Diego Piñera Odd Wisdom - Underground Roller Coaster

Diego Piñera Odd Wisdom - Underground Roller Coaster - Albumcover
Diego Piñera Odd Wisdom - Underground Roller Coaster

Diego Piñera Odd Wisdom
Underground Roller Coaster

Erscheinungstermin: 25.10.2024
Label: Double Moon Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Die rhythmischen Vibrationen des Leaders, durchsetzt mit den reizvollen Soloparts der anderen Musiker in dieser Formation, lassen keinen Zweifel: Hier ist ein großes musikalisches Werk entstanden. Diego Piñera ist ein kluger und erfahrener Bandleader, der den Musikern viel Ausdrucksfreiheit lässt und gleichzeitig ihre Qualitäten, das Potenzial für Kombinationen, Kollisionen und Zusammenbrüche ausschöpft und so kompromisslose, aufrichtige und erbauliche Musik schafft. Ein großartiges Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 26.10.2024)

Besetzung

Diego Piñera - Drums, Compositions (except track 3 by Lennon-McCartney)
Peter Ehwald - Saxophone
Igor Osypov - Guitar
Marcel Krömker - Bass

Über das Jazz Album von Diego Piñera Odd Wisdom - Underground Roller Coaster

Das Leben: eine Achterbahnfahrt! Diego Pinera, der Schlagzeuger aus Berlin, hatte davon in letzter Zeit deutlich zu viel. „Dieser Teil des Albumtitels spiegelt mein Leben der letzten Jahre wider“, gibt er unumwunden zu - und meint damit auch sehr Persönliches. „Sehr dunkle Momente“ bis hin zu einer schweren Krankheit habe er überwinden müssen. Auf der anderen Seite viele großartige musikalische Erlebnisse. Dann: eine schmerzliche Trennung. Im Frühjahr 2023 wieder: die Verleihung des Deutschen Jazzpreises - der Musiker, der aus Uruguay stammt und seit mehr als zwei Jahrzehnten in Deutschland lebt, war gleich zweimal nominiert: als Komponist (der Siegertitel „Through Hell“ ist auf diesem Album zu hören) und als Arrangeur. "Das waren viele Extreme" - und zweifellos, wie er selbst meint, ein Nährboden für manches, was auf dem exzellenten neuen Album Underground Roller Coaster" zu hören ist.

Underground? „Unsere Haltung ist eher Underground. Nicht im Sinne von Free Jazz, vielleicht eher im Sinne von Punk.“ Verstärkt wurde dieser Spirit durch die ungewöhnlichen Aufnahmebedingungen. Pinera hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sein Quartett dieses Album weitgehend live in einem großen Studioraum einspielen sollte - so wie es die großen Vorbilder in den 1950er und 1960er Jahren getan hatten. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort stieß er auf das Zentrifuge Studio im Berliner Wedding: ein rauer, einzigartiger Ort, an dem Jazz und Avantgarde gelebt werden: „Berlinerisch chaotisch und verrückt! Volle Regale. Man steht live im Halbkreis - keine Kopfhörer, fast wie im Konzert“. Das erstaunliche Ergebnis: ein stimmiger, organischer Sound, zu dem auch das sorgfältige Re-Mixing und Mastering durch den Spezialisten Martin Ruch beigetragen hat.

Diego Pinera (eigentlich Piñera) hat schon in den besten Studios zwischen Berlin und New York gearbeitet. Mit seiner Vision für diese Produktion lag er genau richtig. „Damit so etwas funktioniert, braucht man eine eingespielte Band, der man vertraut. Das ist wirklich eine BAND!“ Odd Wisdom heißt das Vorgängeralbum des Wahlberliners, das Anfang 2021 auf dem Label ACT erschienen ist. Eingespielt wurde es in New York mit einigen Hochkarätern der dortigen Jazzszene: Donny McCaslin, Ben Monder und Scott Colley. Einen Großteil des Materials hatte er damals mit genau der Besetzung vorbereitet, die heute die Odd Wisdom Band bildet. Mit dem Gitarristen Igor Osypov, der in der Ukraine geboren und aufgewachsen ist, hat er seit etwa acht Jahren immer wieder musikalische Begegnungen. Die Verbindung zu Saxophonist Peter Ehwald reicht noch länger zurück - er war bereits an Pineras drittem Album „Strange Ways“ (Double Moon Records, JazzThing Next Generation) beteiligt. Marcel Krömker kennt er seit etwa 2007 - der Bassist spielte bereits auf der ersten Berliner Produktion des Schlagzeugers aus Montevideo („Reflexiones“, 2011). Krömker hat auch in der Zentrifuge fotografiert und die Covergestaltung in seine kompetenten Hände gelegt.

„Wir sind Freunde. Jeder ist Teil des Prozesses“, betont Pinera. „Ich wollte eine feste Band mit Musikern, zu denen ich auch einen persönlichen Draht habe, die mich persönlich und musikalisch kennen, die furchtlos und experimentierfreudig sind - und die in derselben Stadt leben!“ Und die als starke Charaktere bereit sind, Einfluss zu nehmen. Pinera ist ein Bandleader, Komponist und Arrangeur, der weiß, was er will und dessen Stücke herausfordern. Er weiß aber auch, wie viel besser eine erstklassig besetzte, funktionierende Band sein kann, wenn alle Beteiligten nicht nur instrumental perfekt sind, sondern auch eigene Ideen einbringen.

Diego Pinera, dessen Großmutter mütterlicherseits einst aus Berlin geflohen war, wuchs mit lateinamerikanischen Traditionen auf und beherrscht die klassischen Jazzstile. Bevor er nach Berlin kam, studierte er in Havanna auf Kuba und an der Berklee School of Music in Boston. Seine besondere Leidenschaft gilt den krummen Takten: „Das ist wie eine Droge. Ich übe immer noch sehr, sehr viel und komme immer weiter. Polyrhythmische Verschachtelungen bedeuten bei ihm manchmal, dass er verschiedene krumme Takte miteinander verbindet oder übereinander legt. Nicht als intellektuelles Experiment, sondern aus Freude an unbegrenzten Ausdrucksmöglichkeiten. Letztlich darf Komplexität nie hinderlich sein, Virtuosität nie Selbstzweck. Was zählt, ist der emotionale Gehalt. Bei Odd Wisdom fließt auch das Schwierigste wie selbstverständlich, wirkt ein 13er-Beat (eine von Pineras bevorzugten Zählzeiten) wunderbar organisch. Und mitreißend.

Das melodische Gespür des Schlagzeugers tut sein Übriges. „Die Melodie ist mir extrem wichtig“. Immer geht es um die richtige Balance. Das gilt auch für die einzige Fremdkomposition. Bisher hat Pinera für jedes seiner Alben einen Jazzstandard arrangiert. Diesmal wählte er „And I Love Her“ von den Beatles, im Original mit Bongos und Claves. Pinera („I love this song!“) machte daraus eine 13 und fügte - zum ersten Mal überhaupt auf einem seiner Alben - einen Perkussionsteil hinzu. Auf „Candombe in 5“ erklingen zusätzlich drei Candombe-Trommeln aus Uruguay. „Through Hell“ entstand in einer Krise während eines Krankenhausaufenthaltes. Ruido" ist der Lärm der Großstadt. Die wunderbare Ballade „Santa Teresa“, die das Album beschließt, speist sich aus sehr persönlichen Erinnerungen an die gleichnamige Kirche im süditalienischen Küstenort Trani. Ursprünglich war die Komposition als Duett von Kirchenorgel und Schlagzeug gedacht.

„Underground Roller Coaster“ ist ein vielschichtiges Meisterwerk. Das einer großartigen Band. Und eines Leaders mit einer ganz eigenen Handschrift.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. 13 Days
  2. Candombe In 5
  3. And I Love Her
  4. Los Viajes
  5. Through Hell
  6. Homeoffice
  7. Ruido
  8. En Un Tren
  9. Early Bird
  10. Santa Teresa

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