David Helbock - Tour D'Horizon - From Brubeck To Zawinul

David Helbock - Tour D'Horizon - From Brubeck To Zawinul

David Helbock
Tour D'Horizon - From Brubeck To Zawinul

Erscheinungstermin: 25.05.2018
Label: ACT, 2018

David Helbock - Tour D'Horizon - From Brubeck To Zawinul - bei JPC kaufenDavid Helbock - Tour D'Horizon - From Brubeck To Zawinul - bei Amazon kaufen

David Helbock - piano, electronics & percussion
Andreas Broger - saxophones, clarinets & various reed instruments
Johannes Bär - tuba, trumpet & various brass instruments

David Helbock ist ein „konsequenter Spurensucher am Puls der Zeit“ und „begnadeter Geschichtenerzähler am Klavier“ (3sat Kulturzeit). Bereits auf seinem ACT-Debüt „Into the Mystic“ hat der Österreicher bekannten Kompositionen einen neuen, persönlichen Stempel aufgedrückt: von Beethoven über Thelonious Monk bis zu John Williams schlug er damals den Bogen rund um Sagen, Mythen und Spirituelles.

Bei seinen neuen Exkursionen konzentriert sich Helbock mit dem Random / Control Trio ganz auf seine musikalischen Vorbilder am Klavier. Sein neues Album ist eine „Tour d’Horizon“ - so auch der Titel – zu den Granden des Jazzpianos: „Ich habe dafür Stücke von meinen Lieblingspianisten ausgesucht, von denen, die meinen musikalischen Horizont erweitert haben“, erklärt er. Der weite Bogen seiner 12 Standard-Interpretationen reicht vom klassischen spanischen Komponisten Joaquín Rodrigo und dessen legendärem zweiten Satz des „Concierto de Aranjuez“ - was daran erinnert, dass auch Helbock von der Klassik kommt – bis zu Carla Bley, die mit ihrem aus nur einem melodischen Fragment bestehenden „Utviklingssang“ bewiesen hat, dass sie „eine völlige Meisterin darin ist, einfache, aber geniale Melodien zu erschaffen, die im Ohr des Hörers bleiben und augenblicklich eine Stimmung bei ihm erzeugen“, wie Helbock es beschreibt. Beim Thema Songwriting kam er an zwei Kollegen nicht vorbei, die jeweils die stilprägendsten Komponisten ihrer Zeit waren: Duke Ellington natürlich, dessen „In A Sentimental Mood“ für Helbock „in der Mitte zwischen seinen Epoche-machenden Suiten und seinen tanzbaren Chart-Hits steht und sich deshalb als gute Wahl anfühlte.“ Und der vor genau zehn Jahren viel zu früh gestorbene Esbjörn Svensson, dessen neues Mischungsverhältnis zwischen Dynamik, Groove und Melodik - hier von Helbock mit „Seven Days of Falling“ eindrucksvoll vor Augen geführt - geradezu eine neue Jazzschule begründet hat.

Es ist auch jener Pianist vertreten, den Helbock gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen hat: „Zu Keith Jarrett habe ich eine besondere und besonders emotionale Beziehung“, berichtet er. „Meine Mutter hörte seine Musik ständig während ihrer Schwangerschaft. Deshalb vermute ich, dass das erste Stück, das ich überhaupt hörte, bevor ich überhaupt geboren war, „My Song“ gewesen sein muss.“

Herbie Hancocks „Watermelon Man“ wiederum steht für Helbocks musikalisches Erwachen als Teenager: „Eine Greatest Hits-Compilation von ihm war das erste Album, das ich mir selbst gekauft habe.“ Joe Zawinul darf ebenfalls nicht fehlen, ist er doch als Österreicher, der die Jazzwelt eroberte, ein strahlendes Vorbild. Mit Miles Davis‘ „Blue In Green“ und Paul Desmonds „Take Five“ finden sich schließlich sogar zwei Stücke, die nicht von Pianisten komponiert sind. Aber die doch untrennbar mit den Tasten-Großmeistern der sie zuerst einspielenden Bands verbunden sind: mit Bill Evans und Dave Brubeck.

„Covern“ wäre nun freilich das Letzte, was einem zu Helbocks Adaptionen einfiele. Zu eigenwillig ist sein Zugriff auf die Klassiker der Jazzpiano-Geschichte. Was bei der Besetzung beginnt: Helbock vertraut das Projekt seinem schlagzeuglosen Random / Control Trio mit den beiden multiinstrumentalen Bläservirtuosen Andreas Broger und Johannes Bär an. Die Vorarlberger Freunde haben sich bereits beim Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) bis in die Pop-Hitparaden hinein einen Namen als humorvolle Klanganarchisten gemacht. Eine Anarchie, die die beiden Ein-Mann-Orchester freilich stets – zum Beispiel auch in Bands von Matthias Schriefl oder Phil Yeager – einem Plan, einem Arrangement folgen lassen. Was auf „Tour d’Horizon“ schon zum Einstieg mit Abdullah Ibrahims vor Lebensfreude platzenden „African Marketplace“ mustergültig vorgeführt wird: Mit insgesamt über 20 Instrumenten vom Didgeridoo bis zur Tuba wird der Titel beim Wort genommen, und auch Helbock nutzt nicht nur die Tasten, sondern auch direkt die Saiten und perkussiv den Holzkorpus des Flügels.

Schrille Flöten, beatboxende Stimmen oder Synthesizersounds, die drei Wirbelwinde nutzen alles Denkbare und mehr bei ihrem mitreißenden Parforceritt durch Helbocks ganz persönliche Musikgeschichte. Einmal mehr entfacht diese „Tour d’Horizon“ mit dem Jazz-Spirit das Glimmen der Tradition zu einem strahlenden Leuchtfeuer für die Zukunft.

  1. African Marketplace
  2. Seven Days Of Falling
  3. Concierto de Aranjuez - Adagio
  4. Spain
  5. In A Sentimental Mood
  6. Mercy, Mercy, Mercy
  7. Blue In Green
  8. Watermelon Man
  9. My Song
  10. Utviklingssang
  11. Bolivia
  12. Take Five

Einen Kommentar schreiben