Frauenpower pur: Dee Dee Bridgewater bei der Eröffnung des Jazzsommer 2025 im Münchner Hotel Bayerischer Hof

Dee Dee Bridgewater
Dee Dee Bridgewater, Foto: Robert Fischer

Was für ein Auftakt! Zur Eröffnung des diesjährigen Sommerfestivals im Bayerischen Hof – alljährlich ein Höhepunkt nicht nur der hiesigen Jazzszene – feierte ein begeistertes Publikum im voll besetzten Festsaal des traditionsreichen Nobelhotels die „amtierende Königin des klassischen amerikanischen Jazzgesangs“, Dee Dee Bridgewater. Mitgebracht hatte sie ein exzellentes Quartett – neben ihr selbst Carmen Staaf als musikalische Leiterin am Flügel und Synthesizer, Rosa Brunello am E- und Kontrabass und Shirazette Tinnin am Schlagzeug – sowie ein Programm, das unter dem Titel „WE EXIST!“ Protestsongs femininer Musikikonen wie Roberta Flack, Nina Simone und Abbey Lincoln versammelte. Wobei dieser Titel gleich in zweierlei Hinsicht ein Statement war: Ja, an dieser geballten musikalischen Frauenpower führt schon lange kein (männlich-chauvinistischer) Weg mehr vorbei, und ja, es gibt es immer noch, das andere, bewahrenswerte, bewunderungswürdige Amerika, das in den aktuellen politischen Irrungen und Wirrungen  unterzugehen droht.

Welche Souveränität sich eine 75 Jahre junge Künstlerin in ihrer langen, u.a. mit drei Grammys ausgezeichneten Jazzkarriere erwerben kann, machte Dee Dee Bridgewater von dem Moment an deutlich, in dem sie die Bühne betrat. Sofort hatte sie das Publikum mit ihren warmherzig-freundlichen Ansagen und, natürlich vor allem, ihrem wunderbar kraftvoll-facettenreichen Gesang auf ihrer Seite.
Schön, dass sie es nicht beim Namedropping der oben erwähnten Künstlerinnen beließ, deren Songs sie sang, sondern immer auch eine kurze Geschichte dazu oder zu ihrem biografischen Hintergrund erzählte. Bei Abbey Lincoln erinnerte sie sich etwa daran, wie ihr Vater, der selbst als Trompeter in der Band von Dinah Washington spielte, ein Livealbum von Abbey mit nach Hause brachte, das die damals Zwölfjährige tief beeindruckte.

Höhepunkt des Abends war für viele Dee Dee Bridgewaters ungemein berührende Version des von Abel Meeropol komponierten, durch Billie Holiday berühmt gewordenen Protestsongs „Strange Fruit“. Dass sie die Größe hatte, in einem lauter weibliche Ikonen featurnden Konzert daraufhin ein mit einem ausgedehnten Schlagzeugsolo beginnendes Stück von Bob Dylan, „Gotta Serve Somebody“, zu spielen, kommentierte sie selbst mit den Worten „Why not?“ Und, ja, warum soll nicht ein Sänger, der in der Filmbiografie „I’m not there“ durchaus überzeugend von einer Frau, Cate Blanchett, verkörpert wird, in einem feminine Energie feierndem Programm auftauchen?

Wie überhaupt die Botschaft des rundum gelungenen Festivalauftakts eine geschlechterübergreifend universale war: „Raise your voice – keep democracy alive“ rief Dee Dee Bridgewater nach Standing Ovations und einer umjubelten Zugabe ins Publikum. Und dem ist an dieser Stelle nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen.

Text und Fotos: Robert Fischer

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Kommentar von Herbert Schmid-Eickhoff |

Ja, sie war absolut authentisch! In ihrer Power, aber auch Feinfühligkeit, Songs zu interpretieren die sie Jahre zuvor schon mit Künstlern aufgeführt hatte, die diese Songs komponiert oder aus der Wiege holten.
Sie war nicht nur Sängerin an diesem Abend, sondern lebende Ikone und gleichzeitig Entertainerin die eine Botschaft zu vermitteln hatte.
Ein groartiges Konzert und eine grossartige DeeDee Bridgwater, mit grossartigen Jazzladies, die das Metier beherrschten.

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