Das Trio Endern präsentiert sein Debütalbum: free/transcripts

Die Zukunft des Jazz?

Ich habe die Zukunft des Jazz gesehen, und ihr Name ist: Endern? – Okay, das ist natürlich Quatsch, denn zum einen heißt der Autor dieser Zeilen nicht Jon Landau, und zum anderen geht es hier weder um Rock'n'Roll noch um Bruce Springsteen. Sondern: um Jazz in einer seiner aktuellsten, experimentierfreudigsten, die Zukunft mindestens vorausdenkenden Spielarten.

Immer ein guter Ort für spannende Entdeckungen in den Bereichen Tanz, Theater und Musik ist das Münchner Schwere Reiter, und so war auch das, was das aus dem Saxophonisten Moritz Stahl, dem Pianisten Sebastian Pfeifer und dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber bestehende Trio Endern hier am 17. Dezember 2024 zur Aufführung brachte, bestens geeignet, einem die Gehörgänge frei zu pusten, den Kopf zu stimulieren und überhaupt: gute Laune zu machen. Gespielt wurde im Wesentlichen das Programm des am 20. Dezember bei BOOMSLANG RECORDS erscheinenden Debütalbums, das mit seinem Titel – free/transcripts – auch gleich das Konzept der Musik benennt: Ausgehend von gemeinschaftlichen Improvisationen, die zunächst aufgenommen, dann in ihren gelungensten Partien transkribiert und zur Basis auskomponierter Teile (wie zur Grundlage neuer Improvisationen) werden, entsteht ein komplexes Klangbild von höchst eigenständigem Charakter.

Dass das Ganze so gut gelingt, hat natürlich zuerst mit den drei Protagonisten zu tun: Gemeinsam ist allen Beteiligten, dass jeder für sich mit seinem Instrument (inklusive diverser, gern auch elektronischer Modifikationen und Erweiterungen) jederzeit ein eigenes 90-minütiges, in keiner Sekunde langweiliges Set spielen könnte. Gemeinsam scheint allen auch eine musikalische Neugier zu sein, die sie in die Lage versetzt, tradierte Stilgrenzen weit hinter sich zu lassen. Zu einem echten Glücksfall aber wird das Trio erst in der Kombination dieser drei Individuen, die bei aller Eigenständigkeit auch eine hohe Bereitschaft (und Fähigkeit) zur reaktionsschnellen Interaktion haben, bei der es nie zuerst darum geht, selbst zu glänzen, sondern immer darum, aus einer musikalischen Idee das beste zu machen. Dass dieses „beste“ im einen Konzert ganz anders klingen kann als im nächsten, sollte nicht zuletzt die Musikfestivalmacher aufhören lassen, die auf der Suche nach neuen innovativen Formationen sind. Das Trio Endern jedenfalls hat sich mit seinem Pre-Release-Konzert im Schwere Reiter bestens dafür empfohlen, auch auf großen und größten Bühnen entdeckt zu werden.

Text und Fotos: Robert Fischer

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