Sechs Musiker:innen der Münchner Jazzszene bündeln ihre Kräfte: Das niq kollektiv verbindet kreative Konzertformate, gesellschaftlichen Dialog und neue Formen des musikalischen Austauschs.

Luca Zambito
Luca Zambito, Foto: Robert Fischer

Von Robert Fischer

Nein, das sind keine einfachen Zeiten für Musizierende. Selbst ein längst etablierter Künstler wie der Trompeter Till Brönner sagt in einem Interview mit der Zeitschrift JAZZTHETIK (Ausgabe 11/12 2025), dass für den Inhalt (die Musik) immer weniger und für die Verpackung (das „Produkt“) immer mehr Zeit aufgewendet werden muss: „Wer seiner Integrität den Vortritt geben möchte, nach wie vor, der muss eigentlich entscheiden, sich trotz dieser Erwartungen und trotz dieser Entwicklungen uneingeschränkt der Musik und dem Inhalt zu widmen, um dort nicht qualitative Abstriche zu machen. Und das tun, denke ich mal, auch eine ganze Menge Künstlerinnen und Künstler zwangsläufig.“

In jedem Fall gilt das für das Münchner niq Kollektiv, zu dem sich sechs Akteur:innen der Münchner Jazzszene (Fiona Grond, Valentin Renner, Isumi Rögner, Moritz Stahl, Sebastian Wolfgruber und Luca Zambito) zusammengefunden haben, die allesamt mit ihren eigenen Projekten für künstlerische Integrität stehen und zudem gewillt sind, auch bei der Präsentation ihrer Musik und der Kommunikation mit dem Publikum eigene Wege zu gehen. Das Kollektiv, in dessen Name der Gründungsort – (Mu)niq(ue) – anklingt, versteht sich „als Nährboden für Ideen, Kollaborationen und künstlerische Prozesse aller Art in Verbindung mit aktuellen Strömungen des Jazz und improvisierter Musik. Es soll als Dreh- und Angelpunkt in München Verbindungen innerhalb der regionalen, aber auch zur überregionalen Szene herstellen. Durch innovative Veranstaltungs- und Vermittlungskonzepte soll der Austausch innerhalb der Szene aber auch zwischen Künstler:innen und Publikum angeregt werden“.

Konkret umgesetzt wurden bislang drei Veranstaltungs- und Vermittlungskonzepte:  PIQ/NIQ, PA/NIQ und NIQ/EXCHANGE. Ersteres ist „ein niederschwelliges Konzertformat in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre“, bei dem das Kollektiv seinen Proberaum im zweiten Stock des ehemaligen Münchner Gasteigs (heute: Fat Cat) als „Labor für neue Projekte aus der Münchner Szene“ anbietet, die sich „zunächst einmal vor kleinem Publikum ausprobieren wollen“. Das zweite Konzept verbindet Podiumsdiskussionen zu kulturellen, politischen und sozialen Themen mit Konzerten, auch um Querverbindungen zwischen dem Jazz und der Stadt herzustellen. Beim dritten Konzept steht der musikalische Austausch im Mittelpunkt: Neben den jeweiligen Sets der eingeladenen Bands gibt es hier immer auch ein gemeinsames Set in der Mitte der Veranstaltung – was dabei entsteht, bleibt ganz den Künstler:innen überlassen. Der nächste Termin dafür ist der 18. November 2025 – eingeladen zum Konzert (wie zum musikalischen Austausch) in der Blackbox im Fat Cat sind die Kölner Band HILDE und das Münchner Katharina Pfeifer Trio.

Es geht also, das zeigen alle diese unterstützenswerten Initiativen, um ein verstärktes Miteinander: Ein gutes Zeichen in nicht ganz einfachen Zeiten, von dem nicht zuletzt auch das Publikum profitiert. Am besten trägt man sich auf der Website in den Newsletter des niq Kollektivs ein und wird dann stets über alle anstehenden Aktivitäten informiert.

Text: Robert Fischer
Fotos: Robert Fischer, Anna Sorgalla, Sebastian Pfeifer

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