ausgefeilt expressiver Harmonik und gern auch mal etwas groovigeren Rhythmen. Bewundernswert dabei ist ihr Mut zur komplex angelegten Komposition, zum großen Bogen, zur dynamischen Entfaltung einer ganz eigenen Musik, von der man in diesem Konzert vielleicht noch nicht immer erkennen kann, wie sich das mal zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügen wird. Aber vielleicht soll es das ja auch gar nicht, soll disparat bleiben und dann eben auf diese Weise: schön. In jedem Fall darf man gespannt darauf sein, wie das fertige Debütalbum klingen wird.
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